Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2014) (2014)

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derte hindurch. Das Kultivieren von Obstbäumen haben 
in unserer Region die Römer vermittelt, doch soll es 
schon in jener Zeit, als die Römer sich nördlich der Alpen 
niederliessen, dort eine Art «Moschtgesöff» gegeben 
haben. Dieses Getränk war den römischen Herren aber 
nur Spott und Hohn wert. Und wahrscheinlich würde es 
so manch stämmigem Mannsbild das Hemd hinten rein 
ziehen, würden wir diesen «Urtrank» heute degustieren. 
In jüngster Vergangenheit waren nach meinem Kennt 
nisstand in Balzers und Mäls folgende Mostereien im 
Einsatz: in der Küferei Frick in Balzers, in der Küferei 
Wolfinger in Mäls, im «Engel» in Balzers und später 
Unterm Schloss bei Vinzenz Bürzle. Diese waren als 
Lohnunternehmen für die ganze Bevölkerung zugäng 
lich. In den landwirtschaftlichen Betrieben Mühle und 
Oben links und unten: Das gemahlene Obst wird zum Pressen 
lagenweise in Tücher gefüllt. Durch die gelochten Bretter fliesst 
der Most ab. 
Oben rechts: Der frisch gepresste Most kann degustiert werden. 
«s Gässle-Martes» wurden vor allem die eigenen Früchte 
verarbeitet. Alle Anlagen stellten jedoch ihren Betrieb im 
Lauf der Jahre ein. Das Mosten hatte für die Bevölkerung 
keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr, und eine sich 
rasant wandelnde Gesellschaft und Landwirtschaft 
führten zu einem Überbauen sowie Ausdünnen der 
Obstanlagen und Streuobstwiesen. 
Die Mosterei, die ich revidiert und neu aufgebaut habe, 
ist jene von «s Gässle-Martes». Die Anlage steht heute 
noch am selben Ort auf den alten Fundamenten. Die 
Konstruktionspläne stammen aus den 1930er-Jahren. Die 
Schweizer Firma Bucher-Guyer, die damals eine Pumpe 
entwickelt hatte, die 700 bar Druck aufbaute und somit 
über 90 Tonnen auf das Pressbett brachte, produzierte 
und vertrieb diese Anlagen. Druckmedium ist nach wie 
vor Wasser und abgedichtet ist nur mit Leder. Die Anlage 
wurde und wird immer noch über eine Transmission und 
einen Flachriemen angetrieben. 
In einer durchschnittlichen Saison gehen in der Balzner 
Schlossmosterei 14 bis 15 Tonnen Kernobst durch die 
Anlage. Dies sind circa 10’000 Liter Most. Davon wer 
den etwa zwei Drittel pasteurisiert, abgepackt und so den 
Kunden als Süssmost übergeben. Der Rest wird von den 
Kunden «ab Presse» zum frisch Trinken oder zum «suura 
Moscht macha» mitgenommen.
	        

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