Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2008) (2008)

29 
sehe Stelle, die direkt der Regierung unter 
stand, und legte per Finanzgesetz jährlich 
den Landesbeitrag an die Kosten der Rüfe- 
verbauung fest. 
Der Auftrag, den die technische Stelle hatte, 
lautete auf Sicherung der Sohlen und Bö 
schungen der Rüfekanäle durch solide 
Bauwerke, sodass der Unterhalt auf den 
verbauten Strecken auf ein Minimum redu 
zierbar wird. Ebenso sollten die Rüfen - wo 
immer möglich - schon im Ursprungsge 
biet so verbaut werden, dass die Geschiebe 
zufuhr von dort unterbunden wird. Die Ab 
lagerungsplätze sollten auf grösstmögliche 
Sicherheit ausgebaut und in den Rüfekanä- 
len Anpflanzungen vorgenommen werden. 
In den folgenden zehn Jahren konnten lan 
desweit einige Erfolge im Kampf gegen die 
Rüfen erzielt werden. Begünstigt wurden 
diese Resultate durch eine Reihe verhältnis 
mässig gewitterschwacher Sommer. In der 
Bevölkerung machte sich ein übermässiges 
Sicherheitsgefühl breit, und die Furcht vor 
grossen Rüfegängen verschwand vollstän 
dig. Trotz Warnung wurde jetzt bis an die 
Rüfedämme herangebaut. 
Nach dem Zweiten Weltkrieg startete 
Liechtenstein eine bis heute anhaltende 
Offensive im Verbauwesen, die zumindest 
hinsichtlich der pro Flächeneinheit getätig 
ten finanziellen Aufwendungen ihresglei 
chen im Alpenraum sucht. Mit einem allein 
in der Rüfeverbauung aufgelaufenen Auf 
wand von total 250 Millionen Franken 
konnten praktisch sämtliche rheintalseiti 
gen Rüfezüge gezähmt und die Siedlungen 
vor den wiederkehrenden Übermurungen 
geschützt werden. 
Dass dem Rüfeschutz in Balzers auch in 
neuerer Zeit nicht jene Bedeutung zukam 
wie beispielsweise in Friesen, belegen die 
seit 1939 getätigten Investitionen: Lediglich 
7 Millionen Franken, also knapp 3 Prozent 
der in dieser Zeit landesweit zur Verfügung 
gestellten Mittel, wurden in Balzers für die 
Rüfeverbauung aufgewendet. 
Balzner Rüfe und Böschabach 
Was 1835 landesweit noch Geltung hatte, 
dass es nämlich praktisch keine Rüfever- 
bauungen gab, traf für die Balzner Rüfe 
nicht zu, denn im entsprechenden Ober- 
amtsbericht dieses Jahres heisst es, dass 
dort zum Schutz des Dorfes bereits ein 
Wuhr bestehe. Die Rüfe werde durch dieses 
Wuhr in nordwestlicher Richtung abgelei 
tet und sei seit Menschengedenken ausge 
blieben. Weiter heisst es, dass sie jedoch in 
diesem Sommer durch einen furchtbaren 
Schlagregen derart in Bewegung gebracht 
worden sei, dass sie die Wuhrung überstieg 
und in drei verschiedenen Richtungen die 
Hauptstrasse erreichte. Zum Glück für das 
Dorf hielt eine alte Mauer den in südliche 
Richtung verlaufenden Strom auf. Hinwei 
se, wann das 1835 erwähnte Wuhr in der 
Balzner Rüfe erstellt wurde, fehlen. Ebenso 
fehlen frühe Hinweise für Schutzmassnah 
men und Verbauungen bei den anderen 
Wildbächen und Rüfezügen von Balzers. 
Bei der Balzner Rüfe bestand nach den 
Rüfegängen von 1859 gemäss Einschätzung 
der zuständigen Stellen kein Handlungsbe 
darf, solange das bestehende Wuhr nur aus 
reichend erhalten werde. Aber schon 1862 
und 1864 wurden von der Regierung ver 
schiedene zusätzliche Sicherungsmassnah 
men erlassen. In ihrer Anordnung von 1864 
(Gemeindearchiv Balzers, 15'001-S1-1, 
Dokument Nr. 772) heisst es: 
«Die grosse Rüfe oberhalb des Dorfes 
Balzers macht zum Schutze der tiefer gele 
genen Gründe und der Wohngebäude die 
Anbringung nachstehender Sicherheitsbau 
ten nothwendig, deren ungesäumte Aus 
führung der Gemeinde Balzers hiermit auf 
getragen wird. 
1.) Oberhalb des grossen Rüfewuhres auf 
jener Stelle, wo zwei grosse Steine zu Tage 
liegen, ist eine feste Thalsperre anzubrin 
gen, damit der Rüfestrom auf obiges Wuhr 
nicht unmittelbar einfallen, u. die Rüfesohle 
dortselbst sich tiefer legen möchte. 
Diese Thalsperre hat 6 Fuss Höhe zu messen, 
deren Bekrönung ist aus 3 bis 5 Zoll starken 
Rundhölzer zu fornieren, und auf der linken 
Seite gegen den Berg hin, ist ein Streichwuhr 
von 24 Fuss Länge und 4 Fuss Höhe von 
Stein mit Balkenhölzern zu erstellen.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.