Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2004) (2004)

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Museum Balzers - Grundlagen eines Konzeptes 
Arthur Brunhart 
Seit Jahrzehnten wird in Balzers die 
Idee eines Museums diskutiert. Ob 
wohl die Gemeinde immer ihr Interes 
se bekundete, die Grundvoraussetzun 
gen (Areal, Sammlung, Ressourcen) 
vorhanden waren und die Kulturkom 
mission sich einsetzte, konnte es bis 
her nicht realisiert werden. Allerdings 
gab es auch nie eine Bedürfnisab 
klärung für ein Museum, es wurden 
keine museologischen Überlegungen 
angestellt, die Konzepte nahmen nur 
pauschal Bezug auf die Sammlung 
und entwickelten kaum Ideen für Mu 
seumsaktivitäten. Ganz ausgeblendet 
wurden Fragen wie Zielsetzungen, 
Leitbild, Zielpublikum, Nachhaltigkeit, 
Vermittlung, Betrieb, Trägerschaft, 
Organisation, Finanzen, Kooperatio 
nen, Personal, Sammlungsbetreuung, 
Vernetzung, Funktionen und andere. 1 
Was ist ein Museum? 
Es ist immer noch so, dass der Begriff 
«Museum» Assoziationen wie «ver 
staubt», «alt», «Ausstellung», «alte 
Gegenstände» und so weiter weckt. 
Die Potenziale, die in solchen Institu 
tionen stecken, sind weitgehend un 
bekannt. Dabei wurden gerade auf 
lokaler Ebene hochinteressante Mo 
delle entwickelt (community museum, 
neighborhood museum, museo inte 
gral oder ecomusee). Diese Museums 
typen haben einen gesellschaftsrele 
vanten Bezug, binden die Bevölkerung 
mit ein und schaffen neue Möglich 
keiten - etwa im Flinblick auf die Stär 
kung der lokalen Identität, auf das öf 
fentliche Engagement der Menschen, 
auf die Integration, auf die Bildung, 
die Freizeit, die Arbeit, die kulturelle 
Vernetzung oder auf den Lebensraum 
und die Umwelt. Ein zentraler Aspekt 
ist die Förderung einer engagierten 
Bürgergesellschaft, in der sich Leute 
im weitesten Sinne für die öffentli 
chen Belange interessieren und sich 
den Problemen unserer Gesellschaft 
aktiv zuwenden. Ein Museum ist 
nicht mehr nur ein Ort, in dem alte 
Kulturgüter gesammelt und gezeigt 
werden - es ist viel mehr. 
Grenzen und Möglichkeiten 
Identität und Charakter der Gemein 
den wurden in den letzten Jahrzehn 
ten unschärfer, sie gleichen sich im 
mer mehr. Das Interesse an den Auf 
gaben eines Gemeinwesens ist kleiner 
geworden. Der damit verbundene 
Identitätsverlust weckt vielfach Sehn 
sucht nach dem Alten. Er regt aber 
auch an, nach Perspektiven für die 
Zukunft, nach Möglichkeiten zum 
Engagement für lohnend erscheinen 
de Werte und nach konkreten Wir 
kungsmöglichkeiten zu suchen. In 
beiden Komponenten liegt ein grosses 
Potenzial für das kleine Museum. 
Voraussetzung für die Schaffung ei 
nes Museums ist, dass es als Vermitt 
ler nicht nur (verklärte?) Vergangen 
heit zeigt, sondern eine kritische Aus 
einandersetzung mit der Gegenwart 
ermöglicht. Weitere Voraussetzungen 
sind eine Verankerung in der Bevölke 
rung, Professionalität, ein Betriebs- 
Links: Turmhaus St. Peter im Zustand 
von 1970, als dort die Sammlung der 
Gemeinde eingelagert und gezeigt wer 
den sollte. 
Rechts: Turmhaus St. Peter, 2002 
Museum 
Ein Museum ist eine gemeinnützige, 
ständige, der Öffentlichkeit zugängli 
che Einrichtung im Dienste der Ge 
sellschaft und ihrer Entwicklung, 
die zu Studien-, Bildungs- und Un 
terhaltungszwecken materielle Zeug 
nisse von Menschen und ihrer Um 
welt beschaff}, bewahrt, erforscht, 
bekannt macht und ausstellt. 
Definition aus: ICOM-Statuten, die 
am 5. September 1989 in Den Haag 
(NL) verabschiedet und am 7. Juli 
1995 bzw. 6. Juli 2001 in Stavanger 
(NO) und Barcelona (ES) ergänzt 
wurden. (ICOM = International 
Council of Museums)
	        

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