Im Hinblick auf die angesprochenen Spezialfragen ist festzuhalten, dass im Bereich der 
automatisierten Einzelentscheidungen zwar grundsätzlich eine Aufwertung der Rechte der be- 
troffenen Person stattfindet; hingegen fehlen hinsichtlich der Videoüberwachung besondere 
Vorschriften, wie sie das DSG kennt, völlig, sodass einerseits auf die allgemeinen Bestim- 
mungen der VO abgestellt werden und daher Entscheidungen unter Abwägung der Umstände 
im Einzelfall getroffen werden müssen, was einen Mangel in Bezug auf die Rechtssicherheit 
darstellt. Schließlich ist im Hinblick auf die Vorschriften zur Vorratsdatenspeicherung festzu- 
halten, dass gerade im Lichte der jüngsten Rsp des EuGH zumindest stark zu bezweifeln ist, 
dass die einschlägigen Rechtsgrundlagen nicht mit dem Grundrecht auf Datenschutz vereinbar 
sind. 
Obwohl die DS-GVO im Allgemeinen gerade unter Berücksichtigung der technologi- 
schen Neuerungen der letzten 20 Jahre einen längst fälligen Schritt in Richtung eines besseren 
Schutzes der personenbezogener Daten von betroffenen Personen darstellt und sich die Ver- 
antwortlichen einem breiter gefächerten Arsenal an mit harschen Strafandrohungen bewehrten 
Verpflichtungen gegenübersehen, heißt dies nicht, dass der liechtensteinische Gesetzgeber 
diesbezüglich untätig sein kann, im Gegenteil: Aufgrund diverser Umsetzungspflichten und 
Ermächtigungen wird er nicht umhin kommen, eine ausführliche Regelungsgesetzgebung zur 
DS-GVO zu schaffen, um ein im Rahmen dieser VO lückenloses Regelwerk bereitzustellen. 
Wie dargelegt, ist dies auf die Eigenschaft der VO als hinkende VO zurückzuführen, da sie 
zB in den Art 23 und 84 f Umsetzungsvorgaben enthàlt.??? 
Obwohl letzten Endes stark zu bezweifeln ist, dass die DS-GVO als Produkt von vielerlei 
Kompromissen und aufgrund teilweise großen Interpretationsspielräumen ihrer Vorschriften 
in Bezug auf den Regelungsinhalt sowie Lücken, welche Abwägungen im Einzelfall und die 
langwierige Herausarbeitung von Rechtsprechung erforderlich machen'???, den grofsen rechts- 
setzerischen Wurf darstellt, wird sie die künftige datenschutzrechtliche Praxis in Liechtenstein 
mit hoher Wahrscheinlichkeit nachhaltig verándern und prágen: Heimische Unternehmen 
werden ab Anwendbarkeit der VO innerhalb des EWR und, insb wenn sie auch im Raum der 
EU tátig sind, bereits ab dem 25.5.2018 weit mehr Ressourcen und Kapital für die daten- 
schutzbezogene Compliance als bisher aufwenden müssen, um die Rechtskonformitát ihrer 
Datenverarbeitungen sicherzustellen. Gleichzeitig sollten von einer rechtswidrigen 
  
192 S dazu die entsprechenden Ausführungen in Kapitel 7.1.4.2. 
1933 Vg] Schrems in Knyrim, Datenschutz-Grundverordnung, 35. 
350
        

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