Volltext: Wirtschaftliche, kulturelle und politische Beziehungen zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz

wie von einem Teil der Schweiz im Laufe der 
Jahrhunderte auch vom Gebiet des heutigen 
Fürsteutums Liechtenstein Besitz genommen, die 
rätoromanische Bevölkerung, Kultur und Spra- 
che verdrängt. Seit dem 12. Jahrhundert wird 
hier ausschließlich deutsch gesprochen. Ende des 
13. Jahrhunderts wanderten die sog. Walliser 
ins Land, die am Triesenberg und in Planken ge- 
schlossene Siedlungen bildeten und wenigstens in 
der Gemeinde Triesenberg bis auf den heutigen 
Tag ihren Walliser Dialekt und etliche spezifi- 
sche Walliser Gebräuche beibehielten. Sonst ist 
der Dialekt des liechtensteinischen Unterlandes 
mehr jenem des benachbarten Vorarlbergs und 
jener des Oberlandes mehr dem der Bündner 
Herrschaft angeglichen, so daß man den Liech- 
tensteiner in der Schweiz, beurteilt nach seinem 
Dialekte, weit mehr als einen Vorarlberger oder 
Graubündner anspricht wie etwa als einen be- 
nachharten Werdenberger, der einen von dem 
unsern grundverschiedenen Dialekt spricht. Der 
Rhein scheint also früher doch weit mehr tren- 
nend gewirkt zu haben als man heute wohl allge- 
mein annehmen will, weil bis zum Jahre 1861 
zwischen dem Gebiete des Fürstentums Liechten- 
stein und dem benachbarten Kanton St. Gallen 
keine einzige Rheinbrücke sondern lediglich 
Schiffähren bestanden. 
Nach diesem kurzen Blick in das «Gesicht» 
des Landes gestatten Sie einen weiteren in seine 
Geschichte. Denn wohl die meisten werden sich 
fragen, wie ist es möglich, daß sich hier durch 
alle die Wirrnisse der Zeit ein Fürstentum er- 
halten konnte, das im Laufe der Jahrhunderte 
sich zu einem vollständig souveränen Staatswe- 
sen heranbildete, trotz seiner Kleinheit und welt- 
politischen Bedeutungslosigkeit. Ich móchte vor- 
weg bemerken, daß es den Namen Fürstentum 
Liechtenstein erst seit dem 23. Januar 1719 
führt. Denn die Fürsten von Liechtenstein er- 
warben die ehemaligen reichsunmittelbaren Ge- 
biete, nämlich die Herrschaft Schellenberg 1699 
und die Grafschaft Vaduz 1712 käuflich, an und 
für sich schon ein Kuriosum. Bis zu dieser kàuf- 
lichen Erwerbung regierten verschiedene Grafen- 
gesehlechter das Land, so als erste die Grafen 
von Montfort, die auch im benachbarten Kanton 
 
	        

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