Volltext: Die liechtensteinische Staatsordnung

Ausschliesslicher Kompetenzbereich des Landesfürsten — Alleinzuständigkeiten 
Zählte das Einberufungs- und Auflösungsrecht unter der Konstitutio- 
nellen Verfassung von 1862 noch zu den Allein-Kompetenzen des Fürs- 
ten, so muss er diese Rechte nach der Verfassung von 1921 mit dem Volk 
teilen, das neben ihm zum Einberufungs- und Auflösungsorgan gewor- 
den ist. Dies wertet die Stellung des Volkes und diejenige des Landtages 
auf, der als (Mit-)Gesetzgeber erst aktiv werden kann, wenn er versam- 
melt ist, d. h. «gesetzlich konstituiert» ist. Diese Konstituierung hängt — 
wie schon erwähnt — von der Einberufung ab, zu der nun auch das 
Stimmvolk berechtigt ist. 
So gesehen beginnt die Mandatsperiode nicht schon mit der erfolg- 
ten Landtagswahl, sondern erst im Zeitpunkt der Versammlung. !?* 
b) Begriffsbestimmungen 
Die Auflösung des Landtages beinhaltet die vorzeitige Beendigung der 
Mandatsdauer bzw. Legislaturperiode, die den Zeitraum vom Wahltag 
bis zum nächsten Wahltag, der vier Jahre dauert, absteckt. Sie gliedert 
sich in Sitzungsperioden (Sessionen), die mit der Eröffnung des Landta- 
ges beginnen und mit der Schliessung endigen. Die Auflösung ist von der 
Vertagung und der Schliessung des Landtages zu unterscheiden. Die 
Vertagung unterbricht die Sitzungen (Tagungen)! und verschiebt sie 
innerhalb der Sitzungsperiode auf einen anderen Termin bzw. setzt die 
Verhandlungen des Landtages innerhalb der Sitzungsperiode aus, wäh- 
rend die Mandatsdauer bzw. Legislaturperiode fortbesteht. Die Schlies- 
sung beendet die Sitzungsperiode des Landtages, hat aber auf die Man- 
datsdauer bzw. Legislaturperiode keinen Einfluss. Die Mandatsdauer 
bzw. Legislaturperiode erstreckt sich bis zu ihrem gesetzlich bestimmten 
Ende, sofern der Landtag nicht vorher aufgelöst wird. 126 
  
124 Vgl. Gerard Batliner, Parlament, S. 99, der vermerkt, dass die «Anfangs- und End- 
punkte der Mandatsdauer» nicht völlig geklärt sind. Vgl. auch Roger Beck, Landtag, 
S. 156 f. 
125 Der Landtag tritt innerhalb der Sitzungsperioden zu Sitzungen zusammen, die, 
abgesehen von der Eröffnungssitzung, gemäss Art. 49 Abs. 2 LV und Art. 18 Abs. 1 
GOLT der Landtagspräsident in Absprache mit dem Landtagspräsidium anordnet. 
126 In Anlehnung an Enno Starke, Parlamentsauflösung, S. 1; vgl. auch Gerard Batliner, 
Parlament, S. 99 ff. 
332
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.