Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2015) (2015)

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Grundwasser. Man nennt diese abfliessenden Grund- 
wasseraufstösse «Giessen». Ein solcher war der Alta- 
bach, ihm folgte in Richtung Triesen der nicht mehr 
bestehende «Silbergiessen», der noch im 19. Jahrhun 
dert im Bereich der heutigen Landstrasse in Richtung 
der Ortschaft Triesen floss. Entlang des Rheins stockte 
beidseits ein begleitender Auwaldgürtel. Er bestand 
nahe des jeweiligen Flussbetts aus Weiden, Erlen und 
Pappeln. Etwas weiter weg vom Flussbett wurde das 
Land weniger regelmässig überschwemmt. In diesen 
Bereichen breiteten sich Eschen, Ahorne, Ulmen und 
andere Laubbäume aus. Auf Standorten, die nur mehr 
sehr selten überschwemmt wurden, entwickelte sich 
auf Kiesböden die sogenannte Föhren-Trockenau. Der 
Waldbestand «Fora-Entamoos» ist der letzte Zeuge 
dieses Phänomens [vgl. Abb. auf Seite 36]. 
Die Vorfahren legten die Wegverbindungen im Al 
penrheintal ausserhalb der regelmässigen Rheinüber 
schwemmungen auf der ersten leicht ansteigenden 
Geländeterrasse an, so auch zwischen den beiden 
Schuttkegeln der Balzner- und der Lawenarüfe. Die 
wichtige Verkehrsverbindung führte via St. Luzisteig als 
Römerstrasse von Como nach Augsburg. Sie wurde dann 
später zur fränkischen fJandelsstrasse und ist in unse 
rem behandelten Gebietsauschnitt mit der alten Land 
strasse identisch. An ihrem Fuss findet sich der heute 
wieder bewässerte Altabach und die föhrenbestandene 
Ebene. Die jetzige Landstrasse wurde im Jahr 1932 in 
die Rheinebene verlagert, nachdem der Alpenrhein vor 
rund 130 Jahren in ein fJochwuhr gelegt worden war. 
Auch aus den 1930er Jahren stammt hier der Liechten 
steiner Binnenkanal. Er sammelt die zahlreichen klei 
nen Fliessgewässer im Land und gibt sie erst unterhalb 
von Ruggell als nun einziger liechtensteinischer Zufluss 
an den Rhein zurück. 
Wichtige naturkundliche Aussagen liegen im 
Untergrund 
Zum besseren Naturverständnis sind Kenntnisse über 
den Untergrund und das Grundwasser im Gebiet von 
Bedeutung. Die Grundwasserverhältnisse im Rheintal 
werden seit 1965 mit damals getätigten Bohrungen 
systematisch beobachtet. Eine der wenigen Tiefenboh 
rungen im Alpenrheintal wurde in Balzers durchge 
führt und erreichte hier 600 Meter unter Terrain. An 
den erwähnten Bohrstellen wird die Zusammensetzung 
des Untergrunds, seine Durchlässigkeit, die Grund 
wasserschwankungen, der Temperaturverlauf und die 
Grundwasserqualität untersucht. Aus der Balzner Tie 
fenbohrung wird zudem ersichtlich, dass die Schotter 
bis in 60 Meter Tiefe mit sauberem Kies-Sandgemisch 
dominieren. Der Schotterkomplex ist zwei bis fünf 
Meter unter Terrain bis an seine Untergrenze wasser 
gesättigt und funktioniert als guter Grundwasserleiter. 
Ab 70 bis 440 Meter unter Terrain liegen Seebodenab 
lagerungen aus Lehm. Deren Durchlässigkeit ist klein 
und sie wirken als Grundwasserstauer. Diese mächtigen 
Ablagerungen entstanden nach der Eiszeit, also in den 
letzten 16 000 Jahren. Bei Balzers wurde der Fels mit 
der Bohrung auf circa 440 Meter Tiefe erreicht, also 
ungefähr auf Meereshöhe. Ohne diese Seenablage 
rungen und weiteren Geröllablagerungen wäre hier 
also ein tiefer Canyon vorhanden. 
Die Auffüllung des Tals mit Seenablagerungen und 
die Einschotterung durch den Rhein und seine Zu 
bringer erfolgten in ungleicher Geschwindigkeit mit 
ungleichem Material, sowohl in vertikaler wie hori 
zontaler Ausformung. Im Oberboden ob den Schottern 
bestehen wechselfeuchte Standortbedingungen. Je 
nach Grundwasserstand kommt beziehungsweise kam 
Wasser weit nach oben, es konnte aber auch starke 
Trockenheit im Boden herrschen. Ähnliche boden- 
kundliche Standortsbedingungen kennen wir aus dem 
rheinnahen «Bannriet» in Eschen und Gamprin sowie 
unterhalb von Ruggell, wo es im «Schneckenäule» 
auch noch einen lockeren Föhrenbestand mit Streue 
nutzung gibt. Er ist mit seinem hisbestand als Natur 
schutzgebiet ausgewiesen. 
Giessgänge - eine nicht mehr bestehende 
hydrologische Eigenart 
Die bereits erwähnten Giessgänge waren früher die 
typischen Begleiter des Talbodenaufbaus im südlichen 
Liechtenstein, ebenso wie gegenüberliegend in Weite- 
Wartau und im Sarganserland. Am Tahand sind die 
Schotterkörper eng mit den lokalen Bächen und Rüfen 
verzahnt. Als Folge der ungleichen Ablagerungen, mit 
den ständigen Laufverlagerungen des Rheins und dessen 
Überschwemmungen, sind diese Ablagerungen nicht 
einheitlich aufgebaut. Im Bereich der einstigen fJaupt- 
arme des Alpenrheins laufen die grossen Schotterkörper 
mehrheitlich in der Längsrichtung in eigentlichen Vor
	        

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