Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2014) (2014)

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Seihst ist der Mann: Der Werkstudent 
und Junggeselle Anton Vogt in London. 
Die Zahlen machten deutlich, dass es einiges zu korri 
gieren gab, und zeigten überdies, wo angesetzt werden 
musste. In der Folge wurde mir die Betriebsbuchhal 
tung übertragen. Der BAB erschien nun monatlich 
und dessen Ergebnisse ermöglichten eine erfolgreiche 
Preis- und Kostenpolitik. Die Abteilung wurde um 
zwei weitere Mitarbeiter ausgebaut und mir wurden 
zusätzlich die Lohn- sowie Aufgaben in der Finanz 
buchhaltung zugeteilt. Meine Tätigkeit in der Buch 
haltung wurde mit der Handlungsvollmacht belohnt, 
was mich ausserordentlich freute. 1956 kam dann der 
Wunsch nach einer Veränderung. 
Was waren deine nächsten Schritte? 
Zunächst entschloss ich mich zu einem Englandauf 
enthalt, der sich über eineinhalb Jahre erstreckte, und 
zwar von Anfang Mai 1956 bis Ende 1957. Während der 
ersten vier Monate besuchte ich eine Sprachschule. 
Danach fand ich aufgrund meiner Deutsch- und 
Französischkenntnisse eine Anstellung bei einer Ex 
portfirma; das Gehalt belief sich auf umgerechnet 
80 Franken pro Monat. Nur drei Tage nach der Zusage 
wurde ich aufgeboten: Meine Arbeitsbewilligung sei 
bereits eingetroffen. Anderntags wurde ich darüber 
informiert, dass das besagte Formular nicht die Bewil 
ligung, sondern lediglich der Antrag für diese war. Von 
der Firma aus dürfe ich arbeiten, aber auf mein eigenes 
Risiko hin. Ich beschloss, mich diesem Risiko zu stellen. 
Mein Vorgesetzter unterrichtete nebenbei am «Institute 
of Export» und ermunterte mich, ich solle mich doch 
dort zum Unterricht anmelden. Hauptfächer waren 
«Prinzipien des Marketings» und «Finanzierung des 
Aussenhandels», was mein Interesse weckte. Doch der 
Rektor des Instituts war von meinem Plan wenig be 
geistert, da eigentlich nur Engländer zugelassen waren. 
Ich bekam trotzdem eine Chance und nutzte sie. 
Bei meinem Arbeitgeber erledigte ich den gesamten 
französischen Schriftverkehr. In den deutschsprachi 
gen Märkten fand ich für die produzierten Werkzeuge 
so gute Vertretungen vor, dass bis zu meinem Aus 
scheiden ein Umsatz von einer Million Franken erzielt 
werden konnte. 
Ende 1957 wurde das Geld privat allmählich knapp, 
was mich zur Rückkehr zwang. Ich hatte zwei von 
drei Semestern am «Institute of Export» bestanden 
und erhielt ein gutes Arbeitszeugnis. In der letzten 
Arbeitswoche flatterte doch tatsächlich noch meine 
Bewilligung ins Haus. Ich hatte also während meines 
gesamten Aufenthalts schwarz gearbeitet. Wenn ich 
daran zurückdenke, war das schon ziemlich risikoreich! 
Du bist also Ende 1957 nach Balzers zurückgekehrt. Wie 
ging es dann weiter? 
Von meinem Englandaufenthalt hatte ich eine «Pen- 
denz» mitgebracht, fehlte mir doch noch das dritte 
und letzte Semester meines Lehrgangs am «Institute 
of Export». So büffelte ich jeweils nachmittags per Fern 
unterricht und morgens arbeitete ich an der Schwei-
	        

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