Danach entwickelte sich eine einmalige Auseinandersetzung zwischen den Parteien. 
Offenbar war man zum ersten Mal im Landtag gewillt im Eintretensteil eine Stellungnahme 
abzugeben. Peter Marxers (FBP) Kritik danach war heftig: „Sie und die Herren Ihrer Partei 
[haben] sich schwer getäuscht [...], als Sie noch in diesem Jahr, im Jahre 1970, dem 
liechtensteinischen Volk immer wieder erklärten, dass die Staatskassen überfliessen und 
dass man in Vaduz den Goldesel nur klopfen müsse.“#%20 Er stellte fest, dass das 
Budgetdefizit nicht 1,8 Millionen betrage sondern 12 Millionen, da die ausserordentliche 
Rechnung nicht gedeckt sei. Er wollte am Ende wissen, wie die Regierung das Defizit 
abdecken wolle, da es keine Mehreinnahmen erwarte. 
Die Reaktionen auf die Kritik waren umfangreich. Franz Beck blieb sachlich und erläuterte 
das allgemeine Ansteigen des Budgets als internationale Entwicklung und betonte, dass 
man den steigenden Ausgaben mit Anpassungen beikommen werde. Er verwies auf die 
Einschätzung der Finanzkommission, dass man die Einnahmen zurückhaltend budgetiert 
habe. Er betonte, es gebe keinen Grund zu dramatisieren. Herbert Kindle (VU), der in 
diesem Jahr seine Karriere als Abgeordneter angefangen hatte, verteidigte sich direkter. 
Er bezog Marxers Kritik auch auf die Erhöhung des Finanzausgleiches, der durch die 
Initiative der VU zustande kam. Auch er redete von Dramatik, mehrmals, und verwies auf 
den Unterschied zwischen budgetierten und effektiven Zahlen: 
„Ich bin zwar Neuling in diesem Kreise, aber ich sage Ihnen offen, ich habe vor der Dramatik, die hier 
produziert wird immer wieder im Zusammenhang mit der Budgetierung, längst das Fürchten verlernt. [...] Vor 
dieser jJahrzehntelangen Diskrepanz zwischen Budget und effektiven Zahlen habe ich - ich wiederhole es - 
schon längst das Fürchten verlernt. “421 
Danach wehrte er sich gegen die Vorwürfe von Peter Marxer, die er offenbar falsch 
verstanden hatte. Dazu sagte er: 
„wir hatten uns gestützt auf die Tatsache, dass innerhalb der letzten 10 Jahre Ueberschüsse von 50 bis 70 
Mio Franken herausgeschaut haben. Diese Ueberschüsse wurden zum Teil auf die hohe Kante gelegt, 
waren ursprünglich zu 100% gedeckt, sind dann zum Teil wieder irgendwo in der Staatsrechnung verflossen, 
und eines Tages hat man 29 Mio Franken wieder aufgelöst. ‚Das Volk getäuscht‘, dagegen protestiere ich 
entschieden. “422 
420 Ltp vom 17.12.70, S. 394. 
421 Ltp vom 17.12.70, S. 395-396. 
422 |tp vom 17.12.70, S. 396. 
149
        

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