Volltext: Fürst und Volk

«Eine demokratische Staatsform bedeutet, 
wie es das Wort Demokratie schon betont, 
dass die Macht beim Volke liegt, dass das 
Volk seine politischen Geschicke selbst lei- 
tet. Auch in einer konstitutionellen Monar- 
chie, wie es Liechtenstein ist, bestimmt und 
leitet das Volk in weitestgehendem Masse 
die Politik. Selbstregierung durch das Volk 
bedeutet aber auch für jeden Bürger wei- 
testgehende politische Rechte, die wieder 
die persönliche, kulturelle, religiöse und 
wirtschaftliche Freiheit und Gleichberechti- 
gung aller Bürger einschliessen.» 
Fürst Franz Josef ll. in seiner Thronrede 
vom 5. April 1955 
«Der Abgeordnete soll seine Wahl als Auf- 
trag betrachten, sich stándig und intensiv 
mit den Geschicken des Volkes und Staates 
im In- und Ausland befassen und zwar un- 
ter Hintansetzung persónlicher Gruppen- 
oder Parteiinteressen. . . . der Abgeordnete 
móge sich bewusst sein, dass er nicht als 
Vertreter einer Partei, sondern als Vertre- 
ter des ganzen Volkes und Landes gewählt 
wird.» 
Fürst Franz Josef ll. in seiner Thronrede 
vom 5. April 1955 
weitgehende Rechte (Demokratie = 
Volksherrschaft). Laut Verfassung kann 
das Volk durch Wahlen und Abstimmun- 
gen Einfluss auf die Staats- und Gemein- 
deführung nehmen. Dies geschieht auch 
indirekt durch die gewählten Vertreter 
des Volkes in Landtag und Gemeinderat. 
Die parlamentarische Grundlage 
unseres Staates bildet der Landtag, der 
sich aus 15 Abgeordneten des Ober- 
landes und 10 Abgeordneten des Unter- 
landes zusammensetzt. Seine obersten 
Aufgaben sind die Gesetzgebung und 
die Aufsicht über die Verwaltung. Das 
Volk wählt die Abgeordneten als seine 
Stellvertreter direkt in den Landtag. 
Eine Legislaturperiode für einen Abge- 
ordneten dauert vier Jahre, wobei eine 
Wiederwahl möglich ist. 
Die Staatsgewalt im Fürstentum Liech- 
tenstein ist also zweigeteilt. Gleichwer- 
tig stehen Monarchie und Demokratie 
nebeneinander und nehmen im Rahmen 
der Verfassung ihre Aufgaben und Rechte 
wahr. Der Gedanke des Dualismus, der 
die Zweiteilung und die Ausgewogenheit 
der Staatsgewalt beinhaltet, zieht sich 
wie ein roter Faden durch viele Artikel 
unserer Verfassung. Dabei zeigt sich, 
dass Fürst und Volk gemeinsam die 
Staatsgewalt ausüben, d. h. dass beide 
gemeinsam dieses Land «regieren». 
Teils besitzen Fürst und Volk unabhängig 
voneinander eigene Rechte und Pflich- 
ten, teils sind die Aufgaben und Rechte 
beider so ineinander verschränkt, dass 
sie diese nur gemeinsam wahrnehmen 
können. Ein Gesetzesentwurf benötigt 
u.a. die Zustimmung von Fürst und 
Landtag (= Volk), damit er Gesetzeskraft 
erhalten kann. 
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