Volltext: Balzner Neujahrsblätter (1995) (1995)

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Verwandlungsprozesse der letzten 
Jahrzehnte sind viele überkommene 
Verhaltensweisen erhalten geblieben; 
manche/r Dorfbewohner/in ist an her 
kömmliche Werte innerlich noch ge 
bunden. Darin, wie auch in der Offen 
heit für neue Formen und Verände 
rung, liegt ein grosses Potential, das 
für die weitere Entwicklung der Ge 
meinde Balzers und die Förderung ei 
nes möglichst alle einspannenden so 
zialen Beziehungsnetzes fruchtbar 
gemacht werden kann. 
Die Kleinheit unseres Landes, die ver 
gleichsweise kurzen Distanzen för 
dern eine feste Verwurzelung des 
Dorfbewohners in seiner Heimatge 
meinde, die Identifikation mit ihr ist 
noch immer stark. In der Heimatge 
meinde, in der die meisten auch 
verbürgert sind, hat man Besitz und 
Nutzungsrecht, ebenso fühlt man sich 
emotional, von der Tradition, dem 
Herkommen und den verwandt 
schaftlichen Bindungen her, an den 
Ort gebunden. Die teilweise hausge 
machten Entwicklungen fordern zur 
Frage heraus, ob die Gemeinde als 
solche der Hort von Vertrautheit, Ge 
borgenheit und Heimatverbunden 
heit bleiben oder wieder werden kann. 
Noch ist man Balzner und Balznerin, 
bevor man Liechtensteiner und Liech 
tensteinerin ist. 
Überkommene ländliche Werte ver 
sucht man hochzuhalten, obwohl sich 
auch Gemeinden und Land teilweise 
an den Zielen der Leistungs- und Kon 
sumgesellschaft orientieren. Brauch 
und Brauchtum werden noch ge 
pflegt, aber mehr im Sinne eines 
Zurückschauens und einer Erhaltung 
von Wertvorstellungen und Traditio 
nen, denen vielleicht schon Funda 
ment und Sinn fehlen. Brauchtum 
grenzt innerlich und äusserlich an 
Spektakel und Ereignis, der Brauch 
wiederum ist mit der täglichen Ge 
wohnheit verwandt (U. Jeggle). Mögli 
cherweise können sich aus den Ereig 
nissen der heutigen Zeit neue Tradi 
tionen entwickeln, und vielleicht kön 
nen aus dem heutigen Umgang und 
Miteinander neue Formen des tägli 
chen Lebens entstehen, für die eine 
tiefere Akzeptanz vorhanden ist und 
die sich damit als kräftig und dauer 
haft erweisen. 
L i t era t urh i n wc i s e : 
Grundlegend zum Thema des Wandels in 
Gesellschaft und Gemeinden sind verschie 
dene Arbeiten von Arnold Niederer und 
Paul Hugger. Konkrete Daten zum Wandel 
und der Entwicklung in Balzers geben in 
erster Linie das Schrifttum über Balzers, 
die Jahresberichte und Nachrichten 
(«Orientierung») der Gemeinde, die Stati 
stischen Jahrbücher Liechtensteins, die das 
ganze Land betreffende historische Litera 
tur und die Jahrbücher des Historischen 
Vereins für das Fürstentum Liechtenstein.
	        

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