Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2016) (2016)

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• Bei der Post gab es ebenfalls einen Pumpbrunnen, 
der nach Meinung der Anwohner das ganze Jahr gutes 
Wasser lieferte - hinter diesen Satz setzte Schlegel 
aber ein Fragezeichen, womit er seine Zweifel an die 
ser Auffassung ausdrückte. 
• Auf der Praiawisch gab es einen alten Pumpbrunnen, 
der nicht mehr benutzt wurde. 
• Bei der Schule befand sich ein vierter Pumpbrun 
nen, der schlechtes Wasser lieferte, da unreines Wasser 
hineinfloss. Die Schulkinder und die Schulschwestern 
tranken daraus. Dieser Pumpbrunnen sollte ebenfalls 
durch einen Brunnen mit fliessendem Wasser ersetzt 
werden. 
In Mäls gab es nach Schlegel drei Pumpbrunnen: einen 
im Dorf, einen auf der Iradug [dieser war der beste und 
wurde nicht beanstandet] und einen im Winkel: Dieser 
Brunnen war sehr schlecht und lieferte nie reines Wasser: 
«Dieses ist nicht nur trüb, sondern durch einsickemde Jauche 
etc. schmutzig, wovon sehr unangenehme Geschmacke, 
und doch nehmen die Häuser im Winkel den Bedarf ihres 
Wassers von diesem Gifthrunnen.» 
Insgesamt war Landesphysikus Schlegel der Ansicht, 
dass es in Mäls genügend gutes Quellwasser gab und die 
Pumpbrunnen deshalb problemlos durch Brunnen mit 
frischem Quellwasser ersetzt werden könnten. 
Bau der Wasserleitung in Balzers 1895 
Sollte aufgrund der bisherigen Ausführungen der 
Eindruck entstanden sein, dass nur Quellwasser als 
Trinkwasser verwendet wurde, so wäre dieser Ein 
druck falsch. Seit langer Zeit wurde auch Quellwasser 
gefasst und mittels sogenannten «Tücheln» [Teuchel] 
in Brunnenstuben und von dort in die Dorfbrunnen 
geleitet. Teuchel waren ausgebohrte Kiefern- oder 
Lärchenstämme, die einige Jahrzehnte verwendet 
werden konnten, wenn sie immer feucht blieben und 
gut eingegraben waren. Einwandfreies Wasser wurde 
nur dann geliefert, wenn die Teuchel und die Brun 
nenstuben gut unterhalten wurden. Wiederholt wurde 
von der Regierung beanstandet, dass die Röhren halb 
verfault, nicht genügend tief eingegraben, oben offen 
waren oder durch Schmutz verunreinigt wurden. 1897 
«entdeckte» der Landestechniker eine Brunnenstube, 
«welche den Ort Meis mit Trinkwasser versorgt und 
derartig mangelhaft ist, dass sich die Vermuthung 
nicht abweisen lässt, dass ein Theil der epidemischen 
Typhuserkrankungen, welch jeden Sommer in Balzers 
beziehungsweise Meis auftreten auf Rechnung der ganz 
sanitätswidrigen Wasserversorgung zu setzen ist.» 
Weiter schrieb er: 
«Eine ordentliche Brunnenstube muss aus solidem 
Mauerwerk erstellt, aufgewölbt und mindestens 1 m hoch 
mit Erde bedeckt sein, wogegen durch eine entsprechende 
Einsteigöffnung zu sorgen ist, dass dieselbe zeitweise ge 
reinigt werden kann. Die jetzige Brunnenstube ist solid 
abzudecken und zu reinigen, eventuell zu demoliren.» 14 
1867 forderte Landesverweser Carl FJaus von Hausen 
die Gemeinde auf, einen Brunnen in der Iradug zu ver 
bessern und zu reinigen. 15 
Emanuel Vogt schreibt, dass 1885 erstmals Metallröh 
ren für die Wasserzuleitung eingesetzt wurden, 16 doch 
offenbar noch mit mässigem Erfolg, denn 1892 äus- 
serte Landesverweser Stellwag massive Kritik an der 
Balzner Wasserversorgung. Es sei festgestellt worden, 
«dass das Trinkwasser, welches in hiesiger Gegend mit 
verhältnismässig sehr geringen Kosten in guter Qualität 
so leicht zu beschaffen ist, manches zu wünschen übrig 
lässt, dass meistens nur Pumpbrunnen vorhanden sind, 
welche das mit vegetabilischen 17 Fäulnissprodukten ge 
sättigte Grundwasser liefern, sowie dass die bestehende 
Wasserleitung derart beschaffen ist, dass sie - da sie eine 
grössere Strecke ein zu Tage liegendes offenes Gerinne 
bildet - nicht nur im Sommer ein lauwarmes, sondern 
während des ganzen Jahres ein durch allerlei Unrath ver 
unreinigtes Wasser liefert. Dass unter solchen Verhältnis 
sen in den Gemeinden Balzers und Meis contagiose, das 
Leben gefährdende Krankheiten auftreten müssen, liegt 
auf der Hand,» 18 
In diversen Schreiben brachten die beiden Landesver 
weser Stellwag und In der Maur wie auch der Landes 
techniker zum Ausdruck, dass sie Zweifel am Willen der 
Gemeinde hatten, die Sanierung der Wasserversorgung 
ernsthaft in Angriff zu nehmen. Bereits 1886 war in einer 
Gemeindeversammlung der Bau einer besseren Wasser 
versorgung mit grossem Mehr abgelehnt worden. 19 Der 
Grund lässt sich vermuten: Die Gemeinde wusste nicht, 
wie sie die Wasserleitungen finanzieren sollte. 
Nach der Typhus-Epidemie von 1892 machte sich 
Landesverweser Stellwag um die Sanierung der Was 
serversorgung verdient. In seinem Auftrag legte der 
Landestechniker [und frühere Hauptmann] Peter 
Rheinberger am 28. November 1892 ein provisori 
sches Projekt zur Trinkwasserversorgung von Balzers 
und Mäls vor. 20 Dieses sah je ein Hochreservoir für
	        

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