Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1996) (1996)

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Abrutschungen das Erdreich hell 
(bleich) aus der Umgebung hervor 
blickt». 
Augstaberg und Garsenzele 
Auch Gapfahl hat seinen Augstaberg. 
Er ist zwar nicht so bekannt wie sein 
Namensvetter auf Gritsch, doch be 
deuten beide Namen dasselbe. Augsta 
berg - die ältere Aussprache lautet 
[oogstabärg], die jüngere [augsta- 
bärg] - meint eine «Alpweide, die im 
August bestossen wird» und bezeich 
net ursprünglich nie einen Berggipfel 
bzw. eine Gebirgserhebung, sondern 
immer einen Berghang, d.h. eine 
hochgelegene Alpweide, auf die das 
Vieh erst im August getrieben werden 
kann, weil dort das Gras erst spät 
wachsen konnte. Der Augstenberg am 
Weg vom Sareis zur Pfälzerhütte er 
hielt seinen Namen ebenfalls von ei 
nem solchen Weidhang auf der Alp 
Gritsch. Dort ist die Bezeichnung der 
Weide allmählich den Hang hinauf 
gewandert und umfasst heute vor al 
lem den Gipfel, während das Wissen 
um den eigentlichen Geltungsbereich 
am Berghang mehr und mehr schwin 
det. 
Zurück auf Gapfahl findet sich hinter 
dem Augstaberg schliesslich die einzi 
ge Flur mit vordeutschem Namen: das 
Garsenzele [garsänzele]. Der Grund 
dafür, weshalb dies die einzige roma 
nische Bezeichnung ausser dem Alp 
namen Gapfahl ist, liegt wohl darin, 
dass die Balzner das Garsenzele erst 
im Jahre 1646 von den Triesnern ge 
kauft haben und in der Folge keinen 
neuen Namen mehr dafür prägten, es 
also praktisch mit dem Namen über 
nommen haben. Für die Triesner war 
das Garsenzele ein Teil der Flur 
Gasenza, wobei sich die Namenform 
durch Anhängen der deutschen Ver 
kleinerungsendung -le entwickelt hat, 
so dass Garsenzele die Bedeutung 
«kleine Gasenza» hat. Gasenza seiner 
seits besteht aus lateinisch clusum 
(Nebenform zu clausum), rätoroma 
nisch clüs bzw. clis, und der Endung 
-entiu. Die Bedeutung dieses romani 
schen Namens kann etwa mit «einge 
zäunte Wiese, Einfriedung, ein 
gehegter Platz, Schafpferch» angege 
ben werden. Speziell die Bedeutung 
«kleiner Schafpferch» erscheint für 
Garsenzele aufgrund der Höhenlage 
und Abgeschiedenheit der Flur ganz 
Gapfahl vom Rappenstein 
plausibel. Es ist anzunehmen, dass 
das Garsenzele ein Ort war, wo die 
Schafe aus Sicherheitsgründen nachts 
zusammengetrieben wurden. 
Troshäldele, Jokamsboda und 
Rappasteinhaida 
Wenn wir den Blick von der Alphütte 
im Obersäss nach Westen zum Rap 
pastein wenden, erfassen wir Weiden 
mit den Namen Troshäldele, Jokams 
boda und Rappasteinhaida. Während 
mit Rappasteinhaida schlicht die «Hal 
de, die zum Rappastein führt» ge 
meint ist und somit keine Schwierig 
keiten der Interpretation auftreten, 
stellt man die Frage nach dem 
Benennungshintergrund bei Jokams 
boda vergeblich. Jokam ist eine abge 
schliffene Variante des männlichen 
Rufnamens Joachim und Jokamsboda, 
somit der «Boden des Joachim». Wes 
halb dieses Gebiet jedoch nach einem 
Joachim benannt wurde, bleibt offen. 
Vermutlich entstand die Bezeichnung 
anlässlich eines Ereignisses, in das ein 
Joachim verwickelt war. Mit dem al
	        

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