Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2017) (2017)

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Letzte Zeugen der traditionellen 
Kulturlandschaft 
Der Waldplan Triesen des Jahres 1892 zeigt hang- 
wärts in Richtung Mittagspitze eine noch weitere 
Wiesenausdehnung als heute. Es sind demgemäss 
in den letzten Jahrzehnten Flächen eingewachsen. 
Dennoch ist die eng verzahnte Wald-Wiesenvertei 
lung für den Talraum einmalig. Der Wald vor der 
letzten Wiese - unmittelbar vor dem Fluchtweg im 
Triesner «Fokswinkel» - ist auch schon 1892 mit sei 
nen ausgeprägten Rüfe-Runsen als Waldbestockung 
eingezeichnet, ebenso fast der ganze Verlauf ent 
lang der Fawenarüfe. Seit den 1990er-Jahren ist die 
Wald-Wiesenverteilung dank der Ausschüttung von 
Magerwiesenprämien stabil geblieben. 
Entlang der alten Fandstrasse, einst die Römerstrasse 
und anschliessend der fränkische fJandelsweg, fin 
den sich bergseits Reste alter Trockenmauern [Broggi 
1986, 2009]. Im Untersuchungsraum liegen einige 
zerfallene Reste von Trockenmauern, die sich heute 
als lineare Steinhaufen präsentieren. Sie dienten der 
Abgrenzung vom ehemaligen Wiesen- zum Wald 
areal oder bildeten Besitzstandsgrenzen. Oberhalb des 
Fluchtwegs, bereits im Nahbereich des Fawenabachs, 
finden sich Mauerreste, die einer Mühle zugeordnet 
werden können, wo das Wasser dem Fawenabach ent 
nommen wurde. Ebenfalls direkt oberhalb des Flucht 
wegs findet sich eine grössere Abgrabungsstelle, die im 
Waldplan 1892 als «Sandgrube» bezeichnet wird. Am 
Fluchtweg trifft man auf zwei Gedenkkreuze, die an 
die Bäume geheftet wurden. Sie weisen auf frühere 
Unfälle durch Steinschlag oder beim fJolzen hin. Im 
Gebiet der beiden Quellen am fJangfuss der Mittag 
spitze findet sich in einem Fall eine alte Quellfassung. 
Sie dient dazu, einen Brunnen zu speisen. Der Grenz 
bereich zwischen Triesen und Balzers wird hier durch 
alte Grenzsteine markiert. Sie finden sich im Nahbe 
reich von zwei grossen Felsbrocken in der Wiese, die 
ihrerseits auf den hier permanenten Felssturz hinwei- 
sen. Die breiten Kronen vieler alter Bäume entlang des 
Fluchtwegs lassen auf ein Aufwachsen ohne Beengung 
schliessen. Wahrscheinlich wurde der lichte Wald frü 
her bis zum fJangfuss der Mittagspitze beweidet. 
Der Waldplan von Triesen aus dem Jahr 1892.
	        

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