Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2002) (2002)

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Die Balzner Bäche und der Alpenrhein 
bei Balzers. 
«Souveraines Fürstenthum Liechten 
stein. Unter der Direction des Major 
von Reininger», 1819 
zeigt zum Beispiel der Vergleich des 
Fischartenvorkommens von 1820 mit 
dem aktuellen: Jene Fischarten, die 
typischerweise die stehenden, war 
men Auweiherund -tümpel besiedeln, 
fehlen heute. Die noch vorhandenen 
Arten sind mit wenigen Ausnahmen 
in ihrem Bestand massiv bedroht. Die 
Absenkung der Rheinsohle verursach 
te gleichzeitig ein Sinken des Grund 
wasserspiegels. Damit trockneten die 
ursprünglich grundwassergespiesenen 
Giessen aus, und auch der Binnen 
kanal führt heute weniger Wasser. 
Die Balzner Bäche 
Balzner oder Silbergiessen 
Die Balzner Giessen bestanden aus 
zwei flussab dem Ellhorn entsprin 
genden Gewässerläufen, die auf der 
Höhe der ehemaligen Kapelle St. Anna 
in den Rhein mündeten. Knapp fluss 
auf der Mündung lag früher die Anle 
gestelle der Fähre nach Trübbach. 
Heute befindet sich hier die Rhein 
brücke Trübbach-Balzers. Die Balz 
ner Giessen gehörten ursprünglich zu 
den typischen Rheingiessen. Diese 
Gewässer verlaufen im Rheinschot 
terkörper, der bei Hochwässern und 
Flussverlagerungen im Verlauf von 
Jahrhunderten geschüttet wurde. Im 
Schotter sind immer wieder Bereiche 
mit feinem Material eingeschlossen. 
Hier wird das Wasser gestaut und 
dringt an die Oberfläche. Durch die 
Grundwasserdotation entsteht das für 
Giessen charakteristische Tempera 
turregime. Im Winter wird das Wasser 
kaum kühler als 5 bis 6 °C, im Sommer 
sind die Temperaturen mit ca. 15 °C 
niedriger als in anderen Gewässer 
typen. Die Sohle ist meist grobkörnig, 
es lagern sich jedoch immer wieder 
feinere Sedimente ab. Es gibt eine 
enge Vernetzung zwischen der Ober 
fläche und dem durchströmten Kies 
lückenraum. Dadurch sind Giessen 
für Fischarten, die ihre Eier im Kies 
lückenraum ablegen und auf eine 
gute Durchströmung dieses Lücken 
raums angewiesen sind, wichtige Le 
bensräume. 
Der Unterlauf der Balzner Giessen 
war, wie alle anderen Liechtensteiner 
Rheinzuflüsse, im 19. Jahrhundert 
vom Rückstau des Rheins betroffen. 
In den Regulierungs- und Entwässe 
rungsplanungen des 19. Jahrhunderts 
gab es verschiedene Vorschläge zur 
Lösung dieses Problems. La Nicca, 
der 1845 ein Gutachten für das Liech 
tensteinische Oberamt erstellte, schlug 
vor, die Mündung zum Rhein beizu 
behalten. Sie sollte jedoch weiter 
nach Norden verlegt werden, damit 
durch das höhere Gefälle der Abfluss 
verbessert bzw. der Rückstau verrin 
gert würde. Kink, der 1842 ein Regu 
lierungs- und Entwässerungsgutach 
ten für Liechtenstein ausarbeitete, 
hielt dagegen die Abtrennung der 
Mündung und die Überleitung des 
Balzner Giessensystems in den Balz 
ner Mühlbach für die einzig langfris 
tig wirksame Möglichkeit. 
Ausgeführt wurde schliesslich Kinks 
Vorschlag. 1875 war die Mündung in 
den Rhein verbaut; die Balzner 
Giessen und zwei künstliche Entwäs 
serungsgräben wurden direkt in den 
Husteilbach und über diesen weiter in 
den Mühlbach geleitet. Die Giessen 
wurden im Zuge dieser Mündungsab 
trennung jedoch nicht reguliert, und 
der gewässertypische Charakter blieb 
erhalten. Es ist zu vermuten, dass 
durch die höhere Rheinsohle bzw. 
durch den höheren Grundwasserspie 
gel der Abfluss der Giessen höher war
	        

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