Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2005) (2005)

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das Schiedsgericht den alten Spruchbrief 
der Kläger, also den Schiedsspruch vom 
22. August 1389 von Graf Johann von Wer 
denberg zu Sargans. 21 
Der Schiedsspruch vom 15. Juni 1505 
Nur zwei Jahre später entschied dann das 
selbe Schiedsgericht den Streit zugunsten 
von Balzers: Der oberste Spitz heisse «Spitzen- 
gud», womit gemäss Schiedsspruch von 1389 
den Balznern das Recht zustand, bis dort 
hin zu weiden. Allerdings schien die Sache 
dem Schiedsgericht auch diesmal nicht klar, 
denn zwei Beisitzer waren immer noch der 
Meinung, dass die Sache zu wenig geklärt sei, 
und der Entscheid kam nur aufgrund des 
Stichentscheids des Vorsitzenden zustande. 
Der Schiedsspruch vom 7. Mai 1507 
Damit war die Sache aber noch nicht ausge 
standen, denn die Balzner klagten nun ge 
gen einen Grenzstein, der 1498 von den 
Brüdern Ludwig und Sigmund von Brandis 
in einem Streit «um Wunn und Weid, Holz 
und Wald» zwischen Fläsch und Maienfeld 
gesetzt worden war. Dieser Grenzstein lag 
«beträchtlich weit unter» dem Grenzstein 
von 1389. 22 1502 wurde dieser Grenzstein 
von Freiherr Sigmund von Brandis bestä 
tigt. Obwohl Balzers nicht Partei war, war 
es von den Regelungen betroffen. 
Ein Schiedsgericht mit Andres Rupp von 
Malans als Obmann 23 entschied nun, dass 
die alten Briefe von 1389, 1503 und 1505 zu 
Recht bestanden. Mit Bezug auf den Schieds 
spruch von 1505 nahm das Schiedsgericht 
aber eine wichtige Einschränkung vor: Den 
Mälsnern sollten am Regitzerspitz nur noch 
das Frühlings- und Herbstweiderecht zuste 
hen («vor mitten mayen» und «nach des hay- 
ligen crutz tag», d. h. nach dem 14. Septem 
ber). Wenn die Mälsner aber zwischen Mitte 
Mai und Mitte September dort weideten, 
sollten die von Fläsch ihr Vieh «vmb ainen 
zimlichen pfandtpfennig» pfänden. Drittens 
entschied das Schiedsgericht, dass der bei 
der Mörderburg gesetzte Markstein, der das 
Gebiet von Maienfeld und Fläsch abtrennte, 
zu Recht bestehe und bleiben solle. Davon 
waren indirekt auch die Balzner betroffen, 
da alles, was südlich dieses Grenzsteins bei 
der Mörderburg war, nur noch diesen beiden 
Gemeinden zustehen sollte, während der Teil 
nördlich davon noch nicht klar aufgeteilt war. 
Der für Mäls ungünstige Schiedsspruch in 
Bezug auf die Weiderechte am Regitzerspitz 
stützte sich vermutlich auf eine von Hans 
Eifer von Villers beeidete Aussage vom 
15. Mai 1505: Der über achtzigjährige Mann 
sagte aus, er habe vor vierzig Jahren auf dem 
Fläscher Berg Vieh gehütet. Die Mälsner und 
Balzner seien nie dort oben gesehen worden 
und hätten auch nie gegen das Hüten des 
Fläscher Viehs Einspruch erhoben. 24 
Der Grenzverlauf nach dem Kaufvertrag 
vom 28. März 1509 
Die älteste Urkunde, die den Grenzverlauf 
zwischen der Herrschaft Maienfeld und der 
Grafschaft Vaduz - also die Territorial- oder 
Landesgrenze - beschreibt, stammt vom 
28. März 1509. Damals verkauften Freiherr 
Johann von Brandis, Dompropst zu Chur, und 
Graf Rudolf von Sulz, Landgraf im Klettgau, 
den Drei Bünden die Herrschaft Maienfeld 
mit allen dazugehörenden Rechten für 20 000 
Gulden. 25 In dieser Urkunde wird der Grenz 
verlauf genau beschrieben. Der Abschnitt 
über die Grenze zur Grafschaft Vaduz lautet: 
«... Dem Rhin nach herab inn den Ellstain, in 
die wyssen strimen unnder Fläsch, von dem 
Ellstain in Baltznerprunnen inn die gesetzten 
marckstain. Von den margken den berg hinuff 
in den Nüwen Brüch. Von dem Brüch hinüber 
in Mutzner Horn, dem gradt nach, bis inn die 
ruchi ob Lawenen.» 26 
Mit «Baltznerprunnen» war zweifelsohne der 
St. Katrinabmnna gemeint, 27 mit «Mutzner 
Horn» das Würznerhorn. Die übrigen ge 
nannten Ortsnamen können nicht mehr 
eindeutig identifiziert werden. 
Umstritten war in der Folge immer wieder, 
welcher Punkt mit dem «Ellstein» gemeint 
war: das heutige Ellhorn oder ein Punkt süd 
lich davon? Das Liechtensteiner Namenbuch 
vermutet unter der Ortsangabe «Ellstein» den 
«Fels über dem Rhein mit dem Ellhorn als 
höchste[r] Spitze. Vermutlich örtlich identisch 
mit Freiaberg». 28 Johannes F. Fulda meint, 
dass der «Ellstein» etwa eineinhalb Kilome 
ter südöstlich vom Ellhorn lag. 29 Eine Ur- 
21 GA Fläsch, Urkunde 
Nr. 31 vom 3. Juni 
1503. 
22 GAB, Gemeinde- 
Marken-Buch von 
1841, Schiedsspruch 
vom 4. Februar 1813, 
S. 53. 
23 GA Fläsch, Urkunde 
Nr. 34 vom 7. Mai 1507. 
24 GA Fläsch, Urkunde 
Nr. 33 vom 18. März 
1507. Hans Liter 
machte diese Aussage 
auf Begehren von An 
horn von Fläsch vor ei 
nem Gericht in Meis. 
Vorsitzender dieses 
Gerichts war Anton 
Thy, der auch Mitglied 
der Schiedsgerichte 
von 1503 und 1505 
war. 
25 St AGR A 1/1 Nr. 54. 
Weitere Originale im 
Stadtarchiv Maienfeld 
und im Gemeindearchiv 
Fläsch. 
Ich möchte mich an 
dieser Stelle auch beim 
Staatsarchiv Graubün 
den und Dr. Silvio 
Margadant für das Be 
reitstellen von Kopien 
wichtiger Dokumente 
im St AGR bedanken. 
26 Kaufvertrag vom 
28. März 1509. Abge 
druckt in: Der Katalog 
des Bischofs Flugi vom 
Jahre 1645. Mit Urkun 
den neu herausgegeben 
von Joh. Georg Mayer 
und Fritz Jecklin. Chur 
1901, S. 123. 
27 Dass ein Brunnen als 
Grenzpunkt gewählt 
wurde, erklärt sich 
vielleicht dadurch, dass 
damit beiden Seiten 
der Zugang zu diesem 
Brunnen bzw. zur 
Tränke ermöglicht wer 
den sollte. Die Siche 
rung des Zugangs zum 
Brunnen wird auch in 
späteren Urkunden 
besonders erwähnt. 
2S Liechtensteineiner Na 
menbuch, Bd. 1, S. 63. 
29 Johannes F. Fulda: Zur 
Entstehung der Stadt 
verfassung von Maien 
feld. Dissertation. 
Chur 1972, S. 71.
	        

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