Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2002) (2002)

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Das Rheintal bei Azmoos mit dem 
Ellhorn im Hintergrund. Am Balzner 
Ufer des Rheins sind die Auwälder ge 
rodet und das Umland landwirtschaft 
lich genutzt. Heinrich Schilbach, 1818 
Aus ökologischer Sicht bestand das 
Alpenrheinsystem vor der Regulie 
rung aus vielen Teillebensräumen, die 
durch unterschiedliche Gewässer 
tiefen, Strömungsgeschwindigkeiten, 
Temperaturen oder Sohlenbeschaf 
fenheit charakterisiert waren. Diese 
Lebensraumvielfalt ist für die Tier- 
und Pflanzengemeinschaft, die ein 
Gewässer besiedelt, entscheidend. 
Ein Zeichen dafür war die ehemals 
arten- und bestandsreiche Fischfauna 
des Alpenrheinsystems, zu der im Be 
reich von Liechtenstein ursprünglich 
ca. 26 Fischarten gehörten. Im ab 
flussstärkeren Hauptarm kamen vor 
allem jene Fische vor, die schnellere 
Strömung und kühlere Temperaturen 
bevorzugen. Dazu gehört zum Bei 
spiel die Äsche. Diese Fischart benö 
tigt aber gleichzeitig flache, kiesige 
Ufer zum Laichen und als Aufwuchs 
stätten für die Jungfische. Der Nach 
wuchs wandert erst nach einigen Wo 
chen in tiefere, schneller durchström 
te Bereiche des Hauptarms. Auch die 
Bachforelle kommt in schnell flies 
senden, kühleren Gewässerabschnit 
ten vor. Im Gegensatz zur Äsche ver 
weilt sie jedoch nicht in der Strö 
mung, sondern hinter Steinen oder 
im Wasser abgelagerten Wurzelstö 
cken und Ähnlichem. Auch die Rhein 
giessen, zu denen im Raum Balzers 
die Balzner Giessen sowie mehrere 
Zubringer zum Balzner Mühlbach 
zählten, wurden vorwiegend von 
Bachforellen besiedelt. 
In den stehenden Auweihern und 
-tümpeln kamen dagegen hauptsäch 
lich Fischarten vor, die höhere Tempe 
raturen und geringe Strömung bevor 
zugen und auf Pflanzen laichen. Dazu 
gehören Arten wie die Karausche, die 
Schleie oder die Rotfeder. 
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts 
die ersten detaillierten Karten des 
Rheintals aufgenommen wurden, wa 
ren natürlich sowohl der Alpenrhein 
selbst als auch das Umland bereits 
durch mehrere Eingriffe und Nutzun 
gen verändert. Hinzuweisen ist hier 
vor allem auf Bauten zur Stabilisie 
rung der Ufer, die schon seit dem Mit 
telalter errichtet wurden. Diese Wuh- 
re sollten Laufverlagerungen des 
Rheins bei Hochwasser verhindern, 
was aufgrund der Grenzfunktion des 
Rheins von besonderer Bedeutung 
war. Bis ins 19. Jahrhundert war die 
Errichtung und Instandhaltung der 
Uferwuhre Gemeindeaufgabe, und es 
gab keine übergeordnete Koordina 
tion. Dadurch entstand im Laufe der 
Zeit ein dichtes, allerdings wenig 
wirksames System von lokalen Ein 
zelbauwerken. 
Um 1820 war zudem der Auwald bei 
Balzers bereits zu einem grossen Teil 
gerodet. Hier befanden sich meist 
Viehweiden, doch gab es auch mehre 
re Äcker in unmittelbarer Nähe zum 
Alpenrhein. Die regelmässigen Über 
schwemmungen wurden dabei in 
Kauf genommen, denn durch die 
Schlammablagerungen bei Hochwas 
ser wurden der Nährstoffgehalt des 
Bodens und damit die Produktivität
	        

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