Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1995) (1995)

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Einen Blick über die weiten Felder 
gewinnt man von Gutenberg aus. Ein 
zigartig im oberen Rheintal und in 
weiter Umgebung ist die Lage dieses 
80 Meter hohen Hügels. Inmitten ei 
ner freien Ebene wirkt er wie ein ver 
lorener, riesiger Felsblock aus der Ur 
zeit. Hügel und Burg sind das Wahr 
zeichen der Gemeinde. Am südlichen 
Abhang wächst ein guter Tropfen, der 
dem «Vaduzer» nahekommt. Auf ei 
nem kleinen Ausläufer stehen die Ge 
bäude der Missionsschule und am öst 
lichen Fuße die romanische Pfarrkir 
che. Sie ist ein Geschenk unseres un 
vergeßlichen Fürsten Johannes II. im 
50. Jahr seiner Regierung und wurde 
1912 eingeweiht. Wenige Meter von 
der Kirche entfernt finden wir Schul- 
und Gemeindehaus, so ziemlich in der 
Mitte zwischen beiden Ortschaften. 
Bis zum Jahre 1869 hatten Balzers 
und Mäls getrennte Schulhäuser. 
Die alte Pfarrkirche, erbaut nach dem 
furchtbaren Brande des Jahres 1795, 
stand in Balzers. Der Friedhof mit 
dem Turm erinnert uns noch daran. 
Nach jenem Brande mußte der Gottes 
dienst 12 Jahre in den beiden Kapellen 
Mariahilf und St. Peter in Mäls gehal 
ten werden. Die Mariahilfkapelle ist 
ein kleiner Wallfahrtsort und wurde 
zur Erinnerung an die Kämpfe vom 
5. Januar 1289 zwischen den Anhän 
gern der Grafen von Montfort und 
denen von Werdenberg erbaut. Das 
kleine St. Peterskirchlein ist großen 
teils frühgotisch und gilt als eines der 
ältesten Kirchlein im Lande. 
Einen Einblick in die traurigen Ver 
hältnisse nach dem Brande vom Jahre 
1795 geben uns die Aufzeichnungen 
des damaligen Pfarrers Mähr. 
Es herrschte nach dem Brande eine 
grenzenlose Armut. Mit Betteln und 
Schulden wurden die Wohnhäuser 
wieder erstellt und, um ja zu sparen, 
zwei und mehrere zusammengebaut, 
wie das Dorfbild heute noch zeigt. Zur 
entsetzlichen Not kam noch der Lärm 
des Franzosenkrieges. Die Baukosten 
der Kirche sollte, als Besitzer von Gu 
tenberg, der Kaiser von Österreich 
übernehmen. Doch wollte niemand 
bezahlen, und der Bau konnte erst 
1805 begonnen und 1808 vollendet 
werden, obwohl die Bürger viel Fron 
arbeit leisteten. Merkwürdig er 
scheint uns heute, daß zum Kirchen 
bau alle Handwerker aus dem Ausland 
kommen mußten, weil es im Lande 
noch keine gab. Die rund 120 Famili 
en, die damals hier ansässig waren, 
lebten von der Bauernsame und hat 
ten damit Arbeit und Auskommen. 
Heute ziehen viele außer Landes, um 
ihr Brot zu verdienen. 
Außer einem Rheineinbruch im Jahre 
1868 ist Balzers von weiterem Unge 
mach verschont geblieben und hat 
sich in den letzten Jahrzehnten zu 
einer Gemeinde mit 1300 Einwoh 
nern entwickelt.»
	        

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