Volltext: Fürst und Volk

dass jeder Stand als Einheit abzustim- 
men habe; der Dritte Stand hingegen 
verfocht die Ansicht, jedes Mitglied der 
Versammlung habe eine Stimme. 
sammlung». In der Nacht vom 4. auf 
den 5. August 1789 hob die National- 
versammlung sämtliche Privilegien des 
ersten und des zweiten Standes auf. 
Schliesslich erliess sie am 26. August 
1789 die «Erklärung der Menschen- und 
Bürgerrechte», die der amerikanischen 
Unabhängigkeitserklärung von 1776 
nachempfunden war. 
Als der König den Forderungen des Drit- 
ten Standes nicht nachgeben wollte, 
trennte sich dieser von den Generalstän- 
den und erklärte sich zur «Nationalver- 
  
Aus der Erklärung der Menschen- gehalten werden . . . Jeder Bürger, der kraft des Geset- 
und Bürgerrechte 
1. Die Menschen werden frei und gleich an Rechten 
geboren und bleiben es. 
2. Der Zweck jeder staatlichen Vereinigung ist die 
Erhaltung der natürlichen und unverjáhrbaren Men- 
schenrechte. Diese Rechte sind Freiheit, Eigentum, 
Sicherheit und Widerstand gegen Unterdrückung. 
3. Der Ursprung jeder Herrschaft liegt wesensmássig 
beim Volke; keine Kórperschaft, kein einzelner kann 
Herrschaft ausüben, die nicht ausdrücklich vom Volk 
ausgeht. 
4. Die Freiheit besteht darin, alles tun zu kónnen, was 
einem anderen nicht schadet . . . 
5. Das Gesetz darf nur die Handlungen verbieten, die 
der Gesellschaft schaden. Nur das, was das Gesetz 
verbietet, kann untersagt werden, und niemand kann 
zu einer Handlung gezwungen werden, die das Gesetz 
nicht gebietet. 
6. Das Gesetz ist der Ausdruck des allgemeinen Wil- 
lens. ... Da alle Bürger vor dem Gesetz gleich sind, so 
sind sie auch alle in der gleichen Weise zu allen Ehren- 
ämtern, öffentlichen Stellungen und Beschäftigungen 
gemäss ihren Fähigkeiten zugelassen, ohne einen ande- 
7. Niemand darf ausser in den durch das Gesetz be- 
stimmten Fällen angeklagt, verhaftet oder gefangen- 
  
ren Unterschied als den ihrer Kräfte und Geistesgaben. 
zes vorgeladen oder festgenommen wird, muss sofort 
gehorchen; durch Widerstand macht er sich strafbar. 
8. Jeder Mensch soll so lange für unschuldig gehalten 
werden, bis er für schuldig erklärt worden ist. 
9. Niemand darf wegen seiner Ansichten, auch nicht 
der religiösen, bedrängt werden, vorausgesetzt, dass 
ihre Äusserung nicht die durch das Gesetz festgelegte 
öffentliche Ordnung stört. 
10. Die freie Mitteilung der Gedanken und Ansichten 
ist eines der kostbarsten Menschenrechte; daher kann 
jeder Bürger frei sprechen, schreiben, drucken, mit 
dem Vorbehalt, dass er verantwortlich ist für den Miss- 
brauch dieser Freiheit. 
11. Die Sicherung der Menschen- und Bürgerrechte 
erfordert eine öffentliche Macht; diese Macht ist also 
zum Vorteil aller eingesetzt und nicht zum besonderen 
Nutzen derer, denen sie anvertraut ist. 
12. Für den Unterhalt der öffentlichen Macht und für 
die Verwaltungsausgaben ist eine allgemeine Abgabe 
unerlässlich; sie muss gleichmässig auf alle Bürger 
gemäss ihrem Vermögen verteilt werden. 
13. Alle Bürger haben das Recht, selbst oder durch 
ihre Vertreter über öffentliche Abgaben zu befinden. 
14. Die Gesellschaft hat das Recht, von jedem Staats- 
beamten Rechenschaft über seine Amtsführung zu ver- 
langen. 
(Text vereinfacht) 
  
  
55 
 
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.