Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2003) (2003)

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Der älteste Laden von Balzers wurde 
um 1890 von Anna «.Manne» Vogt geh. 
Eme (1856-1938) eröffnet. Bis zu ihrer 
Heirat führte sie das Geschäft im Haus 
Zwischenbäch 6 (heute Nr 20) alleine, 
dann zusammen mit ihrem Ehemann 
Albert Vogt (1867-1941). In der folgen 
den Generation übernahmen Engelbert 
Vogt (1890-1965) und seine Frau Afra 
(1895-1987) die «Spetzereihandlung». 
wenn eines von ihnen von zu Hause 
zu ihm geschickt wird, um einzukau 
fen. «So, kommt nur herein! Was 
darfs denn sein?», fragt er. In der rech 
ten Hand hält er einen grossen Schlüs 
sel, den er trotz seines Alters, wie so 
off schon, gekonnt in das Schlüssel 
loch schiebt. Er öffnet damit die Türe, 
die zum Laden führt. In der oberen 
Türfüllung ist ein Blechreklameschild 
für Waschmittel angenagelt. 
Doch plötzlich hält er inne und dreht 
sich um. Mit grossen Augen schaut er 
Gerlinda über die Brillenränder hi 
naus an. «Ja, braucht Ihr auch etwas?» 
Gerlinda hat nicht hingehört, was 
Engelbert gesagt hat, denn ihre Augen 
sind ganz starr auf ein Bündel Reisig 
besen gerichtet, die sie in einer Ecke 
des Ladens stehen sieht. Wie betäubt 
hat sie der Anblick der grossen Menge 
Reisigbesen. «So viele auf einem Hau 
fen, und ich mach mir so grosse Sor 
gen», denkt sie. Ihre Gedanken sind 
wieder einmal bei ihrem kaputten 
Jarwis, den sie immer noch vermisst. 
«Ob die wohl funktionieren?», fragt sie 
sich. Die oberen Zähne auf die Unter 
lippe gepresst, starrt sie die Besen an. 
Die Kinder stehen an dem Gestell, wo 
Engelbert die Sachen für den Funken 
sonntag zum Kauf anbietet. 
«Hallo, Frau!», sagt Engelbert. Ger 
linda ist ganz verdattert und sagt: 
«Äh, ja, die Besen ... Sind sie ...» Engel 
bert unterbricht sie und kommt in sei 
nen Verkaufseifer: «Diese Besen sind 
nagelneu auf dem Markt, gnädige 
Frau.» Er geht in die Ecke, zieht einen 
aus der Schlaufe und hält ihn Ger 
linda hin, die ausser sich gerät vor 
lauter Freude. Sie packt das Ding, 
klemmt es zwischen die Beine und 
setzt sich darauf. Leise flüstert sie: 
«Jarwis!» - «Aber doch nicht so, gnädi 
ge Frau», reklamiert Engelbert und 
nimmt ihr den Besen weg. «Tschul- 
digung», sagt Gerlinda. Engelbert 
schaut sie von oben bis unten an und 
fragt sie: «Ich habe Euch noch nie ge 
sehen in meinem Geschäft. Wer seid 
Ihr, und von wo kommt Ihr?» Die Ant 
wort bleibt ihm Gerlinda schuldig, 
denn zum Glück hat Waly aufgepasst 
und rettet sie aus dieser misslichen 
Situation. Sie ruft; «Tante Gerlinda, 
komm doch schnell und schau dir die 
tollen Sachen an.» Gerlinda schaut 
gleich recht interessiert auf die Sa 
chen und meint: «Mmhö, ja, und die
	        

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