Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1998) (1998)

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Abh. oben: Ehemalige Finanzwach 
kaserne (Amtshaus} 
Abh. rechts: Vorarbeiterin Gertrud 
Gstöhl (verh. Vogt), Betriebsleiter 
Hans Tribelhom (2.v.l.) und Mecha 
niker bei der Einrichtung neuer auto 
matischer Maschinen 
erdig - «was man hierlands ersten 
Stock nennt» - befanden sich «zwei 
heitzbare, und zwei Nebenzimmer, 
worin die Kanzleien, und der Amts 
diener oder Aufseher untergebracht 
sind, dann das Kassazimmer u. 
Küche. Der erste Stock umfasst... die 
Wohnung des Einnehmers, mit zwei 
heitzbaren u. drei unheitzbaren Zim 
mern nebst Küchel, und der zweite 
Stock die gleichen Räumlichkeiten 
für den Controler. Der Dachboden ist 
geräumig, der Dachstuhl gut beschaf 
fen, und mit Ziegeln gedeckt, von 
welchen das Wasser in sturzenen 
Rinnen aufgefasst, und in Röhren 
herabgeleitet wird. Die Aborte stehen 
ausser dem Gebäude, sind abgetheilt, 
u. mit gemauerter Sandgrube verse 
hen.» Das Äussere sei gefällig und 
verdiene den Namen eines «Amts 
hauses». Der Warenschopf stehe ab 
wärts an der Strasse, er sei geräumig 
und auf der rückwärtigen westlichen 
Seite «mit einem kleinen Gemach, 
und dem Zweck entsprechend mit 
einer Brücke versehen». Der Garten 
habe eine Einteilung, «welche mit 
Untermauer, Pfeiler, u. Statutten 
abgeschlossen» ist. Insgesamt sei 
alles gut beschaffen, der Besitz wäre 
«ein sehr gewichtiger», «ein kleines, 
doch aber abgeschlossenes Ganzes», 
welches das Land oder das Rentamt 
kaufen könnte. 
Wenn der Kauf getätigt werde, müsse 
man auch die zugehörigen Hausteile 
(Waschhütte, Heuschopf) erstehen. 
Das Zollamtshaus koste 8500 fl., der 
Schopf 90 fl., die Waschküche 150 fl., 
der Warenschopf 700 fl. und der Gar 
ten 70 fl., total also 9510 Gulden. 
Abraten des Landesverwesers 
Menzinger 
Der Landesverweser riet dem Für 
sten am 14. Oktober 1856 von einem 
Kaufe ab. Wolfinger sei finanziell 
ziemlich erschöpft und deshalb in 
seinen anderen Unternehmungen 
behindert. Auch ängstige ihn der Bau 
der «Schienenbahn durchs Rheintal 
von Chur nach dem Bodensee», wel 
che den Rest des Transits durch 
Liechtenstein noch wegziehen und 
«überhaupt auf sein Unternehmen 
einen ungünstigen Einfluss nehmen 
muss, weshalb er noch zu rechter 
Zeit die Gebäude wegzubringen 
trachten» müsse. Wolfinger sei zwar, 
«wenngleich in Absicht eigenen 
Vortheils, für das Land eingetreten», 
das sonst ein eigenes Amtshaus hätte 
bauen müssen. Andererseits könnte 
das Haus an Wert verlieren, «wenn es 
in 2-3 Jahren als Amtsgebäude II. 
Klasse dekretiert werden sollte» oder 
man es überhaupt nicht brauche, 
wenn nach den zwölf Vertragsjahren 
der Zollverein «unter anderen 
Modifikationen beibehalten, oder gar 
aufhören würde». Was sollte dann 
mit dem Gebäude geschehen? Auch 
der Umstand, dass auf der Schweizer 
Rheintalseite eine Eisenbahn im Bau 
sei, mahne zur Vorsicht; man müsse 
klären, «welchen Einfluss die Bahn 
auf die Wünschbarkeit und Rentie- 
rung des zum Kaufe angetragenen 
Besitzes nehmen dürfte». Wenn die 
Eisenbahn bewirke, dass der Tran 
sit über Balzers nach Trübbach in 
die Schweiz verlagert werde, dann 
werde «folgerichtig das Hilfszollamt 
I. Klasse Balzers zu einem Zollamte 
II. Klasse herabkommen» und somit 
weniger Zinsertrag abwerfen. Er 
rate, mit einem Kauf zuzuwarten, bis 
sich die Zukunft kläre und man 
sichere Berechnung habe. 
Auf den Rat Menzingers hin liess der 
Landesfürst am 15. März 1857 mit- 
teilen, dass man sich «für iezt mit der 
Miethe begnüge, das Gebäude aber 
insoweit im Auge zu behalten sei, 
dass es nicht in andere Hände mit 
Versäumnis einer vielleicht günstigen 
Gelegenheit zur Erstehung gelange». 
Wolfinger blieb nichts weiter übrig, 
als einen neuen Mietvertrag zu 
schliessen, in welchem der Kauf des 
Gebäudes Vorbehalten war. 1860 liess 
er einen neuen Ofen und neue Türen 
einbauen. 
Kündigung des Zollvertrages 1919 
Die Zollverwaltung blieb bis zur 
Auflösung des Zollvertrages mit 
Österreich 1919 im Amtshaus. Das 
Mietverhältnis endete abrupt. Der 
Hauseigentümer August Wolfinger 
foi'derte am 4. August 1920 ausste 
henden Mietzins in Höhe von 255 
Kronen. Die Finanz-Bezirks-Direk- 
tion in Feldkirch meinte jedoch nur, 
dass die Zollverwaltung am 1. Ok-
	        

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