Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2016) (2016)

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Positive Auswirkungen von anerkannten 
Eheschliessungen 
Eine gesetzlich anerkannte Eheschliessung hatte Vor 
teile, gerade auch für die Kinder des betreffenden Paa 
res. Minderjährige uneheliche Kinder konnten durch 
eine ffeirat legitimiert werden. Bereits der Vaduzer 
Landsbrauch von 1667 hatte festgelegt, dass nur aus 
ehelichen Verbindungen stammende oder legitimierte 
Kinder erbberechtigt waren. Und noch 1864 disku 
tierte der Landtag in Vaduz kontrovers, ob ein uneheli 
ches Kind von den Bürgerrechten auszuschliessen war. 
Schliesslich entschied der Landtag, dass uneheliche Kin 
der auf jeden fall das Bürgerrecht der Mutter erhalten 
sollten. Ein Gegner dieses Entscheids war der Balzner 
Pfarrer Anton Gmelch, damals Mitglied des Landtags. 42 
Bei jeder Eheschliessung musste die Frau in das Bür 
gerrecht des Mannes eingekauft werden. Diese Ein 
kaufsgebühr wurde als Brauteinkaufstaxe bezeichnet. 
Das Gemeindegesetz von 1864 bestätigte die Pflicht 
zur Bezahlung der Brauteinkaufstaxe, die sowohl für 
Ausländerinnen als auch für gemeindefremde Liechten 
steinerinnen zu bezahlen war. Erst das Gemeindegesetz 
von 1959 sah die Abschaffung der Brauteinkaufstaxe 
in Liechtenstein vor. 43 Der Vollzug dieser Abschaf 
fung dauerte noch. Die Gemeinde Vaduz zum Beispiel 
schaffte die Brauteinkaufstaxe erst im Jahr 1975 ab. 44 
Das Gemeindegesetz von 1842 gewährt ein 
Heimatrecht 
Bei Einbürgerungen war der liechtensteinische Staat im 
19. Jahrhundert tendenziell offener als die Gemein 
den. Es war auch der Staat, der versuchte, die Ein 
bürgerungsfragen auf nationaler Ebene zu regeln. Ein 
erstes Freizügigkeitsgesetz von 1810, das allen Staats 
angehörigen das freie Niederlassungsrecht in einer 
anderen Gemeinde gewährte, scheiterte in der Praxis 
am Widerstand der Gemeinden. Das Gemeindegesetz 
von 1842 akzeptierte dann zwar das Recht der Ge 
meinden, selbst über die Neuaufnahme von Bürgern 
zu entscheiden, aber es gab dem Staat eine gewisse 
flandhabe, die Gemeinden zur Aufnahme von Bür 
gern zu zwingen. Zumindest sollten diese Personen ein 
fleimatrecht in einer Gemeinde erhalten. 
So heisst es im Gemeindegesetz von 1842 in Paragraph 
60: «Die dem Lande zugewachsenen fremden Leute, 
welche nicht mehr entfernt werden können, und die in 
früheren Zeiten aufgenommenen sogenannten Staats 
bürger, welche nicht ausdrücklich einer bestimmten 
Gemeinde zugewiesen worden sind, werden als tJin- 
tersassen jener Gemeinde erklärt, in welcher jene bei 
Erscheinung dieses Gesetzes ihren ordentlichen Wohn 
sitz genommen haben». Man wollte damit Fahrende 
und fleimatlose sesshaft machen. So sollte auch das zu 
meist prekäre Schicksal dieser Personen gelindert wer 
den. Dass sich eher die Landesbehörden und weniger 
die Gemeinden zugunsten dieser Menschen einsetzten, 
zeigt das nachfolgende Beispiel. 
Der später als Korbflechter tätige Franz Josef flaas 
wurde 1798 in Eschen geboren und getauft. 45 Er ent 
stammte einer damals heimatlosen Familie. 46 Franz 
Josef flaas heiratete 1827 in Rom Ottilia Scherer, die 
väterlicherseits aus Scherwiller [Eisass] und mütterli 
cherseits aus Blumegg bei Stühlingen [Baden] stammte. 
Nach eigenen Angaben wohnten Ottilia Scherer und 
Franz Josef flaas mit sieben Kindern seit 1837 Jahren 
in Eschen. 47 Nun aber wollte die Gemeinde Eschen im 
Jahr 1842 ihn und seine Familie loswerden. Sie droh 
te dem Quartiergeber der Familie, Johann Batliner, mit 
Entzug des Gemeindenutzens, sofern er diese Familie 
weiter beherberge. 48 
Franz Josef flaas bat das Oberamt in Vaduz um Hilfe. 
Dieses teilte der Gemeinde Eschen mit, dass der dort 
geborene liechtensteinische Staatsangehörige Franz 
Josef flaas in Eschen heimatberechtigt sei: Es bestehe 
daher «weder Grund noch Recht, ihn aus der Gemein 
de abzuschaffen oder den Quartierträger zu bestrafen, 
weil er einen Unterthanen in sein fiaus aufgenommen 
hat.» 49 Die Familie von Ottilia Scherer und Franz Josef 
flaas behielt in der Folge das Bleiberecht in Eschen. 50 
Damit konnte diese Familie nicht mehr aus der Ge 
meinde ausgewiesen werden. 
Die Familie flaas aus Eschen zeigte sich im Jahr 1852 so 
lidarisch mit einer heimatlosen Familie aus der Schweiz: 
Der 64-jährige Zeinenmacher Josef Franz Gehringer, 
seine Frau Magdalena geborene Beutschin sowie ihre 
Tochter Magdalena waren von Maienfeld in Richtung 
Balzers gewandert, dabei von einem Landjäger «auf dem 
Schleichweg dem Ellberg entlang ins Liechtensteinische 
[... ] herabgetrieben» worden; die Familie konnte offen 
bar weiterziehen und übernachtete daraufhin heimlich 
bei Franz Josef flaas in Eschen, wo sie [erneut] aufge 
griffen wurde. Das Oberamt in Vaduz veranlasste so 
dann die Rückschaffung dieser «Vagantenfamilie» nach
	        

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