Volltext: Fürst und Volk

  
  
Die Übernahme des 
Thrones durch den 
Nachfolger ist kein 
(ipso iure) mit dem 
Tod eines Fürsten. 
Es gilt das franzósi- 
le roi est mort, vive 
le roi. 
dem Todestag des 
bisherigen Fürsten 
Franz l., neuer Fürst. 
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Unser Staat - Das Fürstentum Liechtenstein 
Willensakt, sie erfolgt 
von selbst unmittelbar 
sche Rechtssprichwort: 
| | Nach dieser Rechtsord- 
| nung war Franz Josef ll. 
Seit dem 25. Juli 1938, 
     
  
Prinz Alois verzichtete jedoch auf die 
Regierungsübernahme, wodurch sein 
ältester Sohn als Fürst Franz Josef Il. die 
ihm zustehenden Hoheitsrechte über- 
nahm. 
Die Person des Landesfürsten ist «ge- 
heiligt und unverletzlich» (Art. 7). Dies 
bedeutet, dass der Fürst in Sachen des 
Strafrechts und in politischen Belangen 
nicht zur Verantwortung gezogen wer- 
den kann. In der Ausübung der Staats- 
gewalt nimmt der Monarch nicht nur die 
Vaduz, den 26. Juli 1938. 
Montag, den 25. Juli 1938, abends */,10 Uhr 
ist auf Schloss Feldsberg Seine Durchlaucht 
Fürst Franz I. nach kurzem Leiden sanft 
verschieden. / Die Regierung hat Seine 
Durchlaucht Prinzregent Franz Josef als 
Fürst Franz Josef II. übernommen. 
An mein Volk in Liechtenstein! 
Gottes Fügung hat uns in tiefe Trauer versetzt. Mein geliebter, unvergeßlicher 
Großoheim der regierende Fürst Franz L ist aus dieser Welt zum ewigen Frieden abge- 
rufen worden. 
In der mehr als 9 Jahre währenden Regierungszeit meines Großonkels ist es 
seiner weisen Einsicht beschieden gewesen, die durch die Weltkrise und eine Naturkata- 
strophe schwer geschädigte Wirtschaft des Landes, für deren Wiederaufbau weiland Seine 
Durchlaucht Fürst Johann IL. in hochherziger und wahrhaft väterlicher Weise vorgesorgt 
hat, zu weiterer Entfaltung zu führen. 
Auf Grund der Verfassung und der Hausgesetze zur Nachfolge berufen, übernehme 
ich die Regierung mit der Bitte an Gott, mir Gnade und Kraft zu geben, das Erbe meiner 
Vorfahren getreulich zu verwalten. Ich gelobe, meinem Lande ein gerechter Fürst zu sein, 
die verfassungsmäßigen Freiheiten zu wahren, den Bedrängten und Armen ein Helfer und 
dem Rechte ein getreuer Hüter zu bleiben. 
Und so hoffe ich, daß es mir in gemeinsamer Arbeit mit dem Volke gelingen 
wird, die mir auferlegten Pflichten zum Wohle des Landes zu erfüllen. 
Vaduz, am 26. Juli 1938. 
Dr. Hoop m. p. Franz Josef m.p. 
  
Die Staatsform 
Stellung eines Staatsoberhauptes ein, 
sondern er hat auch entscheidend Anteil 
an der Gesetzgebung und beim Vollzug 
der Gesetze, denn «Jedes Gesetz 
bedarf zu seiner Gültigkeit der Sanktion 
des Landesfürsten» (Art. 9). 
Weiters liegt es auch in der Hand des 
Fürsten, in Notzeiten «das Nötige zur 
Sicherheit und Wohlfahrt des Staates» 
(Art. 10) zu veranlassen. 
Dem Landesfürst steht — wie vielen 
Staatsprásidenten auch — das Recht der 
Begnadigung, der Milderung und Um- 
wandlung rechtskráftig zuerkannter Stra- 
fen zu (Art. 12). 
Wenn auch in der Verfassung das mo- 
narchische Prinzip hervorgehoben ist, so 
gilt doch für die Ausübung der Rechte 
des Landesfürsten und auch des Landta- 
ges (als Vertreter des Volkes) in vielen 
Bereichen der Grundsatz des Zusam- 
menwirkens. Teils sind die Rechte auf 
Fürst und Landtag aufgeteilt, teils ist 
ein gemeinsames Wahrnehmen der 
Rechte vorgesehen, das beide Inhaber 
der Staatsgewalt zur Zusammenarbeit 
veranlasst (wie z. B. beim Erlass eines 
Gesetzes oder der Bestellung der 
Regierung). 
 
	        

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