Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1995) (1995)

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Burg Gutenberg 
Der Wiederaufbau 1 
Dr. Rudolf Rheinberger 
250 Jahre hatte das Geschlecht der 
Freiherren von Ramschwag die Burg 
vögte auf Gutenberg gestellt, als sie im 
Jahre 1746 auf ihre «Schlosshaupt 
mannschaft» verzichteten. Zu diesem 
Zeitpunkt hatte die Burg Gutenberg 
ihre Bedeutung als militärischer Vor 
posten Österreichs gegen Bünden 
längst verloren. Österreich hatte da 
her auch kein Interesse mehr an kost 
spieligen Unterhaltsarbeiten. Damit 
aber war der langsame, doch stete 
Verfall der Feste eingeleilet. Schon 
1780 2 begann man, diesen Verfall ak 
tiv zu beschleunigen: Man riss die im 
Schlosshof befindliche, uralte St. 
Donatskapelle nieder, trug das Burg 
dach und den DachstLihl ab, und es 
ging nicht lange, bis auch das Mauer 
werk daran glauben musste. Holz, Zie 
gel und was an brauchbarem Eisen 
vorhanden war, wurden versteigert 
und der Erlös an das k. k. österreichi 
sche Aerar abgeführt. Was übrigblieb, 
lieferte den Balznern willkommenes 
Baumaterial, dessen man sich kosten 
los bedienen konnte. 
Am 30. September 1824 kaufte die 
Gemeinde Balzers die ausgedehnten 
Schlossgüter samt der Ruine dem 
österreichischen Aerar um lO’OOO 
Gulden ab, ausgenommen die Wolfin- 
gerschen Lehengüter. Die Burgruine 
aber schenkte die Gemeinde Balzers 
später dem Fürsten, da sie für die 
Gemeinde wertlos war. Es bestand 
wohl auch die vage Hoffnung, der 
Fürst könnte später die Burg wieder 
aufbauen . 
Doch war für die Fürsten von Liech 
tenstein die Burg Vaduz schon von 
jeher Sitz der Landesherren - Symbol 
ihrer Herrschaft über das Land. 
Schon Fürst Alois II. trug sich mit dem 
Gedanken, 3 Schloss Vaduz als Resi 
denz für seine Aufenthalte in Liech 
tenstein auszubauen, doch unterblieb 
die Ausführung. Schon ein Jahr nach 
seinem Regierungsantritt griff Jo 
hann II. 1859 den Gedanken wieder 
auf, um ihn aber bald wieder fallenzu 
lassen. Und wiederum ist im Jahre 
1880 von Schlossbauplänen die Rede, 
welche Architekt Banko aus Wien aus 
arbeiten sollte. 4 Priorität hatte aber 
für Fürst Johann zunächst die Feste 
Liechtenstein bei Mödling, die er dann 
auch gegen Ende des 19. Jahrhunderts 
nach Plänen Karl Gangolf Kaysers, 
Walcher von Moltheims und Egon 
Rheinbergers grosszügig wieder auf 
bauen liess. Erst nach Abschluss die 
ser Arbeiten entschloss sich Fürst Jo 
hann II. zu Beginn unseres Jahrhun 
derts, nicht zuletzt wohl auch auf 
Drängen seines Bruders Prinz Franz 
und des Grafen Hans Wilczek, Schloss 
Vaduz aus dem ruinenhaften Zustand 
wieder in würdiger Form erstehen zu 
lassen. 
Damit aber war für die Balzner jede 
Hoffnung geschwunden, dass der 
Fürst die Ruine Gutenberg wieder auf 
bauen könnte. Doch um diese Zeit ge 
langte Egon Rheinberger aus Vaduz 
mit dem Ersuchen an den Fürsten, 
ihm die Ruine Gutenberg zu verkau 
fen. Rheinberger hatte in den Jahren 
1899 bis 1901, als er an der Restaura 
tion der Feste Liechtenstein bei 
Mödling mitarbeitete, das Vertrauen 
Fürst Johanns gewonnen. Ganz be 
sonders hatte dem Fürsten sein Mo 
dell und die Ausführung des Turmes 
Ruine Gutenberg von Nordwesten. 
Aquarell von Moriz Menzinger, 1869. 
Fürstliche Sammlung, Vaduz. 
Der Mauerausbruch in der südwest 
lichen Umfassung ist deutlich 
sichtbar. Südlich steht das 1854 - 58 
erbaute Institut, der «Runde Büchel» 
ist wie der Burghügel mit Reben 
bepflanzt. In der rechten unteren 
Bildecke eine Feldkapelle, früher 
«St. Anna in der Au», heutiges 
«Kappele» (auch Flurname) 
1 Die Unterlagen zur ersten Bauphase 
(Kaufverträge, Rechnungen, Lohnlisten) 
sind grösstenteils noch vorhanden. 
FamARh. 
2 Franz Büchel, Balzers 842-1942 
3 Elisab. Castellani, Fabriklerleben 1994, 
S. 218 ff 
4 RhAVDavid Rh. an Bruder Josef, 
Brief v. 22. Okt. 1880.
	        

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