Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2013) (2013)

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Das Verhältnis zwischen Schwabenkind und 
Bauer oder Bäuerin war in den meisten 
Fällen zufriedenstellend. Das bestätigt - 
zumindest was das Essen anbelangte - 
auch unser Zeitzeuge Flans Wenaweser aus 
Schaan: «Am Morgen Milch, Brot und Käse, 
Znüni, Geselchtes, Brot und Most. Zum 
Mittag geräuchertes Fleisch, Kartoffeln oder 
ein Suppenhuhn ... Am Nachmittag (Ves 
per) gab es Brot, Käse und Most und am 
Abend das obligate Hafermus, welches in ei 
ner Pfanne auf den Tisch kam und jeder auf 
seiner Seite ein Loch in das Mus schöpfte. 
Mit allen Finessen brachte ich es fertig, 
dass die Butter, die obenauf schwamm, in 
mein geschöpftes Loch lief. Natürlich nicht 
immer, denn es hiess: Der Butter ist für die 
Alten, nicht für den Tirolerbua.» 16 
Freizeit und Erholung kannten die Schwa 
benkinder kaum. Die einzige Abwechslung 
boten der sonntägliche Kirchgang und das 
anschliessende Beisammensein mit den an 
deren Schwabenkindern, die wochentags 
auf weit verstreuten Bauernhöfen Dienst 
taten. Gegen fünf Uhr abends war der freie 
Tag aber bereits zu Ende: Stallarbeit war 
wieder angesagt. 
Oben: Als Schutz vor 
der Kälte hat sich 
manches Hütekind 
einen Umhang ans 
Stroh geflochten. 
Links: Passfoto von 
Hans Wenaweser 
(1900-1986), Schaan, 
als 12-Jähriger. In 
diesem Alter war er 
als Schwabenkind in 
Obermeckenbenren 
auf dem Bauernhof 
Bachhofer. Von ihm 
stammt der bisher 
einzige bekannte 
niedergeschriebene 
Erlebnisbericht eines 
liechtensteinischen 
Schwabenkindes. 
16 Wenaweser, S. 90.
	        

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