Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2017) (2017)

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Claudius Gurt 
Die Gemeinde Balzers und ihre Grenzen. Eine Geschichte der 
Balzner Grenzkonflikte (in Fortsetzungen) 
Der Begriff «Grenze» weckt im Menschen fast zwangs 
läufig eine Vielzahl von Assoziationen, denn wer hat 
nicht schon «Grenz-Erfahrungen» gemacht? In un 
serem Zusammenhang sind selbstredend für einmal 
nicht extreme physische oder psychische Erfahrungen 
gemeint, die den Menschen an die Grenzen des noch 
von ihm Erträglichen stossen, sondern mehr oder weni 
ger «handfeste» geografische bzw. territoriale Grenzen. 
Tagtäglich lesen und hören wir von Grenzbewachung, 
-schütz und -Verstärkung gegen illegale Einwanderung 
und unerwünschte Flüchtlinge und die dabei mitgelie 
ferten Bilder verdeutlichen die angesprochenen Asso 
ziationen auf eine nur schwer zu ertragende, um nicht 
zu sagen unerträgliche Art und Weise. 
Mit Grenzen verbinden wir - der Titel dieses Beitrags 
macht dies bereits deutlich - vor allem also auch Kon 
flikte. Denn «Grenzen sind gedachte oder rechtlich 
festgelegte Linien, welche zwei Gebiete voneinander 
scheiden», so kurz und knapp das fiistorische Lexikon 
des Fürstentums Liechtenstein, und ausführlicher das 
fiistorische Lexikon der Schweiz: «Grenzen trennen 
zwei Objekte materieller oder geistiger Natur bzw. 
zwei unterschiedlich strukturierte Räume voneinan 
der. Sie sind vom Menschen nach bestimmten Kriteri 
en und für bestimmte Zwecke geschaffene Konstruk 
te. Sie spiegeln die Raumvorstellungen verschiedener 
Epochen [Landschaft, Raumplanung], aber auch Auf 
fassungen von Eigentum und Nutzungsrechten, Iden 
titäten [Bindung an bestimmte Räume, fieimatgefühl] 
und Machtansprüche politischer Kreise. 
Als Perimeter von Territorien sind Grenzen aus allen 
Kulturen und Zeitepochen bekannt. In traditionellen 
Gesellschaften definierten sie das Schweifgebiet [den 
Lebensraum] einzelner Gruppen und wurden oft mit 
tels Symbolen [Zeichen auf Bäumen und Felsen] mar 
kiert. Damit erhielten sie einen sakralen Charakter». 
Grenzen wird zum einen die Aufgabe des Trennens 
und des Unterscheidens zugeschrieben, zum anderen - 
und weit spannender, wenn auch zugegebenermassen 
manchmal spekulativer, wir werden darauf zurück 
kommen - ermöglichen uns Grenzen bzw. Grenzzie 
hungen interessante Einblicke in bestimmte Bereiche 
und Vorstellungen herrschaftlicher, rechtlicher und 
religiöser Natur. 
Einleitung 
Die Balzner Grenzkonflikte werden im Folgenden 
nicht zum ersten - und bestimmt und hoffentlich auch 
nicht zum letzten Mal - thematisiert. Denn, selbst 
wenn keine neuen Quellenfunde nach einer Überar 
beitung und Korrektur von bislang festgestellten his 
torischen Tatsachen verlangen, so können doch neue, 
bisher noch nicht aufgeworfene Fragen an das vorhan 
dene Quellenmaterial zu neuen Erkenntnissen führen. 
Denn Geschichtsforschung ist keine statische Ange 
legenheit, die ihr abschliessendes Urteil gleichsam ex 
cathedra verkündet, Geschichtsforschung ist und muss 
ein grundsätzlich dynamisches Unterfangen sein, in
	        

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