Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2008) (2008)

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Engagement im Verein und Erkennung 
neuer Trends 
«Was Balzers vielleicht von anderen Ge 
meinden unterscheidet», so Josef Gstach, 
«ist der Einsatz seiner Bewohner in Verei 
nen - früher vielleicht noch mehr als heute. 
Damit ist den Vereinen auch eine grössere 
Bedeutung zugekommen.» 
Vor allem in den Gesangvereinen sei die ge 
sellschaftliche Aufgabe unübersehbar, denn 
es gehe nicht «nur» ums Singen. In den 
letzten Jahren habe allerdings ein Wandel 
stattgefunden. «Das muss aber nicht nega 
tiv sein», meint Gstach. «Die Zeiten ändern 
sich eben, und man muss neue Wege gehen. 
Heute gibt es viele Möglichkeiten, den 
gemeinschaftlichen Teil abzudecken. Es 
scheint nicht mehr so wichtig, dass der Ver 
ein seine gesellschaftlichen Aufgaben wahr 
nimmt. Nur noch wenige sind bereit, sich 
über das ganze Jahr hinweg zu engagieren. 
Sobald die Mitglieder die gesellschaftliche 
Funktion des Vereins nicht mehr sehen, 
werden die Auftritte zum Teil als Belastung 
empfunden, so beispielsweise am Sonntag 
das Singen im Gottesdienst. Für projektbe 
zogene Einsätze findet man auch heute 
immer noch Leute. Allerdings ist die Ein 
stellung, einen Beitrag für ein Team oder 
eine Gruppe, für die Gemeinschaft oder das 
Dorf zu leisten, etwas verloren gegangen.» 
Das sei kein Balzner Phänomen, auch nicht 
eines der Gesangvereine. «Ich würde da keine 
Wertung vornehmen», so Josef Gstach weiter. 
«Es geht nicht darum, dass etwas <verloren 
gegangen> ist. In den letzten Jahren hat sich 
einfach die Aufgabenstellung der Vereine ver 
ändert. Es gilt nun, diese Trends und die sich 
bietenden Möglichkeiten zu nutzen und neue 
Wege zu beschreiten.» 
44 Jahre in und für Balzers 
Neben seiner Tätigkeit als Dirigent in Bal 
zers hat Josef Gstach auch grossen Einfluss 
auf das kulturelle Leben und die Kirchen 
musik, die ihm immer sehr am Herzen lag, 
ausgeübt. So wurde beispielsweise die 1982 
von der Firma Späth Orgelbau in Rappers- 
wil für die Balzner Pfarrkirche erbaute 
neue Orgel von ihm projektiert. Zudem ha 
ben eine Reihe liechtensteinischer Musiker 
und Lehrer an der Liechtensteinischen 
Musikschule wie auch Dirigenten bei ihm 
ihre Ausbildung absolviert. Ganz zu 
schweigen von den zahlreichen Orchester 
messen, die er im Laufe seiner Tätigkeit in 
Balzers einstudiert und aufgeführt hat. 
Immer bescheiden geblieben 
Am 25. September 1989 hat Seine Durch 
laucht der Landesfürst Josef Gstach «in An 
erkennung seiner besonderen Verdienste 
um das Land Liechtenstein» das Ritterkreuz 
des Fürstlich Liechtensteinischen Ver 
dienstordens zuerkannt. Für sein musikali 
sches Wirken wurden ihm auch noch andere 
Ehrungen zuteil, so beispielsweise die 
Auszeichnung für Kirchenmusik. «Ehrlich 
gesagt, ich trage die Abzeichen nie», kom 
mentiert der Kapellmeister und Professor. 
Josef Gstach ist in den Jahren, in denen er 
sich in Balzers engagiert hat, Bestandteil 
des kulturellen Lebens der Gemeinde ge 
worden. So heisst es in einem Gedicht von 
Irmgard Schädler-Wolfinger, das zu seinem 
70. Geburtstag vorgetragen wurde: 
«Josef, vor etlaga Joor bischt als Neuling ko. 
Du häscht aber din Platz z’Balzers schnäll 
iknoo. 
Du häscht entschaidend üsers Dörfläba prägt. 
Bischt än vo üs worda, wia ma so seet.» 
«Das hört man gern», meint Josef Gstach 
bescheiden. 
Und wie geht es weiter? 
«Mein Ideal wäre immer noch, dass sich die 
Chöre zusammenschliessen.» Wie man das 
im Einzelnen mache, wäre gut zu überle 
gen. So könnten beispielsweise jedem Chor 
eigene Aufgaben und Funktionen zukom 
men, wobei aber jeweils ein übergeordnetes 
Ziel, wie gemeinsame Konzerte, anzuvisie 
ren wäre. Es könnte dann projektbezogen 
geprobt werden, vielleicht eben nicht mehr 
ganzjährig. Entsprechende Versuche seien 
in der Vergangenheit recht erfolgreich 
gewesen. Darin sehe er auch einen Weg, 
neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen.
	        

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