Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2002) (2002)

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nachweise ist die Art aber schon seit 
1982 bekannt, als Patrik Wiedemeier 
ihre typischen Ultraschalllaute in der 
ganzen Talebene und auch in Balzers 
feststellen konnte. 
Braunes Langohr (Plecotus auritus) 
Diese mittelgrosse Fledermaus ist 
dank ihrer riesigen Ohren unverkenn 
bar. Die fast körperlangen Ohrmu 
scheln berühren sich auf der Stirn 
und sind sehr zart und durchschei 
nend. Im Schlaf werden sie nach hin 
ten geklappt und unter den Flügeln 
versteckt. Dann ragen nur noch die 
langen, spitzen Ohrdeckel, kleine 
Öhrchen vortäuschend, nach vorn. 
Nach dem Aufwachen strecken sich 
die Ohren nur langsam und erinnern 
in dieser gekrümmten Haltung an 
Widderhörner. Das Braune Langohr 
ist eine sehr kälteharte Art und steigt 
in den Alpen auf über 2000 m hinauf. 
Quartiere findet das Braune Langohr 
in Baumhöhlen, Fledermaus- und 
Vogelnistkästen sowie auf Dachböden 
mit Versteckmöglichkeiten. Sein Flug 
ist, bedingt durch die kurzen, breiten 
Flügel, sehr langsam und gaukelnd. 
Jagdbeute sind vor allem Eulenfalter 
und kleine Käfer, aber auch Tagfalter 
Winterschlaf und Winterquartiere 
Fledermäuse sind echte Winter 
schläfer. In Höhlen, Stollen, Keller 
gewölben, Fassadenhohlräumen, 
Scheiterbeigen und Baumhöhlen 
überdauern sie die nahrungsarme 
Zeit. Ein Absenken der Körpertem 
peratur auf wenige Grade über 
dem Gefrierpunkt und eine Reduk 
tion sämtlicher Kreislauffunktio 
nen auf ein absolutes Mindestmass 
sind erforderlich, um mit einem 
Fettpolster, das rund ein Drittel des 
Körpergewichts ausmacht und das 
sie sich in wenigen Herbstwochen 
zugelegt haben, die selektiven Win 
termonate zu überleben. 
(Tagpfauenauge), die im Rüttelflug 
an ihren Schlafplätzen erbeutet wer 
den. Grössere Beutetiere werden an 
Frassplätze getragen, wo nur der flei 
schige Körper, nicht aber Flügel und 
Beine verzehrt werden. 
Einen solchen Frassplatz findet man 
auch im Estrich der Kapelle Maria 
hilf, wobei die Reste von Hausmutter 
und Tagpfauenauge auch von der 
Grossen Hufeisennase stammen könn 
ten, die diesen Estrich mit den Lang 
ohren teilt. Allerdings konnten noch 
nie beide Arten gleichzeitig angetrof 
fen werden. Die Braunen Langohren 
im Estrich der Mariahilf-Kapelle 
wurden erstmals 1961 von Ernst von 
Lehmann nachgewiesen. Patrik Wie 
demeier konnte zu Beginn der 1980er 
Jahre noch über zwanzig Tiere zäh 
len, während in den vergangenen 
Jahren nie mehr als ein gutes halbes 
Dutzend beobachtet wurde. Im Ge 
gensatz zu den Grossen Hufeisen 
nasen hängen die Braunen Langoh 
ren selten frei an Dachlatten und zie 
hen sich bei Störungen sofort hinter 
Balken und Schindeln zurück. 
Ein im vergangenen Sommer auf 
Schloss Gutenberg in einer Balken 
kehle im oberen Wehrgang entdeck 
tes Langohr dürfte wohl eher dieser 
Art als der nachfolgend beschriebe 
nen angehören. 
Graues Langohr 
(Plecotus austriacus) 
Das Graue Langohr ist seiner Zwil- 
lingsart, dem Braunen Langohr, sehr 
ähnlich und nur im Idealfall ist es, 
seinem Namen entsprechend, mehr 
grau als braun gefärbt. Die Unter 
scheidung der beiden Arten bleibt 
auch für den erfahrenen Bestimmer 
eine Herausforderung. 
Das Graue Langohr ist viel seltener 
und deutlich wärmeliebender als sei 
ne Geschwisterart und nur in den Tal 
lagen anzutreffen. Auch scheint es 
viel stärker an das Siedlungsgebiet 
gebunden zu sein als das Braune 
Langohr. 
Einer der wenigen Liechtensteiner 
Nachweise dieser Art stammt aus 
Balzers, wo am 1. September 1999 
auf der Höhe des Entamoos ein früh 
morgens vom Jagdflug heimkehren- 
«Sehen» mit den Ohren 
Jahrhundertelang rätselten die Men 
schen, wie es den Fledermäusen 
mit ihren winzigen Knopfaugen 
möglich ist, sich auch in dunkelster 
Nacht zielsicher zu bewegen und 
gar kleinste Beutetiere zu erha 
schen. Diese geheimnisvolle Fähig 
keit, sich lautlos im schauerlichen 
Reich des Nachtvolkes, der Geister 
und Kobolde zu orientieren, brach 
te die Fledermäuse in den Ruf, mit 
Hexen und Dämonen im Bunde zu 
stehen. 
Erst 1933 lüftete der Zufall das Ge 
heimnis. Der Amerikaner Donald 
Griffin experimentierte mit neu 
entwickelten Mikrophonen zum 
Aufzeichnen von Ultraschalllauten, 
als die von einem Freund mitge 
brachten Fledermäuse überra 
schend im Lautsprecher zu hören 
waren. 
Die Ultraschallschreie der Fleder 
mäuse sind Laute der Superlative: 
Ihre Dauer liegt im Bereich der 
Tausendstelsekunde. Pro Sekunde 
können bis zu 200 Schreie aus- 
gestossen werden. Ihre Lautstärke 
liegt mit bis zu 120 Dezibel über 
derjenigen des Presslufthammers. 
Die Frequenzen der Fledermaus 
ortungsrufe liegen zwischen 18 
und 150 kHz, so dass die Arten mit 
den tiefsten Frequenzen, wie zum 
Beispiel der Grosse Abendsegler, von 
jugendlichen Ohren gerade noch 
wahrgenommen werden können. 
Fledermäuse stossen ihre Peillaute 
in der Regel durch den Mund aus, 
weshalb Flugaufnahmen von Fle 
dermäusen diese immer mit offe 
nem Munde zeigen. Nur Hufeisen 
nasen und Langohren rufen durch 
die Nase, so dass sie auch in der 
Lage sind, grössere Beutestücke 
wie Nachtfalter oder Käfer an ei 
nen Frassplatz zu tragen, ohne da 
bei auf ihre Ultraschallorientierung 
verzichten zu müssen.
	        

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