Volltext: Die liechtensteinische Staatsordnung

Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 
ten wurde abgesehen.?® Sie war mit der Forderung nach einem Ausbau 
der Volksrechte, die neben Volksabgeordneten auch direktdemokrati- 
sche Einrichtungen wie Referendum und Initiative auf Gesetzes- und 
Verfassungsebene umfasste, nicht zu vereinbaren. Der demokratische 
Legitimitätsgedanke war so stark geworden, dass der Fürst aus dem 
dynastischen Prinzip keinen Anspruch mehr ableiten konnte, um auf die 
Wahl zum Landtag durch die Ernennung von fürstlichen Abgeordneten 
rechtlich und politisch Einfluss zu nehmen. 
Merkwürdig und nicht einsichtig für ein duales Verfassungssystem 
mit zwei Trägern der Staatsgewalt, Fürst und Volk, ist allerdings, dass es 
nach Art. 45 Abs. 1 LV 1921 ebenfalls zur Obliegenheit des Landtages als 
«Rechts- und Interessenvertreter» des Volkes gehört, nicht dessen Wohl, 
sondern das «Wohl des Fürstlichen Hauses» - in $ 39 KV 1862 hiess es 
noch das «allgemeine Wohl des Fürsten» — «möglichst zu fördern».?? Der 
Verfassungsentwurf von Wilhelm Beck hat demgegenüber dem Landtag 
entsprechend seiner Stellung folgerichtig aufgetragen, «die Interessen 
des Landes und Volkes nach den Bestimmungen dieser Verfassung wahr- 
zunehmen».? So unterstreicht denn auch Dietmar Willoweit, dass aus 
dem Demokratieprinzip (Art. 2 LV) in seiner parlamentarischen Ausge- 
staltung folge, dass die Abgeordneten in ihre politische Arbeit nur das 
Meinungsspektrum des Volkes einzubringen haben.?! 
2. Inhalt und Umfang der Mitwirkungsrechte 
a) Allgemeines 
Inhalt und Umfang der demokratischen und parlamentarischen Beschaf- 
fenheit der konstitutionellen Erbmonarchie bestimmt die Verfassung. Sie 
gibt darüber Aufschluss und bildet den Massstab. Sie legt den Umfang 
  
28 Siehe Ziffer 6 der Schlossabmachungen vom September 1920 und dazu Rupert Qua- 
derer, Der historische Hintergrund der Verfassungsdiskussion, S. 129. 
29 Vgl. Luc Heuschling, Le citoyen monarque, S. 172 f., der bemerkt, dass es in ande- 
ren deutschen Verfassungen des 19. Jahrhunderts keine vergleichbare Bestimmung 
gibt. 
30 Siehe Art. 35, publiziert in: O.N. Nr. 49 vom 19. Juni 1920. 
31 Dietmar Willoweit, Verfassungsinterpretation im Kleinstaat, S. 206. 
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