Volltext: Balzner Neujahrsblätter (2000) (2000)

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Rösle Eberle-Kind (1939) 
Der liechtensteinische Künstler Friedrich Kaufmann sagte einmal, dass 
Balzers eine der schönsten Gemeinden Liechtensteins sei. Mit einer Ein 
schränkung gebe ich ihm Recht. Als in Mäls aufgewachsene Ruggellerin 
bin ich der Meinung, dass Mäls die schönste Ortschaft ist! S Bröggle, der 
St. Peter, d Marehelf, d Iradug, der Winkel sind malerische Dorfteile, die 
meine Kinder- und Jugendzeit mitprägten und an die ich unvergessliche 
Erinnerungen habe. Die Lebensqualität in Balzers machte auch früher 
unser Dorf lebens- und liebenswert. 
An der Schwelle des dritten Jahrtausends wage ich einen Blick in die Zu 
kunft - ins nächste Jahrhundert. Vielleicht sind dann meine Visionen von 
heute zur Wirklichkeit geworden: 
Mitten im Dorf steht ein Begegnungszentrum für Jung und Alt. Darin befin 
det sich eine Werkstatt, in welcher geschickte Hände werkeln und basteln 
können. In einer Flickstube werden kleine Reparaturen ausgeführt, der 
kaputte Reissverschluss von Jeans ausgewechselt oder das Loch im Pul 
lover gestopft. Eine Bibliothek mit Leseraum lädt zum Verweilen ein, 
denn gute Bücher sind teuer geworden. In einer Spielecke sind Jasser bei 
ihrem wöchentlichen Zeitvertreib. Im Computerraum surfen einige Se 
nioren und Jugendliche im Internet, andere versuchen (immer noch) die 
Angst vor dem Wunderkasten zu verlieren. Natürlich fehlt auch ein Café 
nicht. Ein Kinderhütedienst verfällt Müttern zu einigen freien Stunden. 
Es ist ein Ort für zwanglose Begegnungen und sinnvolle Freizeitgestaltung. 
Was lange währt, wird endlich gut: Ein grosszügiges Dorfmuseum doku 
mentiert die Geschichte sowie Leben und Wirken der Menschen von 
Balzers im abgelaufenen zwanzigsten Jahrhundert. Es vermittelt einen 
eindrücklichen Querschnitt vom armen, landwirtschaftlich geprägten 
Dorf bis hin zur wohlhabenden Industriegemeinde. 
Dem Attribut «di langsamma Balzner» sind viele treu geblieben. Wer lang 
sam spricht, überlegt sich besser, was zu sagen ist. Es ist ja immer klüger, 
nicht zu schnell loszuschiessen. 
Neben der traditionellen Familie gibt es viele neue Familienformen. Sie 
mussten lange um Anerkennung kämpfen, werden jetzt akzeptiert und 
unterstützt. 
Balzers zeigt sich grosszügig bezüglich Anders-Denken, Anders-Sein, An- 
ders-Handeln. Das multikulturelle Miteinander, ohne Neid, ohne Vorur 
teile, ist alltäglich und selbstverständlich. 
Auch für Randgruppen, die oft den Preis für den Wohlstand bezahlen müs 
sen, bringen Balzner Toleranz und Verständnis auf. Sie werden nicht al 
lein gelassen. 
Balzers bleibt mit seinen Stärken und Schwächen ein lebendiges Dorf, in 
dem man sich wohl fühlt.
	        

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