Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2001) (2001)

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Die Bäckerei Otto Heim, ehemals 
Wirtshaus «Adler» 
gen Gassenraum ,..» 3 ausgeprägt ist. 
Auf einer Länge von etwa 300 Metern 
konnte man dort bis zum Anfang des 
20. Jahrhunderts nicht weniger als 
drei Gasthäuser (Gasthaus zum En 
gel, Gasthaus zum Liechtensteinerhof 
und Gasthof Post), ein Postgebäude, 
ein Amtshaus und eine grössere An 
zahl von Kleinbetrieben antreffen. 
Die Bausubstanz der im Höfle stehen 
den Häuser reicht bis ins 16. Jahrhun 
dert zurück. Durch ihre massive Bau 
weise hoben sie sich von den benach 
barten Holzbauten deutlich ab. Dar 
aus lässt sich schliessen, dass diese 
Häuser eher für reichere Familien ge 
baut wurden, obwohl im Buch «Alte 
Bauten in Balzers» die dichtgedrängte 
Bauweise auf Kostenei nsparungen 
zurückgeführt wird. Eine bewusste 
saubere Gestaltung des Dorfbildes 
wurde dadurch erreicht, dass man 
Ställe, Scheunen und Miststöcke von 
der Landstrasse zurückversetzte. 
Ein entscheidendes Ereignis für das 
gesamte Höfle war der Dorfbrand 
vom 22. Oktober 1795. 4 Die ostseitige 
Gebäudegruppe des Höfle und mehr 
als dreissig andere Gebäude wurden 
eingeäschert. Der Innenausbau, die 
Dachstühle und Scheunen brannten 
völlig ab. Über den stehen gebliebe 
nen Grundmauern wurden die Häu 
ser neu aufgebaut. In den 200 Jahre 
alten «Neubauten» kann man auch 
heute noch vereinzelte verkohlte Bal 
ken sehen. 
Der Dorfkern von Balzers hat ver 
schiedene Merkmale. Dazu gehört die 
geschlossene Anordnung der Häuser, 
der langgestreckte Haufendorf-Typus. 
Dieser ist heute noch erkennbar, trotz 
einiger Abbrüche und Brände. Cha 
rakteristisch für diese Siedlungsweise 
ist das Fehlen eines eigentlichen Dorf 
zentrums. Dafür blieben zwischen den 
Häuserkomplexen Plätze und Gärten 
frei, welche als Treffpunkt für die ge 
samte Wohngemeinschaft dienten. 
Zu den typischen Merkmalen gehört 
ebenfalls die unterbrochene Flucht 
der Häuserfronten entlang der Land 
strasse. «Weil früher die Hofräume 
von der Strasse her mit dem Fuhr 
werk zuerst erreicht werden mussten, 
ordnen sich die Häuser kulissenartig 
in der Raumfolge von Strasse, Hof, 
Zwischenräumen ein.» 5 Die abwechs 
lungsreiche Aussenform und die Be 
wegtheit der Häuser sorgten dafür, 
dass keine Wiederholungen auftraten. 
Hingegen verliefen die Hausfirste im 
Höfle alle entweder parallel zur 
Landstrasse oder in einem rechten 
Winkel dazu. 
Emanuel Vogt schreibt über Balzers 
im Jahre 1946 Folgendes: «Balzers ist 
zu dieser Zeit ausschliesslich noch ein 
Kleinbauern- und Saisonarbeiterdorf. 
Die Bevölkerungszahl der Gemeinde 
beträgt ungefähr 1600 Einwohner, 
und die Leute sind zu 100% katho 
lisch. Die Strassen in Balzers sind 
noch nicht asphaltiert, und es gibt in 
der ganzen Gemeinde drei Autos. Es 
mangelt an Arbeits- und Ausbildungs- 
möglichkeiten.» 6 
Kleingewerbliche Betriebe im Höfle 
in der Zeit von 1935 bis 1950 7 
Bäckerei Heim 
Fidel Kriss, der in Frankreich das 
Bäckerhandwerk erlernt hatte, kaufte 
1875 das Haus Nr. 17, in dem vorher 
das Wirtshaus Adler war, und richtete 
dort eine Bäckerei ein. Nach seinem 
Tod stellte dessen Witwe den Gesellen 
Julius Heim ein. Dieser kaufte die 
Bäckerei 1893, und die Familie Heim 
führte diese bis ins Jahr 1971 weiter. 
Gasthaus zum Engel 
Dieses Gebäude ist im frühen 18. Jahr 
hundert erstmals schriftlich erwähnt. 
Die Stallungen wurden vermutlich 
nach dem Dorfbrand 1795 verändert, 
«dr Engel», wie er im Volksmund 
heisst, ist bis heute Gasthaus geblie 
ben. 1848 ging das Gasthaus auf 
Andreas Brunhart über und blieb bis 
heute im Besitz seiner Nachkommen. 
Metzgerei Brunhart 
1937 eröffnete Christian Brunhart 
eine Metzgerei neben dem Gasthaus 
Engel. Da die vorhandenen Räumlich 
keiten nicht genügten, musste die 
zwischen dem Gasthaus Engel und 
dem Nachbarhaus («Tappeinerhaus») 
stehende Zuschg abgebrochen wer 
den. An ihrer Stelle wurde ein einstö 
ckiger Neubau erstellt, in dem sowohl 
die Metzgerei als auch der Verkaufs 
laden Platz fanden. 
Gasthaus zum Liechtensteinerhof 
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert 
war der Liechtensteinerhof unter dem 
Namen «Kaufhaus» bekannt. Es war 
der Umladeplatz für das Rodfuhr 
wesen. 8 
1795 brannte das Gebäude ab, wurde 
aber wieder aufgebaut. 1805 wurde 
im ersten Stock die erste Schule in 
Balzers eröffnet. Die Kinder wurden 
dort bis 1869 unterrichtet. 
Im Jahr 1925 kaufte Andreas Vogt die 
ses Haus und eröffnete das Gasthaus 
zum Liechtensteinerhof, welches bis 
heute Gasthaus geblieben ist.
	        

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