Volltext: Fürst und Volk

  
Das Vertagungsrecht steht dem Fürsten 
zu, allerdings nur auf drei Monate. Nach 
Ablauf dieser längst möglichen Frist hat 
der Fürst die Pflicht, den Landtag inner- 
halb eines Monates wieder einzube- 
rufen. Diese Vertagung kann aus erheb- 
lichen Gründen stattfinden (Art. 48), die 
der Versammlung mitzuteilen sind. 
Ob ein Grund erheblich ist oder nicht, 
entscheidet der Fürst. 
Von grosser Wichtigkeit ist auch das 
Recht des Fürsten, unseren Landtag 
aufzulósen, wenn die Landtagsarbeit 
blockiert ist, weil Abgeordnete nicht 
erscheinen. Das Auflósungsrecht ist 
einerseits in die Hand des Fürsten, 
anderseits in die Hand des Volkes gelegt. 
Uber begründetes, schriftliches Verlan- 
gen kónnen 1500 wahlberechtigte Lan- 
desbürger oder vier Gemeinden durch 
Gemeindeversammlungsbeschlüsse 
eine Volksabstimmung über die Auf- 
lósung des Landtages verlangen. Nach 
jeder Auflósung muss binnen sechs 
Wochen eine Wahl stattfinden, der neu 
gewáhlte Landtag ist dann innerhalb 
von 14 Tagen einzuberufen (Art. 50). 
Die Schliessung und Auflósung kann nur 
vor versammeltem Landtage ausge- 
sprochen werden. Eine Auflósung auf 
schriftlichem Wege bei nicht tagendem 
Parlament ist bei uns verfassungs- 
mássig unzulássig. 
VADUZ 
Schloss Vaduz, 20, Januar 1989 es 
Sehr geehrter Herr Regierungschef 
Da der Landtag nicht mehr beschlussfáhig ist, bevoll- 
müchtige ich Sie hiermit unter Berufung auf Artikel 55 der 
Verfassung, den Landtag gemüss Artikel 48 der Verfassung 
in seiner Sitzung vom 23. Januar 1989 in meinem Namen 
aufzulösen, 
In Stellvertretung 
des Landesfürsten 
I uL 
Erbprinz Hans-Adam 
Herrn Regierungschef 
Hans Brunhart 
Regierung des Fürstentums Liechtenstein 
Regierungsgebäude 
9490 Vaduz 
In Stellvertretung des Landesfürsten bevollmäch- 
tigte Erbprinz Hans-Adam den Regierungschef, 
den Landtag wegen Beschlussunfáhigkeit aufzu- 
lósen. 
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