Volltext: Fürst und Volk

    
  
Zahlreiche Münzfunde 
in Liechtenstein erin- 
nern daran, dass Kaiser 
Augustus im Jahre 
15 v. Chr. die Räter 
unterwerfen liess. 
Die auf dem Lutzen- 
gütle, Gamprin, gefun- 
dene Silbermünze 
zeigt das Porträt von 
Kaiser Augustus und 
trägt die Umschrift 
DIVI[NU]S PATER 
PATRIAE CAESAR 
AUGUSTUS (göttlicher 
Vater des Vaterlandes, 
Kaiser Augustus). 
Rätische Stämme be- 
völkerten in unserer 
Gegend das Prättigau 
und das Rheintal bis 
zum Bodensee. 
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Unser Staat - Das Fürstentum Liechtenstein 
    
Die Verfassung - das Grundgesetz 
  
Geschichte der politischen Rechte 
bis zur Verfassung von 1921 
Die rätische und fränkische Zeit 
Zur Zeit um Christi Geburt war das Rô- 
merreich ein mächtiges Weltreich. In un- 
serer Gegend lebten damals die Ráter. 
Rätische Stämme, die das Rheintal bis 
zum Bodensee und das Prättigau bevöl- 
kerten, sind uns namentlich bekannt. 
Es waren dies im Prättigau die Pritanni, 
in der Gegend von Maienfeld-Ragaz die 
Kalukonen, in der Nähe des Zusammen- 
flusses von Ill und Rhein die Vennoneten 
und am Bodensee die Brigantier. 
Die Räter waren die nördlichen Nach- 
barn der Römer. Nachbarvölker der 
Räter waren im Westen die Helvetier, 
nördlich der Donau die Germanen und 
westlich des Rheins die Gallier. 
  
Im Jahre 15 v. Chr. beschloss der römi- 
sche Kaiser Augustus, die Räter zu 
unterjochen. Er tat dies nicht nur, um die 
lästigen Einfälle der Räter zu unterbin- 
den, sondern auch um das Römerreich 
zu vergrössern und zu festigen. 
Nur wenig ist uns über die Stammes- 
organisation der von den Römern 
unterworfenen rätischen Volksstämme 
bekannt. Das Stammesgebiet bildete 
nach dem römischen Geschichtsschrei- 
ber Plinius eine sogenannte civitas. 
Die civitas bestand aus mehreren patriae, 
diese zerfielen wieder in die sogenann- 
ten vici (Dórfer). 
Die patria bildete einen Gerichtsbezirk. 
Die Richter, Gerichtsschreiber und 
Curiales wurden vom Volk gewáhlt. 
Die Curiales, eine Art Vorsteher, waren 
Hauptzeugen bei Beurkundungen, 
Schenkungen und Erbschaften. Waisen- 
sachen und Adoptionen waren ihre An- 
gelegenheit, und vor allem hatten sie die 
Steuern einzuheben. Ebenso wurde der 
Bischof von Klerus und Volk gewáhlt. 
Diese Dorfgemeinschaften gaben sich 
ihre Satzungen (Gesetze) ohne Zutun 
des Staates. Im engeren Lebenskreis 
der «patria», dem «Vaterland» im alten 
Sinn, ist die Mitsprache des Volkes 
deutlich zu sehen. 
Einen Bruch mit den alten Verháltnissen 
bedeutete es, als Karl der Grosse im 
Jahre 806 in Churrátien die fränkische 
Grafschaftsverfassung einführte. Er, Karl 
der Grosse, teilte sein máchtiges Reich 
 
	        

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