Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2018) (2018)

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Die Schweizer Kleinschreib 
maschine «Patria», erfunden 
von Otto Haas. 
Otto Haas wurde 1954 auf 
dem Balzner Friedhof beige 
setzt. Aufnahme von 1997. 
Martin Othmar Winterhalter mit seiner Sekretärin Lucia Medici 
nach seiner Flucht aus der Anstalt Friedmatt vor dem Schloss 
Vaduz, 1949. 
1938 kam Sohn Hanno zur Welt. Er besuchte später 
die Volksschule in Balzers und einige Jahre lang das 
Collegium Marianum in Vaduz. 
Die Familie Haas lebte mehrere Jahre auf der Burg 
Gutenberg. Schliesslich aber konnte Otto Haas die Be 
dingungen des Kaufvertrags nicht erfüllen, sodass die 
Burg Gutenberg um 1946 wieder an die Erbengemein 
schaft Rheinberger zurückfiel. 
Otto Haas lebte mit seiner Familie beinahe 20 Jahre 
in Balzers und «... erfreute sich hei der dortigen Bevölke 
rung wegen seines freundlichen, ruhigen Wesens allgemei 
ner Beliebtheit. In Fachkreisen war er besonders bekannt 
als Konstrukteur der Kleinschreibmaschine, für die er die 
Konstruktionszeichnungen und sonstigen Vorarbeiten in 
jahrelanger Arbeit hier in Liechtenstein ausführte», wie 
es in der Todesanzeige im Liechtensteiner Volksblatt 
vom 17. August 1954 heisst. 
Elisabeth Haas heiratete 1959 den Lokomotivführer 
Abraham Gmür und lebte bis zu ihrem Tod 1983 
in Sargans. Sohn Hanno machte rasch Karriere und 
wurde 1963, erst 25-jährig, Direktor der Flugschu 
le Stuttgart und somit der jüngste Flugschuldirektor 
Deutschlands. Ab 1967 arbeitete er bei der Baiair als 
Langstreckenpilot. 1972 kam Hanno Haas bei einem 
Autounfall auf dem Heimweg vom Flughafen Kloten 
nach Uster, erst 34-jährig, ums Leben. Er hinterliess 
eine Frau und zwei minderjährige Töchter. 
Elisabeth Gmür-Haas (rechts) mit ihrer langjährigen Freundin 
Emma Thöny, um 1976. 
Der «Reissverschlusskönig» residiert auf Burg 
Gutenberg 
Ab Herbst 1950 lebte der Erfinder des modernen 
Reissverschlusses, der schillernde St. Galler Grossin 
dustrielle Martin Othmar Winterhalter [1889-1961], 
mehrere Wochen auf der Burg Gutenberg. 
Winterhalter erwarb 1923 das Patent für Reissver 
schlüsse in Europa. Er entwickelte sie weiter und liess 
sie unter der Marke «riri» [Rippen und Rillen] mit 
selbst entwickelten Maschinen herstellen. Bald darauf 
wurden die riri-Reissverschlüsse als Massenprodukt in 
dustriell hergestellt, zunächst in Deutschland, später 
in der Schweiz und weltweit in Lizenz. 
Als Ende der 1940er-Jahre Winterhalters erste Patente 
verfielen und die weltweite Billigproduktion von Reiss 
verschlüssen einsetzte, kam es bei RiRi zu einem star 
ken Einbruch der Verkaufszahlen. Winterhalter begann, 
sein Millionenvermögen zu verschleudern, tätigte un 
vernünftige Investitionen und machte durch groteske 
Aktionen im In- und Ausland von sich reden. 
Seine Geschwister, die das Firmenvermögen selbst ver 
walten wollten, versuchten mehrmals, ihn in eine psy 
chiatrische Klinik einzuweisen. Immer wieder flüchtete 
Winterhalter ins Ausland und entging einer Einweisung. 
1949 wurde er in die Anstalt Friedmatt bei Basel einge 
wiesen, konnte aber mit Hilfe seiner Sekretärin fliehen. 
Sie setzten sich zunächst nach Frankreich und später 
nach Liechtenstein ab, wo er liechtensteinischen und 
ausländischen Journalisten bereitwillig Auskunft über 
seine Zukunftspläne gab. 
Im folgenden Jahr reiste er nochmals quer durch Eu 
ropa und lebte für eine Weile auf der Burg Gutenberg. 
1951 liessen ihn seine Geschwister endgültig entmün 
digen und für geisteskrank erklären. Er wurde in eine 
psychiatrische Klinik in Kreuzlingen eingewiesen, wo 
er schliesslich 1961 starb.
	        

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