Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2016) (2016)

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Interview mit dem ehemaligen Balzner 
Vermittler Remo Vogt (2004-2015) 
Remo Vogt, Vermittler in 
Balzers von 2004 bis 2015. 
Die Person des Vermitt 
lers sollte jeweils ein ge 
achteter, mit Personen- 
und Sachkenntnis aus 
gestatteter Vertrauens 
mann sein, wie im Volks 
blatt vom 17. März 1916 
zu lesen ist: 
«Soll nun das Wirken der Vermittlerämter in all diesen 
Sachen, in denen nur zu häufig die Gemüter der Gegner 
heftig aufeinanderplatzen, erfolgreich sein, so braucht es 
für diese Aemter Männer, die über Menschenkenntnis, Ge 
schick, Ruhe und vor allem über einen praktischen, gesun 
den Verstand verfügen.» 37 
War ein Balzner Bürger vom Stimmvolk zum Vermitt 
ler gewählt worden, versprach dieser in seinem Eid, 
«alle an [ihn] gelangenden Streitigkeiten unparteiisch, 
ohne Unterschied der Person, nach bestem Wissen und 
Gewissen vermitteln zu wollen». 38 
In der Gemeinde Balzers war Remo Vogt als letzter 
Vermittler tätig. Er hatte das Amt von 2004 bis 2015 
inne. Zuvor fungierte er von 1998 bis 2004 während 
zwei Amtsperioden als Vermittler-Stellvertreter. Im Fol 
genden beantwortet Remo Vogt einige Fragen zu seiner 
Zeit als Vermittler in Balzers. 
Lisa Fischer: Was hat dich dazu bewogen, Vermittler 
zu werden? Remo Vogt: Mich hat die Herausforderung ge 
reizt, als neutrale Person tätig zu sein, die anderen Leuten 
hilft, sich über eine Streitsache zu einigen. Es war spannend, 
diese Leute zusammenzuführen, so dass sie auf eine einfache 
Art einen Konsens finden konnten. 
Wie wurdest du für dein Amt ausgebildet bzw. wie 
hast du dich darauf vorbereitet? Ausgebildet eigentlich 
gar nicht, es gab keine spezielle Ausbildung fürs Vermittler 
amt. Es gab eine Einführung durch das Landgericht und eine 
jährlich stattfindende Vermittler-Konferenz. Bei der Konfe 
renz sassen die Vermittler zusammen und tauschten sich über 
diverse Erfahrungen und Fälle aus. Den Vorsitz hatte immer 
der Landgerichtspräsident und wir konnten mit ihm über un 
sere Belange sprechen. Paul Meier war für uns eine sehr gute 
Stütze und er nahm sich immer Zeit. 
Hast du eine juristische Ausbildung mitgebracht? Nein. 
Der Vermittler ist nicht da, um Recht zu sprechen, sondern der 
Vermittler ist da, um die Parteien möglichst zusammenzufüh 
ren und eine gütliche Einigung zu finden. Der Vermittler kann 
nicht sagen «Du bist schuld oder der andere hat Recht». Ob 
wohl ich schon hören musste: «Du hast dem anderen mehr 
geholfen als mir oder ihm mehr zugehört als mir». Aber ent 
scheiden oder ein Urteil sprechen kann der Vermittler natürlich 
nicht - obwohl ich manchmal gerne etwas gesagt hätte. 
Wie viele Fälle gab es während deiner Amtszeit unge 
fähr? Konntest du viele davon schlichten? Oder haben 
die ungelösten Fälle überwogen? Im Schnitt hatte ich 
vierzig bis fünfzig Fälle pro Jahr und davon sind bei der Ver 
mittlung selbst drei bis fünf Fälle vermittelt worden. Ansonsten 
sind teilweise auch neben der Vermittlung Telefonate geführt 
worden und man hat so versucht, die Sache etwas zu glätten, 
ohne dass es offiziell eine Vermittlung gegeben hat. Einige Fälle 
konnten so gelöst werden. Manchmal wollten die Leute auch 
nicht wirklich miteinander an den Tisch sitzen und diskutieren. 
Gibt es einen Vorfall, an den du dich besonders erin 
nerst? Ich hatte Vermittlungen, bei denen ich familienintern 
etwas regeln konnte. Da habe ich wirklich darauf gepocht, 
dass sie eine Familie sind: «Schaut her, ihr seid eine Fami 
lie, ihr seid Schwestern und Brüder, ihr könnt doch wegen so 
etwas nicht so einen Aufstand machen.» Aus meiner Sicht 
waren das eher harmlose Angelegenheiten, aber das war 
eben genau das Schwierige daran. In der Regel wurde das 
Ganze sehr emotional und es kamen Dinge auf den Tisch, 
die sich über Jahre aufgestaut hatten. Zum Schluss ging es 
nicht mehr um die Sache selbst, sondern es wurde über alles 
andere diskutiert. Für mich war wirklich schön zu sehen, dass 
solche Fälle zum Teil in die richtige Richtung gedreht werden 
konnten und die Beteiligten wieder mehr oder weniger mitei 
nander reden konnten. 
Gerade bei solchen Fällen spielt dann ja die Gesprächs 
führung eine grosse Rolle. Hast du auch in dieser Hin 
sicht keine Ausbildung bekommen? Nein. Das ergibt sich 
aus der Erfahrung und dem Gespür. Da ich ein Balzner bin 
und die Familien und Leute im Dorf etwas kenne, kann ich 
in etwa abschätzen, wer wie tickt und wer welche Stärken 
beziehungsweise Schwächen hat. So habe ich versucht, diese 
Leute zusammenzuführen und das Gespräch in eine Bahn zu 
lenken, indem man beiden Parteien das Gefühl gibt, irgend 
wo Recht zu haben, aber ihnen auch klarmacht, dass man nur 
zusammen eine Lösung finden kann.
	        

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