Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2008) (2008)

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Hochwasser früher nicht in so kurzen Ab 
ständen gekommen sind. 
Dispens von der Sommerschule 
Die Kinder von Guscha gingen in Maienfeld 
zur Schule. Im Sommer fand nur etwa drei 
bis vier Wochen Unterricht statt, und den 
Buben, die auf die Alpe gingen, wurde auch 
dieser «geschenkt». Dieser Ferienplan war 
für die Landwirtschah sehr günstig; bei den 
späteren Änderungen wurde auf deren Be 
dürfnisse keine besondere Rücksicht mehr 
genommen. «Wir haben keine Nachteile ge 
habt, weil wir die Sommerschule nicht be 
sucht haben. Die haben im Herbst gleich viel 
gewusst wie wir - halt auch nicht mehr viel.» 
Abschied von Guscha 
Da das Militär immer wieder in die Guscha- 
köpfe hineingeschossen hat - einmal ist 
direkt unter den Häusern ein Geschoss 
explodiert -, wurde Guscha als Gefahren 
zone definiert. Es begannen in der Folge 
Verhandlungen und Diskussionen, welche 
sich über Jahre hinzogen. Als die Kinder 
von Andreas Just zur Schule gingen und 
sein Vater gestorben war, wurde die Situa 
tion schwieriger. «Vorher war alles etwas 
im Gleichgewicht, und wir hatten es gut. 
Berglandwirtschaft war halt ein Familien 
betrieb, in welchem verschiedene Genera 
tionen mithelfen mussten.» 
Für ihn, Andreas Just, war es immer klar, 
dass er bei einem allfälligen Verlassen von 
Guscha ein eigenes Haus wollte: «Wenn 
man zum Fenster hinausspuckt, sollte der 
Speutz noch auf dem eigenen Boden lan 
den. Inmitten vieler Häuser, das ist nicht 
mein Ding. Ich habe dann erfahren, dass 
das Haus, in dem ich heute wohne, zu ver 
kaufen ist, und so wurde der Handel abge 
wickelt. Das war Mitte der Sechzigerjahre.» 
Andreas Just hat dann mehr als dreissig 
Jahre beim Weinhaus Cotinelli gearbeitet 
und schätzte vor allem die Tätigkeit in der 
freien Natur. Er hat sich laufend weiterge 
bildet, und so sitzt man heute einem erfah 
renen Weinfachmann gegenüber. 
Die Erinnerung bleibt 
Wir verlassen Andreas Just und sein gastli 
ches Haus mit dem Eindruck, dass er zu 
sammen mit seiner Frau und seiner Familie 
die einschneidenden Veränderungen in sei 
nem Leben positiv gestaltet hat. Seine 
Guscha-Erfahmngen, wie Bescheidenheit 
und Naturverbundenheit, blieben auch im 
geänderten Umfeld und im neuen Beruf 
spürbar. Der Schatz der Erinnerung an die 
Jahre auf Guscha ist ihm weder Last noch 
Nostalgie, sondern er ist einfach Teil seines 
Lebens.
	        

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