Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2007) (2007)

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t Kanonikus Büchel. (Schluss) 
Um nicht bleibend in der eigenen Hei 
matgemeinde wirken zu müssen, über 
nahm er 1856 die Frühmesspfründe zu 
Triesen, wo er jedoch nicht lange blieb. 
Der Bischof berief ihn nämlich schon 
1857 als Präfekt an das in Chur neu 
errichtete bischöfliche Knabenseminar. 
Büchel fing aber zu kränkeln an und 
bald stellte es sich heraus, dass seine 
schwankende Gesundheit den Anforde 
rungen des Lehrberufes nicht standhal 
ten konnte. Zum grossen Leidwesen sei 
ner Kollegen verliess er daher schon 
nach zwei Jahren die Anstalt und über 
nahm die Hofkaplanei in Schaan. In 
den Wirren, die er dort antraf, hielt er es 
treu mit seinem Pfarrer, dem nicht 
lange vor ihm eingezogenen Kanonikus 
v. Casteiberg und suchte die Gemüter zu 
beruhigen. Casteiberg blieb seinem da 
maligen Hofkaplan auch zeitlebens mit 
hoher Achtung zugetan und hat auch 
als Landesvikar wohl nie etwas von 
Wichtigkeit getan, ohne seinen Rat ein 
geholt zu haben. 
Im Jahre 1859 wurde Hofkaplan Büchel 
zum Landes-Schulkommissär ernannt, 
worauf er dann viele Jahre hindurch 
seine gründliche Bildung, reiche Erfah 
rung und pädagogischen Kenntnisse in 
den Dienst der Schule gestellt hat. An 
der Hebung unseres Schulwesens von 
1859 ab hat Schulkommissär Büchel ei 
nen erheblichen Anteil gehabt. 
Auf dringenden Wunsch des Bischofs 
machte Hofkaplan Büchel im Jahre 
1862 mit dem bisherigen Inhaber der 
Pfarrei Triesenberg, Pfr. Simon Balzer, 
einen Stellentausch. Er wurde Pfarrer 
von Triesenberg, während Balzer die 
Hofkaplanei in Schaan bezog. Der Ver 
waltung dieser ausgedehnten Bergpfar 
rei waren seine besten Mannesjahre 
geweiht. Bei gänzlichem Mangel an or 
dentlichen Wegen und Stegen, bei der 
grossen Ausdehnung der L200 Seelen 
zählenden Pfarrei, dem Mangel an ei 
nem Hülfspriester, den damals wieder 
holt auftretenden Epidemien: stellte 
diese Pastoration an ihn sehr grosse An 
forderungen. Dennoch blieb er 21 Jahre 
auf diesem Posten. Sein Gehalt war so 
gering, dass er wohl kaum hätte existie 
ren können, wenn seine Schwestern 
ihm nicht umsonst gedient und ihn 
noch dazu materiell unterstützt hätten. 
So fand er immer noch etwas, um 
Wohltaten zu spenden. Dagegen lohn 
ten die Triesenberger ihm seinen hinge 
bungsvollen Eifer durch grosse Anhäng 
lichkeit. Sie ehrten ihn wie einen Vater 
und das Ansehen, das er genoss, kam 
der Gemeinde auch bisweilen dann zu 
statten, wenn es galt, zur Erreichung 
gemeinnütziger Zwecke (z. B. Strassen- 
bau) die Bürger zu gewinnen. Pfarrer 
Büchel wurde im Jahre 1862 vom Volke 
in den neuen Landtag gewählt, dem er 
dann durch mehrere Wahlperioden an 
gehörte. 
Als im Jahre 1883 Pfr. Erni in Vaduz 
starb, wandten sich die fürstliche Regie 
rung und die Gemeindevertretung von 
Vaduz an den Pfarrer von Triesenberg 
mit der Bitte, die vakante Stelle in Va 
duz zu übernehmen. Da auch der Bi 
schof diesen Wunsch in dringender 
Weise äusserte, Pfr. Büchel auch fühlte, 
dass er bei seinem vorgerückten Alter 
- er stand im 60. Lebensjahre - die Pfar 
rei Triesenberg auf die Länge nicht 
mehr verwalten könne, nahm er das 
ehrende Anerbieten an und bezog im 
April 1883 die Pfarrei Vaduz. Im August 
desselben Jahres erhielt er die Ernen 
nung zum nicht residierenden Dom 
herrn von Chur. In Vaduz wirkte er mit 
Eifer durch Wort und Beispiel so lange, 
bis die immer mehr sich zeigenden Ge 
brechen des Alters ihn zur Resignation 
zwangen. Am 1. Juli 1900 zog er sich in 
den Ruhestand zurück und verlebte die 
letzten Lebenstage, auf den Tod sich 
vorbereitend, im Bürgerheim zu Vaduz. 
Es war das Zeichen rührender Anhäng 
lichkeit und werktätiger Dankbarkeit, 
als die Gemeinde Vaduz ihrem schei 
denden Seelsorger für seine alten Tage 
einen Freiplatz mit standesgemässer 
Verpflegung im Bürgerheim anbot, wel 
ches Anerbieten er jedoch, weil ander 
weitig für ihn gesorgt ward, nicht 
annehmen musste. Gefreut hat es ihn! 
Den Tag des 50jährigen Priesterjubi 
läums wollte er, obwohl damals noch 
rüstig, in bescheidener Stille vorüberge 
hen lassen.
	        

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