Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2002) (2002)

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bei ihrem geradlinigen, nur von wen 
digen Fangkapriolen unterbrochenen 
Suchflug beobachtet werden. 
Dass der Rhein als Jagdgebiet für die 
Wasserfledermaus kaum in Frage 
kommt, liegt daran, dass dieser eine 
7- bis 15-fach geringere Bodenfauna 
aufweist als beispielweise der Saar 
kanal oder der Liechtensteiner Bin 
nenkanal. Schuld daran sind die tägli 
chen Stauraumspülungen im Rhein 
kraftwerk Reichenau mit den damit 
verbundenen Wasserstandsschwankun 
gen und dem Eintrag von Fein 
schlamm, der die Gänge und Atem 
öffnungen der Bodenbewohner im 
mer wieder verstopft. 
Ein über dem Werdenberger Binnen- 
kanal bei Sevelen gefangenes Wasser 
fledermausmännchen wurde mit ei 
nem 0,8 g schweren Sender versehen 
und wieder freigelassen. Es brachte 
uns zu seinem schwer zugänglichen 
Tagesquartier in einer Baumhöhle am 
Fusse der Flochplattawand, über dem 
Flüchtlingsweg im Grenzgebiet zwi 
schen Triesen und Balzers gelegen. 
Wasserfledermäuse beziehen ihre Quar 
tiere hauptsächlich in alten Specht 
höhlen oder durch Verletzungen be 
dingten Stammausfaulungen. Gele 
gentlich dienen auch unterirdische 
Kanäle oder Fassadenspalten an Ge 
bäuden als Tagesquartiere. 
Zwergfledermaus 
(Pipistrellus pipistrellus) 
Die Zwergfledermaus ist mit einem 
Gewicht von rund 5 g die kleinste eu 
ropäische Fledermausart. Die kurzen 
Ohren sind dreieckig abgerundet. Der 
Ohrdeckel ist kurz, stumpf und leicht 
nach vorn gebogen. Die Farbe der Ober 
seite variiert in verschiedenen Braun 
tönen, die Unterseite ist meist heller. 
Zwergfledermäuse stellen in unserer 
Region zweifellos die häufigste Art 
dar. Ihre hohe Anpassungsfähigkeit 
liess sie zum sehr erfolgreichen 
Kulturfolger werden, der gerne Spal 
tenquartiere - auch an Neubauten - 
bezieht. Neben Rollladenkästen, Dach- 
und Wandverkleidungen sind beson 
ders schmale Schlitze zwischen Fas 
sade und Dachsparren beliebt. Auch 
in Fledermaus- und Vogelnistkästen 
oder unter abgelösten Rindenstücken 
fühlt sie sich zu Hause. In den Alpen 
kann die Zwergfledermaus bis auf 
2000 m Höhe Vorkommen. Sehr ty 
pisch für die Zwergfledermaus sind 
häufige Quartierwechsel. Ende Au 
gust und Anfang September werden 
oft Einflüge von Zwergfledermäusen 
in Wohnungen gemeldet. Meist han 
delt es sich um Jungtiere auf der Su 
che nach geeigneten Quartieren, die sie 
hinter gekippten Fenstern vermuten. 
Es ist erstaunlich, dass trotz der Häu 
figkeit der Zwergfledermaus in Bal 
zers lediglich einige Einzeltierfunde, 
aber noch keine Quartiere oder Fort 
pflanzungskolonien bekannt sind. 
Rauhautfledermaus 
(Pipistrellus nathusii) 
Die Rauhautfledermaus ist der 
Zwergfledermaus sehr ähnlich, wirkt 
aber länger, da die Schwanzflughaut 
nicht vollkommen kahl wie bei der 
Zwergfledermaus, sondern im oberen 
Teil behaart ist. Die Rauhaut 
fledermaus gehört zu den so genann 
ten Fernwanderern, d.h. dass vor al 
lem die Weibchen im Frühling ihr 
mitteleuropäisches Überwinterungs 
quartier verlassen und im Raume der 
neuen Bundesländer, Polens oder des 
Baltikums ihre Jungen, meist Zwillin 
ge, zur Welt bringen. In Liechtenstein 
wurden bereits vier Rauhautfleder 
mäuse gefunden, die in den neuen 
Bundesländern beringt worden waren 
und somit Flugstrecken zwischen 600 
und 800 km zurückgelegt hatten. 
Die Rauhautfledermaus ist die typi 
sche Scheiterbeigen-Fledermaus, denn 
Holzstapel sind ihr bevorzugtes Win 
terquartier. Oftmals werden winter 
schlafende Tiere mit Feuerholz in die 
warme Stube geholt, wo sie bald aus 
ihrem Winterschlaf erwachen und zur 
Überraschung der Hausbewohner 
herumzuflattern beginnen. Off genug 
aber werden sie zwischen den Schei 
tern eingeklemmt und mehr oder we 
niger schwer verletzt. 
Besser erging es Ende Februar ver 
gangenen Jahres einer Rauhautfleder 
maus, die sich ein geschütztes Plätz 
chen in einer Scheiterbeige im Gagoz 
für den Winterschlaf ausgesucht hat 
te. Sie wurde beim Holzholen ent 
deckt und konnte ihren Winterschlaf 
in einem künstlichen Quartier fortset 
zen. Dies war nach 1981 erst der zwei 
te Balzner Nachweis dieser nicht so 
seltenen Art. 
Grosser Abendsegler 
(Nyctalus noctula) 
Mit einem Gewicht von rund 30 g und 
einer Flügelspannweite von nahezu 
40 cm zählt der Grosse Abendsegler 
zu unseren grossen Fledermausarten. 
Die breiten, kurzen, abgerundeten 
Ohren, die stumpfe Schnauze, der 
pilzförmige Tragus und das kurze 
samtige Fell, das im Sommer rot 
braun, im Herbst und Winter aber 
mittelbraun gefärbt ist, sind seine un 
verwechselbaren Merkmale. Da er 
meist lange vor der Dämmerung aus 
fliegt und im offenen Luftraum jagt, 
kann er gut beobachtet und an seinen 
langen, schmalen Flügeln und am 
unregelmässigen Flügelschlag er 
kannt, gelegentlich aber auch mit 
Schwalben oder Mauerseglern ver 
wechselt werden. Er vermag seinen 
Energiebedarf durch das Bejagen von 
Schwärmen kleinerer Insekten eben 
so zu decken wie durch die Jagd nach 
grossen Fluginsekten, beispielsweise 
dem Maikäfer, dem er mit besonderer 
Vorliebe nachstellt. Im Wald bewohnt 
er ehemalige Spechthöhlen oder aus
	        

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