Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2018) (2018)

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Hans Brunhart 
«Einkaufsmeilen» in Balzers und Mäls - Der Detailhandel Ende der 
Fünfzigerjahre 
Der Wandel in Einkauf und Produktion 
Man sagt oft, die Welt sei im ständigen Wandel begrif 
fen und dies gelte für die heutige Zeit in besonderem 
Masse. Diese Veränderungen betreffen nicht nur die 
grosse Welt der Politik und der Wirtschaft, sondern 
haben in vielerlei Hinsicht einen direkten Einfluss auf 
unser tägliches Leben. 
An der Art und Weise, wie Produkte des täglichen Be 
darfs in unserem Dorf produziert und eingekauft wur 
den und werden, kann dies auf eindrückliche Weise 
belegt werden. Ende der Fünfzigerjahre des letzten 
Jahrhunderts, also vor rund sechzig Jahren, bestanden 
in unserer Gemeinde gegen vierzig Handelsgeschäf 
te und der Bedarf an Lebensmitteln, Haushaltwaren, 
Bekleidung und Schuhen konnte weitgehend in der 
eigenen Gemeinde gedeckt werden. Nur für Uhren, 
Schmuck oder medizinische Produkte war ein Gang 
nach Trübbach, Vaduz oder anderswohin nötig. 
Zu der gegenüber heute augenscheinlichen Verände 
rung haben verschiedene Faktoren beigetragen: Zum 
einen grundsätzliche Entwicklungen wie die Konzen 
tration im Handel und die Industrialisierung der Pro 
duktion etwa im Lebensmittelsektor, aber auch die 
zunehmende Mobilität durch das Auto und die damit 
verbesserten Transportmöglichkeiten, ebenso die Tech 
nik im Haushalt durch Kühlschränke und Tiefkühltru 
hen, welche die Haltbarkeit von Lebensmitteln ver 
besserten und damit den täglichen Gang zur Sennerei 
oder zur Bäckerei nicht mehr notwendig machten. 
Unter diesen Entwicklungen ist die zurzeit feststell 
bare Verlagerung eines weiten Teils des Einkaufs ins 
Internet noch nicht einmal erwähnt. Dies weist darauf 
hin, dass dieser Prozess nicht beendet ist. 
Die Verlagerung des Detailhandels in oft peripher 
gelegene Einkaufszentren und die Abnahme von Ein- 
kaufsmöglichkeiten in den Ortszentren hat aber noch 
eine weitere Konsequenz: Durch die vielen, fast täg 
lichen Einkaufsgänge im Dorf war auch während des 
Tages, und nicht nur während der Abfahrts- und An 
kunftszeiten morgens, mittags und abends, zusammen 
mit den landwirtschaftlichen Tätigkeiten viel Betrieb. 
Eingekauft hat man in den meisten Fällen zu Fuss oder 
mit dem Rad. In den Familien hörte man wohl fast 
täglich den Satz: «Gang mer no in Lada». Die Moto 
risierung hat auch dazu geführt, dass Parkplätze das 
wichtigste Attribut von Ladenlokalen wurden, da die 
Einkäufe meist mit dem Auto erledigt werden. 
Mit diesem Beitrag möchte der Autor nicht beklagen 
oder gar anklagen, er möchte die Veränderung aufzei 
gen, die unser Dorf und uns begleitet und die wir zum 
Teil mitprägen. 
Handel und Gewerbe Ende der Fünfzigerjahre 
Auf dem Luftbild von 1964 sind die Detailhandels 
geschäfte eingezeichnet, welche in der zweiten Hälfte 
der Fünfzigerjahre in Balzers bestanden haben. Der 
Plan zeigt die grosse Anzahl der Geschäfte. An be-
	        

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