Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2012) (2012)

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Mit zwei Gold- und 
einer Silbermedaille 
kehrte Hanni Wenzel 
von den Olympischen 
Winterspielen in Lake 
Placid zurück. Der 
Balzner Gemeinde 
vorsteher Emanuel 
Vogt (Mitte) und 
Rudolf Schädler, Prä 
sident des Liechten 
steinischen Skiver 
bandes, begleiten die 
erfolgreiche Sportlerin 
durch das mit Skiern 
gebildete Spalier. 
kam in Liechtenstein erst Jahre später), hin 
auf zum Hotel Post, dem heutigen Hotel Hof- 
balzers, die Fürstenstrasse runter, einmal 
kurz übers Geländer gehangen und in das 
Rinnsal des Bachs «gschpöözt», weitergelau 
fen, vorbei an der Sennerei mit dem stets 
geheimnisvollen Kühlhaus dahinter, vorbei 
am Panda und hinein ins alte Schulhaus. 
Pünktlich zur ersten Stunde. 
Die Reise von Konrad Sele war eine ganz 
andere. Von Triesenberg kam er jeden Tag, 
den ganzen Weg bis runter nach Balzers. Oder 
rauf, dem Lauf des jungen Rheins entgegen, 
aber auf der Strasse, mit dem Panda, so weit 
weg war Triesenberg. Nicht nur, dass sie dort 
oben eine andere Sprache hatten - alles aus 
serhalb von Balzers schien ein klein wenig 
anders zu sein. Nicht unbedingt eine andere 
Welt, aber irgendwie halt doch. Es war in 
Balzers, wo wir jeden und eine Unzahl von 
Geschichten kannten. Beinahe jedes Haus 
hatte seine Bedeutung und auch jede Strasse. 
In Balzers war es, wo ich mich daheim und 
aufgehoben fühlte. Alles ausserhalb war, nun 
ja, ausserhalb. Eine faszinierende Welt, aber 
schliesslich und endlich eine andere Welt. 
Als die Jahre ins Dorf zogen, übte diese Welt 
da draussen einen immer stärkeren Reiz auf 
mich aus. Und irgendwann musste ich ein 
fach raus. Die weite Welt wollte ich sehen, 
nicht nur auf Reisen, sondern dieses andere 
Leben erkunden, erfahren und ausschöpfen. 
Der Sprung nach Zürich war noch ein kleiner 
gewesen, aber dann verschlug es mich nach 
Kalifornien und, im Anschluss an ein Zwi 
schenspiel in Zürich, nach London. Nicht 
Flucht war dieser Wegzug, sondern ein Drang 
in die Weite, angetrieben vom Begehren, 
immer und immer Neues zu sehen, Unerwar 
tetes - Tag für Tag. 
Schon von klein auf liebte ich es, Menschen 
zu beobachten. Einfach nur dasitzen und 
beobachten. Im Tram, in Flugzeugen, Fähren, 
U-Bahnen und Fernbussen. In Cafés, Restau 
rants, Bars und Kantinen. In Konzerthallen, 
Maschinenhallen, Sportstadien und Museen. 
Vielleicht bin ich deshalb beides geworden: 
Wissenschaftler und Schreiberling. Um eben 
kleine Details zu entdecken und diese einzu 
ordnen, nicht nur in wissenschaftlichen 
Experimenten, sondern auch im Alltag. Es ist 
eine Suche nach Geschichten von Menschen, 
mit denen man nie spricht und die man nie 
kennenlernen wird. Die Geschichten, die ein 
eingewachsener Fingerring an der Hand einer 
alten Dame erzählt, oder ein Buchtitel, der 
nicht ganz zu erspähen ist, oder eine schiefe
	        

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