Volltext: Die liechtensteinische Staatsordnung

Geschichtliche Grundlagen und Rechtsstellung 
Abgeordnete unmittelbar vom Volk gewählt werden. Es besteht aus 25 
«gleichberechtigten» Mitgliedern,®* die ihr Mandat teilzeitlich bzw. als 
«Milizparlamentarier» wahrnehmen.” Auch wenn in Anlehnung an $ 39 
KV 1862, aus der der Wortlaut übernommen worden ist, von Landesan- 
gehörigen gesprochen wird, ist der Landtag der Vertreter bzw. der 
Repräsentant des ganzen Volkes. Dies geht schon daraus hervor, dass der 
Landtag als solcher «berufen» ist, die «Rechte und Interessen des Volkes 
im Verhältnis zur Regierung wahrzunehmen und geltend zu machen», 
wobei unter dem Begriff der «Regierung» aus systematischen Gründen 
der Landesfürst zu verstehen ist, wie dies schon bisher in $ 39 KV 1862 
der Fall gewesen ist. 
2. Funktion der Repräsentation 
Nach allgemeiner Auffassung stellt die Wahl durch das Volk die Volksre- 
präsentation her, selbst wenn der Wahlkörper nicht vollends identisch 
mit dem repräsentativen Ganzen ist. So steht der Landtag für die ge- 
samte Bevölkerung,” auch wenn die Abgeordneten ihr Mandat nur aus 
dem Kreis der wahlberechtigten Personen erhalten, dem sie selber ange- 
hören müssen, wenn sie sich zur Wahl stellen wollen. Die Abgeordne- 
  
53 Siehe Art. 46 Abs. 1 LV. 
54 Gregor Steger, Fürst und Landtag, S. 100. 
55 Vgl. Gerard Batliner, Parlament, S. 73 ff. Er versteht unter einem Milizparlamenta- 
rier einen Abgeordneten, der seine parlamentarischen Tätigkeiten neben seinem 
Hauptberuf ausübt. Vgl. auch Thomas Allgäuer, Die parlamentarische Kontrolle 
über die Regierung, S. 58 ff.; Pierre Tschannen, Staatsrecht, S. 406 Rz. 17. 
56 Kurt Eichenberger, Verfassung des Kantons Aargau, S. 252 Rz. 2; vgl. auch Martin 
Batliner, Politische Volksrechte, S. 55. 
57 So verstehen auch Martin Morlock/Ewgenij Sokolov, Beobachtung von Abgeord- 
neten, S. 407 für das deutsche Recht die Volksvertretung als «Gesamtrepräsenta- 
tion», die von der Gesamtheit der Abgeordneten gebildet wird, sodass der einzelne 
Abgeordnete weder Vertreter der Bürger seines Wahlkreises noch Vertreter des gan- 
zen Volkes ist. Sie können in dieser Sichtweise keine Schmälerung der Bedeutung 
des einzelnen Abgeordneten erkennen. Ist er nämlich «an der Ausübung seines 
freien Mandats (unrechtmässig) gehindert, hat das Auswirkungen auf die Willens- 
bildung des Parlaments, dessen Funktion als Volksvertretung und damit auf den 
Demokratieprozess im Ganzen.» 
58 Siehe Art. 46 Abs. 1 LVi. V.m. Art. 1 Abs. 1 VRG; vgl. auch Pierre Tschannen, Staats- 
recht, S. 408 Rz. 2. 
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