Volltext: Die liechtensteinische Staatsordnung

Fragestellungen im Zusammenhang mit den Hausregeln 
lienoberhauptes als Landesherr («Regierer»)® oder aus der Familienau- 
tonomie des hochadeligen Hauses folgte.2 Die Gesetzgebungshoheit 
war mit der Landeshoheit verbunden. Diese Thematik wurde wesentlich 
bestimmt von der Frage nach ihrer Abgrenzung gegenüber der prinzi- 
piell umfassenden Gesetzgebungsbefugnis des modernen Staates.” Die 
Hausgesetze wiesen eine Nähe zur Privatautonomie und gleichzeitig 
auch zum Staats- und Verfassungsrecht auf, was eine begriffliche Berei- 
nigung erschwerte.? Man konstatierte zwar, dass zwischen einfacher 
Privatautonomie und besonderer Adelsautonomie unterschieden wer- 
den musste, konnte aber die Distanz, die sich zwischen den Hausgeset- 
zen und Familienverträgen der hochadeligen Familien und der staatli- 
chen Gesetzgebung auftat, nicht überbrücken.?® Zudem liess sich die 
Adelsautonomie nur als «Ergebnis Jahrhunderte langer Verfassungsent- 
wicklung» rechtfertigen.? 
III. Kontroverse Staatstheorien 
1. Staatsrechtliche Theorie 
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich die sogenannte «staats- 
rechtliche» Theorie durch, wonach das fürstliche Hausrecht in jeder 
Beziehung dem Staatsrecht unterliegt, auch wenn es nach wie vor Stim- 
men gab, die legitimistische Positionen verfochten, die patrimonialstaat- 
lichen Vorstellungen verhaftet blieben? und die Dynastie über den Staat 
25 So die Präambel der Landständischen Verfassung von 1818 bzw. im Vorspann zur 
Konstitutionellen Verfassung von 1862. 
26 Vgl. Winfried Haug, Autonomie im öffentlichen Recht, S. 13. 
27 Vgl. Robert Martin Mizia, Der Rechtsbegriff der Autonomie, S. 146. 
28 Vgl. Winfried Haug, Autonomie im öffentlichen Recht, S. 12. 
29 Vgl. Robert Martin Mizia, Der Rechtsbegriff der Autonomie, S. 163 und Winfried 
Haug, Autonomie im öffentlichen Recht, S. 14. 
30 Robert Martin Mizia, Der Rechtsbegriff der Autonomie, S. 163; vgl. auch den ers- 
ten Satz der Präambel des Hausgesetzes des Fürstlichen Hauses Liechtenstein, 
LGBl. 1993 Nr. 100. Im Fürstentum Liechtenstein gab es keine Adelsgesellschaft. 
31 So Wilhelm Reidelhuber, Hausrecht und Staatsrecht, S. 10. 
32 Vgl. Anna Bartels-Ishikawa, Der Lippische Thronfolgestreit, S. 99. In den Achtzi- 
gerjahren des 19. Jahrhunderts setzt eine «patrimoniale Renaissance» ein. Promi- 
nente Vertreter dieser Richtung sind Max von Seydel und Hermann Rehm. Georg 
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