Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2013) (2013)

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4 Angaben zu Heinrich 
Wolfinger (1881-1949) 
im Einvernahme 
protokoll: «25 Jahre 
alt, ledig, Steinhauer, 
Nr. 6 neu in Mäls.» 
Bei Emanuel Vogt 
wird er ebenfalls als 
eifriger Schmuggler 
erwähnt (Bd. 3, S. 147). 
5 Angaben zu Klemens 
Gstöhl (1883-1964) 
im Einvernahme 
protokoll: «23 Jahre 
alt, ledig, Maurer, 
Nr. 121 in Mäls, un 
beanstandet.» 
6 Angaben zu Albrecht 
Wolfinger (1867-1944) 
im Einvernahme 
protokoll: «40 Jahre 
alt, ledig, Bauer, 
Nr. 125 in Mäls, zwei 
mal wegen Beleidi 
gung vorbestraft, im 
Besitz von Vermögen.» 
Emanuel Vogt (Bd. 3, 
S. 146) schreibt, dass 
Albrecht Gemeinderat 
und zwei Jahre «Gäss- 
ler» (Ziegenhirt) war. 
Ziegen gehütet habe 
er, damit er unbemerkt 
die Grenze überschrei 
ten und damit besser 
schmuggeln konnte. 
Einmal sei er an die 
Schweizer Grenz 
wächter verraten und 
drei Wochen auf der 
Luziensteig eingesperrt 
worden. Als er frei- 
gelassen wurde, habe 
er im unteren Tor der 
Festung auf seinem 
«Gässhorn» übermütig 
wie ein Sieger geblasen. 
Im Familienbuch von 
Tschugmell steht noch 
der Vermerk: «Sonder 
ling, in der Ilga-Gass 
tot gefunden im Bett.» 
Albrecht blieb ledig. 
Rhein ertrunken. Der bekannteste liechten 
steinische Schmuggler war der «Schmugg 
lerkönig» Jakob Heidegger aus Triesen, der 
1918 mit seinem Boot den Rhein überque 
ren wollte. Bei der Landung wurde er aber 
bereits von den Schweizer Grenzwächtern 
erwartet und, als er mit seinem Boot flüch 
tete, von diesen angeschossen. Er erreichte 
zwar noch das liechtensteinische Ufer, doch 
starb er ein paar Tage später an den Schuss 
verletzungen. 
Einfacher als das Schmuggeln über den 
Rhein war der Schmuggel über eine «grüne 
Grenze», also über einen schlecht kontrol 
lierbaren Grenzabschnitt. Dafür eignete sich 
das Terrain zwischen Mäls und der Luzien 
steig vorzüglich. Im heutigen Gebäude der 
LiechtensteinischenLandesbankbefandsich 
ein «k.k. Nebenzollamt II. Klasse», hier war 
die Finanzwachkaserne. An den Grenzüber 
gängen beim St. Katrinabmnna und beim 
Murasträssle gab es sogenannte Ansagepos 
ten. Die Balzner und Mälsner Schmuggler 
kauften die Waren in Maienfeld und depo 
nierten sie dann in der Nähe der Grenze im 
Wald. Sobald sie sich überzeugt hatten, dass 
kein Finanzer in der Gegend war, brachten 
sie die Schmuggelware über die Grenze. 
Der Prolog 
Am Montag, den 11. Februar 1907, abends 
um viertel vor sieben, entdeckte Rudolf 
Meyrhofer im Gebiet Muratöbele Schmugg 
ler - vier, wie er glaubte. Diese konnten in 
der Dunkelheit und dem «schwierigen» Ter 
rain unerkannt entkommen. Wie sich später 
herausstellte, waren zwei der Schmuggler 
Heinrich Wolfinger 4 und Klemens Gstöhl 5 . 
Am nächsten Morgen begab sich Meyr 
hofer in aller Früh wieder nach Mäls in der 
Hoffnung, eventuell weggeworfene «Contra 
bandgegenstände» zu finden. Und siehe da: 
Schon bald stiess er auf drei versteckte 
«Päcke Kaffee», eine «Petroleumkanne» und 
andere Schmuggelware, die er sofort «sai- 
sieren» (beschlagnahmen) wollte. Doch der 
etwas übereifrige Meyrhofer hatte Pech: 
Heinrich Wolfinger, einer der Schmuggler, 
hatte den Finanzer gesehen, als er durch 
das Mälsner Dorf ging. Von seinem Hof 
aus konnte er beobachten, wie dieser nach 
3um frommen 2lnbenfen nn meinen lieben 
(Mafien, unferen fceubeforgfen 33aier, 
bafer, ©c^miegertmier, 33ruber, 0ct>nmger, 
Oniel unb pafen 
Ijecrn Ijcmdtp JUoIpngec 
geboren am 31. ^fiili 1881 
gefforben am 27, DTobember 1949 
©ie 0iunbe fditagf, 
©u mupieft bon uns fdjciben, 
©ie Jpanb beß Jperrn 
brac^ ©einen Zöanbcrffab* 
0c£)laf rooijl, geliebfer 33afer, 
eß begleiten 
ber Äinber ©anE unb Ciebe 
©idt? inß ($rab. 
23armf)ersiger f}efuß, 
gib feiner 0ecle bie emige Oiufie! 
Sterbebildchen Heinrich Wolfinger. 
versteckten Waren suchte. Der Finanzer 
wusste nicht - oder gab wohl eher vor, nicht 
zu wissen -, dass sich die Schmuggelware 
auf Schweizer Territorium befand. Als er 
fahrenem Finanzer hätte ihm bekannt sein 
müssen, dass die Schmuggler ihre Ware 
sicher nicht auf liechtensteinischem Gebiet 
versteckten. 
Sofort erzählte Heinrich seinem Bruder 
Albrecht 6 und seinen Nachbarn Josef Kauf 
mann, Gregor Nigg, Heinrich und Andreas 
Kaufmann sowie anderen Männern, dass 
Meyrhofer auf der Suche nach der Schmug 
gelware war. Was der Finanzer vorhatte, 
erregte den Unmut aller. Selbst der Wald 
aufseher Andreas Nigg soll gemeint haben, 
«das sei jetzt nimmer schön.» Heinrich 
jedenfalls lief sofort «auf dem nächsten 
Weg, durch dick und dünn» zum Versteck, 
um noch vor dem Finanzer dort zu sein. 
Unterwegs traf er Elias Vogt, der ihm sagte,
	        

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