Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1998) (1998)

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Areal Amtshaus. Zwei aus Funden 
rekonstruierte Terra-Sigillata-Gefässe. 
Links der Teller des Töpfers Pompei 
anus aus der Werkstatt Lavoye (F) 
oder Ittenweiler (D, 140-170 n. Chr). 
Rechts eine Bildschüssel aus einer 
helvetischen Töpferei (200-250 n. Chr.) 
Areal Amtshaus. Töpferstempel im 
Tellerinneren: «POMPEIANS F(ecit)» 
= Pompeianus hat es gemacht 
Areal Amtshaus. Graffito mit dem 
römischert Namenszug «SILVINI» 
auf der Unterseite des «Pompeianus- 
Tellers» 
benutzt. Andere Gefässe fanden beim 
Servieren Verwendung. Manche 
dienten als Reibschalen der Zuberei 
tung von Speisen. 
Glas 
Während der Grabung sind unzähli 
ge Bruchstücke von Glasgefässen 
zum Vorschein gekommen. Die mei 
sten sind jedoch so klein, dass sie 
eine Rekonstruktion der Gläser nicht 
mehr erlauben. Die römischen Be 
wohner des heutigen Balzers verwen 
deten Becher in den unterschiedlich 
sten Formen und Grössen und ver 
einzelt Fläschchen und Teller aus 
Glas. Der überwiegende Teil der 
Glasfunde aus dem Areal Amtshaus 
ist farblos transparent. Einige Frag 
mente belegen auch den Gebrauch 
von grünlichen, bläulichen und gelb 
lichen Gefässen. Sie können auf 
grund ihrer Formen und Verzierun 
gen in die Zeit des ausgehenden 1. bis 
ins 4. Jahrhundert n. Chr. datiert 
werden. 
Die Produktionsstätten der beim 
Amtshaus gefundenen Gläser lassen 
sich nur schwer bestimmen. Die mei 
sten Glashütten stellten ähnliche 
Formen her. Die Funde sind aus die 
sem Grund ohne aufwendige natur 
wissenschaftliche Analysen ihrer Ma 
terialzusammensetzung keiner be 
stimmten Werkstätte zuweisbar. Für 
die Herkunft der Gläser aus Balzers 
kämen aufgrund der Lage am Han 
delsweg über die Alpen und entlang 
des Rheins vor allem die Produk 
tionszentren in Oberitalien (Poebe- 
ne) und in den Rheinlanden in Frage. 
Lavez 
Schon in der Römerzeit gebrauchten 
die Bewohner in unserem Gebiet 
häufig Specksteingefässe. Speck 
stein, auch Lavez genannt, ist ein 
weiches, grünliches bis graues Ge- 
Areal Amtshaus. Farblos transparente 
Glasfragmente mit unterschiedlichen 
Verzierungen. Oben: Wandstück mit 
weissern Federmuster; links unten: 
Randstück eines Bechers mit breiter 
Schliffrille unter dem Rand; rechts 
unten: Wandstück eines Bechers mit 
blauer Nuppe 
stein, das sich wie Holz auf der 
Drehbank bearbeiten lässt. Lavezge- 
fässe wurden aufgrund ihrer guten 
Wärmeleitung vor allem als Koch 
geschirr verwendet. Die Russspuren 
auf der Oberfläche einiger Frag- 
mente aus dem Areal Amtshaus zeu 
gen vom Einsatz auf der Herdstelle. 
In römischer Zeit wurde Lavez im 
alpinen Raum der Schweiz (Grau 
bünden, Tessin) und in Oberitalien 
(Veltlin, Chiavenna) abgebaut. Dort 
befanden sich auch die weiterverar 
beitenden Werkstätten. Das ge 
brauchsfertige Geschirr wurde über 
die Alpenpässe Maloja, Julier, Sep- 
timer und Splügen nach Norden ver 
handelt. Diese Materialgattung 
scheint im 2. bis 4. Jahrhundert vor 
wiegend in der römischen Provinz 
Rätien verwendet worden zu sein. 
Aus dieser Zeit stammen auch die 
Funde aus Balzers. 
Münzen 
Während der Grabung in der Für 
stenstrasse wurden 11 Münzen ent 
deckt. Im Areal Amtshaus kamen 
zehn Jahre später im Laufe der 
Grabungs- und Schlämmarbeiten 99 
Münzen zum Vorschein. Nur auf 
zwei Fundstellen in Liechtenstein - 
auf dem Lutzengüetle/Gamprin und 
auf dem Krüppel ob Schaan - ist bis 
her eine grössere Anzahl von römi 
schen Münzen entdeckt worden. 
Areal Amtshaus. Bruchstück eines 
steilwandigen Lavezbechers mit 
mehreren umlaufenden Rillen 
(Höhe: 8,7 cm)
	        

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