Volltext: Die liechtensteinische Staatsordnung

Gang der Entwicklung 
Konstitutionalismus, der dem Fürsten eine Sonderstellung gegenüber 
dem Volk bzw. dem Landtag einräumt. Die Konstitutionelle Verfassung 
von 1862 soll nur punktuell geändert bzw. teilrevidiert werden, bei- 
spielsweise demokratische Elemente, wie direktdemokratische Ein- 
richtungen, aufnehmen, die er aber ausdrücklich unter den Vorbehalt 
des fürstlichen Sanktionsrechts stellt. Der Landesfürst und seine Regie- 
rung sowie der Landtag selber sollen auch berechtigt sein, eine Volksab- 
stimmung gegen einen Gesetzesbeschluss des Landtages anordnen zu 
können. 
Der Verfassungsentwurf befürwortet eine «starke Monarchie». Das 
Volk soll zwar mehr Rechte erhalten.“ Es geht ihm aber nicht um eine 
Teilung der Staatsgewalt. Er konzediert dem Landesfürsten neben dem 
Sanktionsrecht auch das Recht, einen Landtagsbeschluss einer Volksab- 
stimmung unterstellen zu können. 
Aus dieser Gegenüberstellung folgt, dass der Verfassungsentwurf 
von Wilhelm Beck grundsätzlich ein parlamentarisches Regierungssys- 
tem anstrebt und eine Totalrevision voraussetzt, währendem der Ver- 
fassungsentwurf von Prinz Karl von Liechtenstein den bisherigen 
monarchischen Konstitutionalismus fortschreibt und sich aus materiel- 
ler Sicht lediglich auf eine Partialrevision beschränkt. 
II. Schlossabmachungen 
1. Verhandlungsteilnehmer und «Entschliessung» des Fürsten 
Die Schlossabmachungen vom 11. und 13. September 1920 beauftragen 
die Regierung «dem Landtag ehestens eine Verfassungsrevisionsvorlage 
zur Schlussfassung vorzulegen». Sie sind zwischen Vertretern der 
Christlich-sozialen Volkspartei und Vertretern des Fürsten ausgehandelt 
worden und vom Fürsten als «Entschliessung» ergangen. Sie enthalten in 
  
41 Rupert Quaderer-Vogt, Bewegte Zeiten, Bd. 2, S. 237 bezeichnet die Zugeständnisse 
an direktdemokratischen Rechten als einen «Versuch, einen Kompromiss zu den 
Forderungen der Volkspartei einzugehen.» Dieser Verfassungsentwurf wurde in der 
Folge nicht mehr aufgegriffen (S. 237 f.). 
42 Zum Bedeutungsgehalt des Begriffs siehe hinten S. 194 ff. 
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