Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2014) (2014)

von Balzers zwei grosse Königshöfe gab. Weiter führte 
er an, dass zwischen zwei Königshöfen immer meh 
rere Kilometer liegen müssten. Gemäss Martin Bundi 
[Mitglied des Beirats] lagen die Königshöfe oft in einer 
Distanz von etwa zwanzig Kilometern entlang der 
Hauptverkehrsverbindungen. 12 Diese Aussage ist aber 
zu relativieren, wenn man auf die Königshöfe in der 
engeren Region schaut [Frastanz, Schaan, Räfis, Bal 
zers, Maienfeld]: Dann stimmt zwar die Beobachtung, 
dass Königshöfe oft an der Hauptverkehrsverbindung 
lagen, die Distanzen sind aber deutlich kleiner. 
Nicht haltbar ist die Argumentation, dass Meilis im 
Reichsurbar zweimal 13 vorkommt und daher das eine 
Mal Mäls und das andere Mal Meis gemeint ist. Die 
beiden Einträge beziehen sich auf zwei verschiedene 
Besitzer: Einmal geht es um den königlichen Besitz, das 
zweite Mal um den Besitz des Klosters Pfäfers. 14 Das 
Kloster Pfäfers hatte in Meis einen Hof, zu dem vier 
Kirchen gehörten. Meis [SG] war also wahrscheinlich 
im Frühmittelalter ein bedeutender Ort - dazu würde 
gut passen, dass es dort auch einen grossen Königshof 
gab. Dies wäre also eher ein Indiz dafür, dass es sich 
bei Meilis um Meis handelt. Nicht weiterhelfen kön 
nen die archäologischen Befunde: Diese lassen zwar 
ebenfalls vermuten, dass Meis im Frühmittelalter ein 
bedeutender Ort war, sie liefern aber keine Beweise 
für einen Königshof. 
Zusammenfassung 
Die Auseinandersetzung mit dem Churrätischen 
Reichsurbar erlaubt einige interessante Rückschlüsse 
auf die Geschichte von Balzers im Frühmittelalter. Mit 
Palazoles ist unbestritten Balzers gemeint. Doch wie 
steht es mit Meilis? Die Ansichten unter den Histori 
kern gehen auseinander. Während Martin Bundi und 
Heinz Dopsch vom Beirat des Historischen Fexikons 
für das Fürstentum Fiechtenstein klar die Auffassung 
vertreten, dass es sich bei Meilis nur um Meis [SG] 
handeln könne, ist der Spezialist Sebastian Grüninger 
zurückhaltend. Er tendiert zwar auch dazu, in Mei 
lis Meis zu sehen, doch kommt er zum Schluss, dass 
die Frage nicht entschieden werden kann. 15 Für Mäls 
spricht die Erwähnung im Reichsurbar unmittelbar 
nach Palazoles [Balzers] und allenfalls die Verkehrs 
lage, für Meis die Grösse des Königshofs und die zu 
geringe Distanz zum Hof Palazoles. 
Balzner Neujahrsblätter 2010, S. 27. 
Geografisch werden im Churrätischen Urbar folgende 
«Ministerien» beziehungsweise Amtskreise abgedeckt: 
«vallis Drusianae» (Walgau mit dem zum Bistum Chur ge 
hörenden Gebiet des heutigen Vorarlberg und einem kleinen 
Teil des St. Galler Oberrheintals], «Ministerium in Planis» 
(Liechtenstein, Bezirk Werdenberg und Sargans, Seeztal und 
Bündner Herrschaft), «Ministerium in Tuverasca» (Gruob) und 
«Ministerium in Impidenis» (Albulagebiet und Oberhalbstein]. 
Bündner Urkundenbuch, bearbeitet von Elisabeth Meyer- 
Marthaler und Franz Perret, Chur 1955, Bd. 1, S. 376 ff. 
Liechtensteinisches Urkundenbuch, Vaduz 1948, Bd. 1/1, 
S. 41-45. 
Der lateinische Text lautet: «Curtis Palazoles Habet de terra 
arabili iugera .C. / De pratis Carratas .C. / De Vineis 
Carratas .X. / Mansos .1111. / Alpes .11. / Molinas .11. / Silua bona. / 
Ecclesiae .11. cum Decima de ipsa curte. / Hoc fuit beneficium 
Palduini . / Vineator habet ibi mansum .1. / Aspicit namque 
ad curtem quae dicitur Meilis de terra iugera. CXXXIII. / 
De pratis .CLX. / De Vineis Carratas .XX. / Alpes .III./ 
Molinam .1. / Mansos .VIIII. / Hoc fuit beneficium Adamari . / 
Habet de hac curte. Vuolfprechtus mansos .III. / Habuit 
Thietbertus mansos .11. / Vineatores .III. Qui habent de terra 
mansos .11. / Habet Constantius Faber dimidium mansum. / 
Siluam ad porcos .C. / Piscinam .1. / Rusam .1. /...» 
Für diesen Beitrag wurde vor allem folgende Arbeit von 
Sebastian Grüninger benutzt: Grundherrschaft im früh 
mittelalterlichen Churrätien: ländliche Herrschaftsformen, 
Personenverbände und Wirtschaftsstrukturen zwischen For 
schungsmodellen und regionaler Quellenbasis. Chur 2006. 
Bei Balzers heisst es: «2 Kirchen mit dem Zehnt von diesem 
Hof» (Ecclesiae .11. cum Decima de ipsa curte], sonst heisst es 
fast immer: «mit dem Zehnt von diesem Landgut/Dorf» (Decima 
de ipsa villa]. Ob und wie sich die beiden Begriffe uilla und 
curtis im Churrätischen Urbar unterscheiden, ist nicht klar. 
Oskar Baldauf: Das karolingische Reichsgut in Unterrätien. 
Innsbruck 1930. 
Benedikt Bilgeri: Geschichte Vorarlbergs. Wien 1976, Bd. 1, S. 74. 
Liechtensteiner Namenbuch, Stichwort «Balzers». Online: 
http://namenbuch.gmg.biz/. 
Liechtensteinisches Urkundenbuch, Bd. 1/1, S. 45, Anm. 7. 
Vgl. dazu das Liechtensteiner Namenbuch. 
Bündner Urkundenbuch, Bd. 1, S. 384. 
Grüninger, S. 253. 
Bündner Urkundenbuch, Bd. 1, S. 384 und 387. 
Grüninger vertritt die Auffassung, dass bei den Überschriften 
im Churrätischen Reichsurbar eine Verwechslung vorliegt. 
Die Überschrift spricht zwar vom Besitz des Bischofs von 
Chur, doch ist sich Grüninger sicher, dass es sich hier um eine 
Verwechslung mit dem Kloster Pfäfers handelt. Möglicherweise 
wurden die Überschriften erst von Aegidius Tschudi eingefügt. 
Grüninger, S. 175. 
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