Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2010) (2010)

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13 Klenze, S. XII. 
14 LGB1. 1867 Nr. 3/1, 
Gesetz vom 27. August 
1867 betreffend die 
Verbesserung der Alp 
wirtschaft, LR 912.2. 
15 Gesetz vom 27. August 
1867 betreffend die 
Verbesserung der Alp 
wirtschaft § 17-20. 
10 Vgl. Klenze, S. 87ff. 
17 Sieze dazu Merki, 
S. 51 ff. 
ls Vgl. ausführlich Hoch, 
S. 43ff. 
ist, zeigte sich von den Erfolgen dieser weit 
reichenden Massnahmen beeindruckt und 
schrieb in einem Brief an Landesverweser 
von Hausen, «dass man weder in der 
Schweiz, Vorarlberg, Tirol noch in einem 
anderen Lande einen gleich grossen Län 
derteil finden wird, dessen Alpen in solcher 
Blüte stehen» 13 . 
Doch bevor Klenze 1879 zu einer sicherlich 
sehr wohlwollenden Lobrede ansetzen konn 
te, musste sich vieles ändern. Reformen in 
der Landwirtschaft und damit einher 
gehend auch in der Alpbewirtschaftung 
waren dringend nötig. 1867 erliess Landes 
verweser Karl von Hausen ein Gesetz zur 
Verbesserung der Alpwirtschaft 14 . In der 
Lolge wurden Schätzungen bezüglich des 
Wertes der einzelnen Alpen in Auftrag gege 
ben, eine jährliche Säuberung der Alpen im 
Sommer vorgeschrieben und insbesondere 
verbindliche Bestossungsquoten für die 
einzelnen Alpen festgelegt. Mit diesen Be 
stossungsquoten sollte vor allem dem Prob 
lem der Übernutzung der Alpen und der 
daraus resultierenden Verschlechterung der 
Alpweiden entgegengewirkt werden. Die 
bestehenden Alpgenossenschaften erhielten 
die Auflage, verbindliche Statuten zu erlas 
sen, was jedoch im Lall der beiden Alp 
genossenschaften Gapfahl und Guschgfiel 
bereits früher geschehen war. Zur Überwa 
chung und Durchsetzung dieser neuen Be 
stimmungen wurde eine Landesalpenkom 
mission ins Leben gerufen, «welche aus 
zwei in Alpsachen bewanderten, anerkannt 
rechtlichen Männern zu bestehen hat[te].» 
Diese war verpflichtet, «sich stets in der ge 
nauesten Kenntnis des Zustands der inlän 
dischen Alpwirtschaft zu erhalten» sowie 
«alljährlich wenigstens einmal alle Alpge 
biete zu begehen und sich die Überzeugung 
zu verschaffen, inwieferne von den Alpbe 
sitzern die Bestimmungen [...] eingehalten 
w[u]rden.» 15 Nachträge und Ergänzungen 
zu diesem Gesetz erfolgten bereits 1874. 
Die von Hippolyt von Klenze beschriebenen 
Reformen scheinen recht erfolgreich ver 
laufen zu sein und fügten sich in die allge 
meinen Verbesserungen in der Landwirt 
schah und Viehzucht ein. Klenze errech- 
nete 1879 für das 19. Jahrhundert für die 
Liechtensteiner Alpen insgesamt eine mehr 
als vierfache Wertsteigerung; das Güschgle 
erreichte sogar eine sagenhafte Versieben- 
fachung des Wertes. Wenngleich diese 
Zahlen aufgrund einer Geldentwertung mit 
Vorsicht zu gemessen sind, 16 zeugt eine im 
gleichen Zeitraum erfolgte Verdoppelung 
der Bestossungszahlen von einer deutlichen 
Intensivierung der Alpwirtschah. 
In den folgenden Jahren wurden noch wei 
tere Massnahmen getroffen, um die Bewirt 
schaftung zu optimieren. 1906 konnte mit 
dem Landtagsbeschluss, Stallbauten in 
Galtalpen künftig zu subventionieren, ein 
weiterer Meilenstein gesetzt werden. Eine 
Ausweitung der staatlichen Subventionie 
rungen für Bauprojekte in den Alpen folgte. 
Wie wir in Bezug auf Gapfahl und das 
Güschgle gesehen haben, wurden in jener 
Zeit verschiedene Bauprojekte in Angriff 
genommen. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren die 
Alp- und Landwirtschah stark an Bedeu 
tung. 17 Viele Alpen stellten in der Lolge von 
der Kuh- auf die Galtviehalpung um, weil 
dadurch weniger Personal und weniger 
Infrastrukturmassnahmen erforderlich wa 
ren und überdies im Tal die Erträge der 
Milchkühe erheblich höher ausfielen als in 
den Alpen. 13 
Im Zuge dieser Modernisierung reduzierte 
sich die Lläche des bewirtschafteten Alpge 
bietes im Vergleich zu 1900 auf ein Drittel. 
Einerseits wurden verschiedene Alpen oder 
unwirtliche Teilgebiete aus wirtschaftlichen 
Gründen aufgegeben; zugleich erfolgten 
Aufforstungs- und Lawinenschutzmassnah 
men. Andererseits ist diese Entwicklung 
auf die Umstellung von einer eher extensi 
ven auf eine intensive Alpbewirtschaftung 
zurückzuführen. Entscheidende Bedeutung 
kam in diesem Bereich der Verordnung 
über die Sanierung der Alp- und Berggebiete 
von 1968 zu, durch welche die Weichen für 
eine zukunftsfähige und nachhaltige Alp 
bewirtschaftung gestellt wurden. Die Alp 
genossenschaft Gapfahl-Güschgle zeigt sich 
mit ihren 300 Mitgliedern und einer Viel 
zahl von freiwilligen Helferinnen und Hel 
fern für die Übernahme der vielfältigen 
Herausforderungen gut gewappnet.
	        

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