Volltext: Nachbar Ständestaat

Proporzinitiative wurde die Gefahr der zersplitternden Wirkung des Proporzes beschworen. Bei 
der Behandlung der Initiative im Landtag warnte Regierungschef Hoop, dass es mit dem 
Proporz zu einer weiteren Parteienzersplitterung komme und in deren Folge der Landtag 
zunehmend gelähmt werde. Dies führe, wie man es aus anderen Ländern kenne, schliesslich in 
die Diktatur.!°” Landtagspräsident Frommelt kritisierte zudem deutlich die nicht zu 
vereinbarende Verquickung von Proporz und Ständestaat, indem er sich empörte, „dass es 
denkende Leute wagen, dem Landtage und dem Volke eine derartige ,Sauce* vorzustellen “163 
Im Volksblatt befassten sich die Argumente gegen die Initiative ebenfalls primär damit, dass 
die Proporzwahl der Parteienzersplitterung Vorschub leiste, die Parteien mit dem Proporz in 
der Verfassung verankert würden und dass die Verbindung von Proporz und Stándestaat sich 
widerspreche. ^? Aber explizit mit dem stándestaatlichen Teil der Initiative befasst sich die 
Bürgerparteipresse kaum. Dies wurde auch vonseiten des Heimatdienstes thematisiert, ? 
worauf jedoch das Volksblatt lediglich antwortete, dass es keinen Sinn mache „sich mit etwas 
zu beschäftigen, was erst nach Jahren kommen soll.“!’! Damit wies das Blatt nur auf die Kann- 
Formulierung im ständestaatlichen Verfassungsvorschlag hin, wich aber einer eindeutigen 
Stellungnahme zur berufsständischen Ordnung aus. 
Allgemein ist für den Untersuchungszeitraum ein stetes Lavieren der Bürgerpartei zwischen 
eindeutigen Absagen an ständestaatlichen Konzepten für Liechtenstein!’*? und Sympathien für 
gewisse Aspekte des berufsständischen Gedankens!? auszumachen. Dabei ist zu erwähnen, 
dass beim Volksblatt eine eigene Redaktion nur für den liechtensteinischen Teil bestand, 
während der restliche Teil identisch mit dem „Rheintaler Volksfreund“ war,!"* der dem 
> Die Katholisch-Konservativen in der 
katholisch-konservativen Spektrum zugehôrte.!” 
Schweiz forderten auch die berufsständische Ordnung,'” weshalb sich im  nicht- 
liechtensteinischen Teil des Volksblatts wiederholt Artikel finden, die für eine solche warben. 
Als Gegenargument führte das Volkblatt im März 1934 aus, dass die von der Verfassung 
gewährleisteten Volksrechte mit der Einführung des Ständestaates wegfallen würden, weshalb 
man zunächst auf die Erfolge des Ständestaates in den Nachbarstaaten warten würde und erst 
  
167 LI LA LTP 1935/031, Initiative betr. die Einführung des Proporzwahlrechts, 9.5.1935. 
168 Ebd. 
169 Als Beispiele seien genannt: VB, 28.2.1935, S. 1, VB, 9.3.1935, S. 1, und VB, 25.5.1935, S. 8. 
1? [ HD, 4.5.1935, S. 8. 
111 VB, 25.5.1935, S. 8. 
17? VB. 5.5.1934, S. 1 - 2, VB, 19.6.1934, S. 1, und VB, 11.12.1934, S. 2. 
13 VB, 21.4.1934, S. 1, VB, 21.6.1934, S. 1, und VB, 21.3.1936, S. 1. 
^ Geiger, Krisenzeit 2, S. 63 — 64. 
75 Walther, Mediengeschichte des Kantons St. Gallen, S. 70. 
176 Zollinger, Frischer Wind oder faschistische Reaktion, S. 312. 
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