Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2000) (2000)

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Um diese Zeit hatten Balzers und 
Mäls ein etwas deutlicheres Profil ge 
wonnen. Die Ortsnamen tauchen 842 
erstmals im churrätischen Reichs 
gutsurbar auf. Dieses Urbar verzeich 
net Güter, die zu einer Grundherr 
schaft gehörten und dieser Abgaben 
leisteten. Etwas Ähnliches wäre heute 
etwa das Grundbuch. Das churrä- 
tische Reichsgutsurbar führt alle Gü 
ter, Rechte, Kirchen und Abgaben im 
Besitz des fränkischen Reiches, der 
Krone, auf, und zwar in der Gegend 
Churrätiens, also Vorarlbergs, Liech 
tensteins, des St. Galler Oberlandes 
und Graubündens. Unter Reichsgut 
versteht man den gesamten, dem Kö 
nig zur Verfügung stehenden Besitz. 
Nach der Völkerwanderung war Rätien 
in der Mitte des 6. Jahrhunderts in 
den Machtbereich der Franken ge 
langt. 806 führte der Karolinger Karl 
der Grosse die fränkische Grafschafts 
verfassung in Rätien ein: Das Gebiet 
wurde in kleine Amtsbezirke unter 
teilt, die sogenannten Grafschaften. 
Auf den Gütern, die dem Königreich 
gehörten, wurden Kriegsleute ange 
siedelt. Solche gab es auch in Balzers 
und wahrscheinlich in Mäls, nämlich 
die im genannten Urbar erwähnten 
Palduin und Adamar. Die neue Füh 
rungsschicht war germanischer Her 
kunft. Nach dem Tod Karls des Gros 
sen geriet das fränkische Reich in 
schwere Krisen. Rätien spielte wegen 
seiner strategischen und verkehrspo- 
litischen Bedeutung eine grosse Rolle. 
Die beiden Gebiete fielen 841 an Karls 
Enkel Ludwig, der in unserem Gebiet 
die Germanisierung durch die Zu 
wanderung fränkischer Kriegsleute 
verstärkte. Die Verhältnisse änderten 
sich grundlegend. 
Aus dem churrätischen Reichsguts 
urbar ist ersichtlich, dass die Wirt 
schaft des 9. Jahrhunderts recht diffe 
renziert war. Neben dem Ackerbau 
war der Weinbau vertreten. Vieh- und 
Alpwirtschaft spielten eine Rolle. Es 
gab die Waldwirtschaft, die Bienen 
zucht und die Jagd. Es entstanden 
Gewerbebetriebe wie beispielsweise 
Mühlen. Weiter finden sich Wirtshäu 
ser, Lager für königliche Ernten, 
Bergbau, Eisenschmelzen und Verar 
beitungsbetriebe für Beile. 
Im Urbar werden Balzers und Mäls 
getrennt erwähnt. Die räumliche 
Trennung der beiden Siedlungen oder 
Siedlungskerne ist deutlich: Balzers 
am Berghang an der Strasse zur 
St. Luzisteig und Mäls am gegenüber 
liegenden ßerghang am Weg über den 
Rhein. Dazwischen lag die versumpf 
te Rietebene. 
Der Hof in Balzers umfasste beträcht 
liche Güter an Ackerland, Wiesen, 
Weingärten mit Unterhöfen, zwei Al 
pen, zwei Mühlen, einen guten Wald 
sowie zwei Kirchen samt Zehnt von 
diesem Hof. Das war das Lehengut 
des Palduin. Der Hof Meilis umfasste 
grössere Güter, eine Alp und fünf Hu 
fen mehr, jedoch nur eine Mühle, we 
der Kirchen noch Zehnt. Es gab dafür 
einen Wald, der Futter für hundert 
Schweine hergab, einen Fischteich 
und eine Reuse. In Meilis lebten da 
mals Adamar, Wolfprecht und Con- 
stantius Faber. 
Es gilt heute aus verschiedenen Grün 
den als wahrscheinlich, dass Meilis in 
Balzers bzw. Mäls zu lokalisieren ist. 
Die Bedeutung des Namens «Meilis» 
ist bis heute unklar. Er geht vermut 
Churrätisches Reichsgutsurbar, in 
dem Palazoles (Balzers) und Meilis 
(Mäls) im Jahr 842 erstmals schrift 
lich erwähnt sind. 
lieh auf keltische Ursprünge zurück 
und ist älter als der Name «Palazoles» 
für Balzers. Dieser kommt von «pala- 
tium» und wird als «Herrenhof, 
Pfalz» gedeutet. «Palatium» bedeutet 
auch königliche Hofhaltung oder kö 
niglicher Aufenthaltsort. Die Pfalzen 
forschung hat die Wesensbestandteile 
einer Königspfalz analysiert als kö 
niglichen Aufenthaltsort («palatium»), 
als Befestigung («castrum») und drit 
tens als Wirtschaftshof. Damit könnte 
die karolingische Pfalz («palatium») 
als eine für die Bedürfnisse des könig 
lichen Hofes ausgestattete Guts- und 
Herrenhofanlage bezeichnet werden. 
Von den zwei erwähnten Kirchen in 
Balzers wissen wir kaum etwas. Eine 
davon erscheint 500 Jahre später 
(1305) als Kapelle im Besitz des Klos 
ters Churwaiden, als der Bischof von 
Chur den Abtausch gegen die Kirche 
in Felsberg gestattete und die Kapelle 
gleichzeitig zur Pfarrkirche erhob. 
Aus welcher Hand diese Kapelle an 
Churwaiden gekommen ist, wissen 
wir nicht. Das Reichsgut war nach 
und nach in die Hände lokaler Macht 
haber gekommen. 
Um das Jahr 1500 
Der Übergang vom 15. zum 16. Jahr 
hundert wird oft als Zeitenwende, als 
apokalyptisches Saeculum bezeich 
net. Alles deutete auf Untergang hin. 
Das Reich war morsch und alt, die 
Kirche als beherrschende sozialpoliti 
sche Macht träge. Die Zeit jedoch 
suchte - im Glauben, dass der Unter 
gang bevorstehe, dass die alte Ord 
nung zusammenbreche, und weil sie 
dem jüngsten Gericht entrinnen woll 
te - die Reformation des gesamten Le 
bens (nicht nur der kirchlichen Ver 
hältnisse). Der Berliner Volkskundler 
und Historiker Will-Erich Peuckert 
hat die Mentalität und das Denken 
des Zeitalters im Buch «Die grosse 
Wende» beschrieben. 
Die Jahre vor 1500 weisen einige 
denkwürdige Ereignisse auf und wa 
ren von tiefgreifenden Entwicklungen
	        

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