Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2009) (2009)

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der Regel zwischen 40 und 50 Promille, was 
sehr viel ist. Der Trend bei der Geburtenrate 
zeigte bis zu Beginn der 1830er-Jahre nach 
unten, stieg dann aber noch einmal für ein 
Jahrzehnt deutlich an. Anschliessend fiel 
die Geburtenrate drastisch ab; erst in den 
späten 1860er-Jahren nahm sie wieder auf 
über dreissig Geburten pro T000 Einwoh 
ner zu. Die hohe Geburtenrate erklärt das 
starke Bevölkerungswachstum bis 1844. 
O LO O LO O LO O LO O LO O LO O LO o 
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oooo°ooooooooooooooooooooooooo 
— Geburtenüberschuss (absolute Zahlen) 
Geburtenüberschuss (pro 1*000 Einwohner) 
Wie aus der Grafik ersichtlich, ist beim na 
türlichen Bevölkerungswachstum (ohne Aus 
wanderung) in verschiedenen Jahren eine 
negative Bilanz festzustellen. Zu Beginn des 
Jahrhunderts (1801, 1806 und 1817) und 
dann wieder ab Mitte der 1850er-Jahre (v. a. 
1865 und 1870) überstieg die Zahl der Ver 
storbenen jene der Neugeborenen. Im Übri 
gen sind auch hier zwei Phasen feststellbar: 
bis 1844 meist deutliche Geburtenüber 
schüsse (teilweise über 20%o), ab 1844 eher 
mässige (mehrheitlich unter 10 %o). Der ab 
circa 1840 sinkende Trend beim Gebur 
tenüberschuss bringt nicht nur die wirt 
schaftliche Krise, sondern auch einen man 
gelnden Glauben an die Verbesserung der 
Lebensumstände zum Ausdruck. 1854 und 
1865 lag die Ursache für den Bevölkerungs 
rückgang nicht nur in der hohen Zahl von 
Sterbefällen, sondern auch in der niedrigen 
Ooooooooooooooooocoooooooooooo 
— Anzahl Ehen absolut 
Eherate (pro 1 ‘000 Einwohner) 
Die Grafik zur Entwicklung der Ehen liefert 
das inzwischen bekannte Bild: Die Zahl der 
jährlich geschlossenen Ehen bewegt sich 
mehrheitlich zwischen fünf und zehn pro 
l’OOO Einwohner - mit sinkender Tendenz 
bis 1860. Der Verlauf der Kurve ist durch 
grosse Ausschläge geprägt. Um den Trend 
besser sichtbar zu machen, müsste man 
also einen gleitenden Mehrjahresdurch 
schnitt bilden. In den 1840er- und 1850er- 
Jahren zeigt sich aber auch so eine klare 
Tendenz nach unten, womit sich die wirt 
schaftlich schwierigen Jahre in dieser 
Statistik ebenfalls spiegeln. Zum Vergleich: 
Das gesamtschweizerische Mittel lag von 
1831 bis 1880 bei etwa sieben jährlichen 
Eheschliessungen pro l’OOO Einwohner. 5 
Die Eherate in Balzers war somit eher tief. 
Die staatlichen Massnahmen zur Eheregu 
lierung hatten - wie die Grafik erkennen 
lässt - keine grossen Auswirkungen. Frag 
lich ist allerdings, ob die staatlichen Re 
gulierungsversuche kurzfristig nicht genau 
das Gegenteil von dem bewirkten, was sie 
eigentlich sollten. 1804 wurde der politi 
sche Ehekonsens eingeführt, der einem 
Heiratsverbot für arme Menschen gleich 
kam, falls sie nicht nachweisen konnten, 
dass sie imstande waren, eine Familie zu 
ernähren. Zwei Jahre später (1806) erreichte 
die Zahl der Eheschliessungen einen 
Höchststand (26 %o), obwohl die Ernäh 
rungssituation äusserst schwierig war. 
1827/28 kam es zwischen dem Oberamt in 
Vaduz und dem Bischöflichen Ordinariat 
zu einem Konflikt bezüglich der staatlichen 
Anerkennung von kirchlich geschlossenen 
5 Sankt-Galler Geschich 
te, Bd. 5, Die Zeit des 
Kantons 1798-1861: 
Die Anfänge einer bür 
gerlich-industriellen 
Gesellschaft. St. Gallen 
2003, S. 14.
	        

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